DIE AASGEIER

von Erich Vio
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Wie sie häßlich um die Leiche hocken,
einer toten Ziege Fell zerzupfen,
in verfaulte Därme gierig hacken
und in Eifersucht einander rupfen,
angeflogne Krähen zu verjagen,
zischend sie zum Gegenangriff reizen,
um die dürren, blutbeschmutzten Hälse
ihr abscheuliches Gefieder spreizen,
und sodann auf schwarz und weißen Schwingen
majestätisch durch die Lüfte kreisen,
unbeweglich in den Himmel steigend
mit der Sonne nach dem Westen reisen,
staunen wir im Zwiespalt unsrer Seelen
ob des üblen Ekels, während sie
Aas verzehren und wie Götter fliegen
in Erfüllung höherer Harmonie.

Veröffentlicht / Quelle: 
Silhouette Literatur - International/Nummer 16-1982
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