schatten fallen auf die straße

Bild von Dagmar Herrmann
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schatten fallen auf die straße

pflastersteine glänzen silbern
im mondlicht, wo die einsamkeit
wohnt, hat es kein namensschild
nur die hängenden gärten der trauer
mit eingelegtem blattgold
auf dem fensterglas
das flackern verglühender lampions
über der maskerade der fetische
glaube liebe hoffnung
mit einem girlandengebinde
erinnern auf leinenen gestreckten
tüchern einer totenbahre, an die aus
dem haus getragene stille gestalten
die huschen im nebligen dunst
der herbstlichen abende

das geflatter der fledermäuse später
und ihr sirrendes suchen im einklang
mit dünn gespannten häuten der stirn
hinter denen die gedanken düstere pfade
ins vergehen finden

und es gibt keine umkehr
an den glattgestrichenen wänden
auf denen kahle äste
eine schrift schreiben
die keiner lesen kann

und doch pfeift der wind
durch die spalten der türen
rufen die stimmen
in lebendigen sprachen
mit ihrem vibrato
spannen sich
wie lange spinnenfäden
zu einem netz, an dem
das flüchtende
davon fliehende
kleben bleibt ...

©dherrmann

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Kommentare

15. Sep 2020

Frau Krause wirft gern lange Schatten -
Die danach schwere Dellen hatten ...

LG Axel

15. Sep 2020

ich weiß von ihren Schatten, die dunklen und die matten ... sie schmeißt sie auch in die Rabatten ;-)

18. Sep 2020

... kleben bleibt, wie an deinem Text. Gerne mehrfach gelesen!