Reflektionen

von Ingeborg Schneidereit
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Breite Straßen,
schmale Fronten,
enge Stufen, kleines Tor, Holzgetäfel,
Holz der Tische und der Stühle,
Küferschurz,
Jahrgang – achtungsvoll geflüstert,
Tradition in allen Ecken.
War es noch das Hufgetrappel
oder Seidenglanzzylinder?
Diese Luft bleibt stets von gestern,
Stadt der Städte,
dich zu lieben, zu erkennen
und sich selbst benennen.
***
Man kann auf viele Arten frieren,
auf wenige sich wärmen,
ein Ofen nimmt Kohlen
und gibt Hitze
gleichmütig
an Große und Kleine,
an Dicke und Dünne,
an Gerechte und Ungerechte,
an Lachende und Weinende.
Ein Ofen ist eine ziemlich gute Sache.
***
Ein Schnee fällt,
er macht hell,
er verbindet,
er ist festlich,
dann dreht sich der Wind,
nun soll der Schnee schmutzig sein,
obwohl der nicht schmutzig ist,
aber er soll es glauben.
Da wird er kalt und eisig
und kriecht in sich zusammen
***
Heute ist ein andrer Tag,
heute stieben die Flocken unter den Kufen,
und die Luft prickelt,
das Eis glänzt,
die Bahn ist frei,
und die Sonne lacht breit
hinein bis in den Schneeball.
***
Die Fanfare tönt,
die Helden sind aufgerufen,
das Turnier soll beginnen,
der Fanatismus hat die Grenzen,
die Maßlosigkeit hat die Regeln gesetzt.
***
Die Ahnung ist intim,
auch in dem großen Kreis
und auch für die,
die sich verpflichtet haben;
sie senken still die Köpfe,
sie glauben die Zerstörung,
und niemand sagt:
der Feind
und niemand sagt:
das Unrecht
und niemand sagt,
dass einer es gesagt hätte –
die Ahnung ist intim
in ihren seltsamen Stunden.

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