Ich, Onkel Benn und sieben Gläser Wein

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Dunkler kann es nicht werden.
Wispernde Ähren im Wind,
Ruf kentaurischer Herden ...
RUHE! Ich dichte, mein Kind.

Sieh die Sterne, die Fänge
ewiger Helden der Nacht.
Diesseits Zwerge, mit Strenge
auf dein Verhängnis bedacht.

Untröstlichkeiten – in Sagen,
die du bis heute beweinst.
Aus dem Seelenstaub ragen
Stelen der Träume von einst.

Charon oder die Hermen,
alle brutal sodomiert.
Mammon, Plutos – mit Spermen,
die man als Cocktail serviert.

Chaos – Zeiten und Zonen.
Die Mythen dem Spiegel und
Kaviar den Dämonen,
ein Huflattich für den Hund.

Schleierkraut, Schleierkraut rauschen,
wo man Lemuren bestallt.
Brandung und Schaum – das Plauschen
mit Schliff, zum Hoden geballt.

Die Welten trinken und tränken
Knaster mit Astern im Blick.
O Nacht! Lass uns Gottfried gedenken
bis mich der Hypnos holt – Hick!

///

Anmerkung: die erste Zeile jeder Strophe entspricht dem jeweils ersten Vers der folgenden Gedichte von Gottfried Benn:
1: Dunkler
2: Sieh die Sterne, die Fänge
3: Wo keine Träne fällt
4: die Dänin (I)
5: Chaos
6: Schleierkraut
7: Quartär (I)

Ein paar Anspielungen auf weitere Gedichte wird der Benn-Liebhaber ohne besondere Mühe selbst entdecken.

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Kommentare

18. Apr 2021

Der Benn nennt ja die kleine Aster -
Die Krause kennt den großen Zaster ...

LG Axel

18. Apr 2021

Hallo Axel
Ich stellte gerade fest, dass die "kleine Aster" das erste der Morgue-Gedichte ist. Schaurig!
Besser so:

In jeder Klause
mit jedem Schluck
macht's bei der Krause
im Bauche - Gluck ...

LG
Dirk

18. Apr 2021

Schmunzelnd die leise Ironie vernommen,
- bis das Nichts die Bilder bleicht -
Grüße aus dem "umblühtem Haus",
Monika

18. Apr 2021

Hallo Monika

es gibt nur zwei Dinge: den Käse
und das verdichtete Ich :)

LG vom Strom, der nicht vergeht
Dirk

18. Apr 2021

Aber sowas von .... chapeau!

"Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich."

Schönen Sonntag mit lieben Grüßen - Uschi

18. Apr 2021

Hallo Uschi

So isset, auch wenn ich das gerade verunstaltet habe.

Als Ausgleich diese wunderbare Stelle aus dem Schleierkraut:

Jeder weiß von den Tagen,
wo wir die Ferne sehn:
leben ist Brückenschlagen
über Ströme, die vergehn.

In diesem Sinne, schlagen wir hier im Forum die eine oder andere.

LG
Dirk

19. Apr 2021

Hallo Olaf
Doch, nur EIN WORT, ein kleiner Sternenstrich,
mehr braucht es ja nicht :)

LG
Dirk

19. Apr 2021

Mit Begeisterung gelesen; mein Lieblingsgedicht: "Blaue Stunde" ...

LG Marie

19. Apr 2021

Hallo Marie
Die blaue Stunde habe ich mir jetzt extra nochmal verinnerlicht. Ja, ein wunderbares, stimmiges Gedicht.
LG
Dirk