Tiresias

von Erich Vio
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Wir opfern unser Blut am Tor der Schatten.
Sie ziehn vorbei und kennen uns nicht mehr.
Die einst durchs Leben uns begleitet hatten,
sind teilnahmslos wie Sterne überm Meer.

Wir lassen sie heran vom Blut zu trinken,
erfahren die Bestimmung jeder Bahn,
erwarten, daß sie uns zum Rundgang winken,
vergessen vor Begier den Meisterplan.

Ein Blinder könnt' uns dann die Wege weisen,
die das verkürzte Augenmaß nicht sieht.
Im Kindergarten spielbeglückte Waisen
verfolgen wir den Schmetterling, der flieht.

Wie steht ein Kind enttäuscht und überrascht,
das statt des Falters nach dem Schatten hascht!

Veröffentlicht / Quelle: 
Reisebilder in Gedichten- Der Karlsruher Bote
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