Vorwort

von Ingeborg Schneidereit
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Die Fabel hat abgelehnt
sie ist alt und gebrechlich
man hat sie lange nicht gebraucht
und sie kann nur sagen
dass die Weisen die Sterne zählen
und multiplizieren
das ist eine zu große Zahl

Und die Dichter haben alles herangeholt
das Hohe und das Niedrige
das Vornehme und das Einfache
sie haben allen Kothurn und Maske gegeben
und haben einen Scheinwerfer aufgestellt und
gesagt
dass er die Sonne sei
nun feiern sie alle den Heroismus
aber was nützt der Heroismus
wenn man feige ist

Die Schicksale liegen zwischen den Buchdeckeln
es sind wahre und unwahre
gewollte und ungewollte
geglaubte und ungeglaubte
aber sie sind nur sie selbst
sie wissen nur ihr Schicksal
sie kennen nur ihre Ausnahme

Veröffentlicht / Quelle: 
Spectrum - M.+N. Boesche Verlag
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