Reichlich dick

Bild von Alf Glocker
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Im Herzen setzt der Flockenfall
die Sommerwärme außer Kraft,
die Zimmerpflanze, die da heißt
„Hoffnung“ lässt die Triebe hängen -
der große gelbe Feuerball,
der sonst die echte Leidenschaft
mit deiner Seele fest verschweißt,
sitzt hinter grauen Wolkensträngen.

Das Wetter ist zwar noch nicht
kühl, doch schon vereist beginnen
sich die Gedanken zu verlieren,
im Einbruch dieser Dunkelheit,
die Leben einfriert, oder schlicht,
ob drauß` im Freien, oder drinnen,
ins Niemandsländer führen -
und eine Stimme in uns schreit:

„Geht weg von mir, Gefahren,
durch Zeitdämonen, ich bereue
ein Mensch zu sein, der lebt!“.
Doch, während sich die Erde
dreht, in weiteres Erfahren,
erreicht uns schlicht das Neue,
das nie ein wacher Geist erstrebt,
mit schauderhafter Lustgebärde.

Es ist, als ob mit Riesenschritten,
ein Ende naht, das wir nicht ahnen,
weil wir vor uns, nicht ehrlich,
ganz falsche Zukunftsbilder malen!
Der Teufel lässt sich nicht lang bitten,
und wenn uns auch Fanale mahnen:
der Tod blickt schon begehrlich,
dann geht es ans Bezahlen!

Dann bricht der Winter ein ins Land,
dann sind die Felder kahl, und bleich
beginnt das Tageslicht zu dämmern.
Gebückt geht, wer mal aufrecht war!
Dann schwant es düster im Verstand,
„Wir waren einmal stolz und reich -
nun sind die Wölfe bei den Lämmern
und deutlich wird es klar...

„es“ ist verspielt, die weißen Westen
sind voller schwarzer Ekelflecken!
Vor uns ist ein Gebiet aus Scherben
und keine Sehnsucht bringt zurück:
so grüne Zweige an den Ästen,
die sich in einen Himmel recken,
aus dem der Hass und das Verderben
nun ankommt – und zwar reichlich dick!

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