Sturmglocke

von Ingeborg Schneidereit
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I.

Ruhe flieht
wo Hoffnung sich verkürzt
was ist Angst ums eigene Selbst
wenn die Brandung Küsten unterhöhlt
Menschen sehen Deich im Dunst
wo der Abgrund nur noch zählt
sitzen in dem Kreis der Kreise
haben Arm und Bein verhökert
und dem Glauben Hohn geboten
der sie einst ins Licht gebracht
spucken Herkunft ins Gesicht
lassen Ströme blutrot schwellen
an den Ufern Kahlheit schlagen
Sturmes Glocken nur verhallen
Gott ist kein Begriff geblieben
und die Normen einer Ethik
kaum errungen im Jahrtausend
liegen im Sondermüll des Geistes
ach das Kreißen einer Menschheit
bringt nicht eine Maus hervor
die ein Berg in diesem Zustand
doch wohl noch gebären kann
Gott ist viel zu groß und mächtig
um die Träne abzupressen
die auf diese Erde fallend
Tau einer Genesung würde

II.

Sturmes Glocken läuten
von der Elektronik Gnaden
werden erst das Klingen lernen
wenn die Menschen an den Seilen ziehen
und Gedanken voller Inbrunst
Dienst am Nächsten
und die Demut vor der Basis zelebrieren
aber bleiben Glocken hohl
ohne Klöppel dieses Handelns
brechen Mauern zu Ruinen
weinen Wälder ohne Bäume
schwimmen Fische tot im Strome
droht die Sonne mit Vernichtung
Gift vermischt der Quelle Labsal
und das Leben wird verdorren
in dem materiellen Anspruch
der zu eigener Macht gekommen
unaufhörlich sich gebiert

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