Komm

von Alf Glocker
Mitglied

Komm geh, und weile nicht mehr länger,
dein Kleid ist aufgetragen, leicht
geworden und die Weite enger,
du hast das Ende schon erreicht,
denn die Verbindung Mensch und Wesen
kann man in Zukunft nicht mehr lesen.

Du bist nun aufgerufen abzutreten.
Die Erde war dir Schauspiel oder Pein.
Nun hilft kein Grübeln und kein Beten,
du bist mit deinem Tod allein –
und er lässt dich die Härte spüren:
du bist gefesselt wie mit Schnüren.

Gewonnen aus dem Licht der Galaxien
warst du verstofflicht, zeitbesessen.
Nun lassen dich die Zeiten ziehen –
du hast den Teil schon ausgemessen,
der deinen Wegrand bildete. Wie lang?
Geh jetzt deinen letzten Gang!

Nur eine kurze Weile bist du im Vergleich,
mit dem, was da vergänglich um dich tost,
was aus der Ferne, kalt und sternenbleich
dir stets erschien als schierer Trost:
der hohe übersäte Himmelsdom.
Er ruft dich jetzt mit seinem „Komm“.

©Alf Glocker

Veröffentlicht / Quelle: 
In Athologien und auf Webseiten
Öl auf Karton

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Interne Verweise

Kommentare

03. Dez 2014

Das heutige Bild (Öl auf Karton) hat keinen Namen? Das ist wunderschön komponiert.

04. Dez 2014

Bewegende Zeilen, bin tief beeindruckt, Alf!
Das Bild gefällt mir total - in Natura ist es wahrscheinlich sehr groß, oder? (Weil ich nur große Bilder von dir kenne ...)
Viele Grüße
Cori

05. Dez 2014

Danke! - Und:
ausnahmsweise diesmal nicht. Das Bild ist nur 60 X 50 cm
Viele Grüße Alf

19. Jan 2016

Einmaliger Text, sehr stark in der Aussage wie alle Texte von dir! Ich bin absolut begeistert!
L.G. Angélique

19. Jan 2016

deine Sprache geht tief.und dieses Bild genauso .Ein Gesamtkunstwerk - meine Hochachtung !
Herzlichen Gruß
Eva

21. Jan 2016

Hallo, liebe Angèlique, liebe Eva, lieber Ephraim - ich bedanke mich vielmals!
LG Alf