Homunkulus

von Ingeborg Schneidereit
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Im Anfang war – was war, was glaubt man, das gewesen sein könnte?
Das Kleinste der Ursubstanz kann schließlich diesem Anfang überlassen bleiben. Der Ursprung ist unerheblich ...
Das Abenteuer und das Phänomenale ist der Eingriff in das Existenzielle; wir haben das Unvollkommene nun selbst in die Hand genommen und die Fehler eingekreist.
Thomas war ein Mann der Zukunft, seine Frau Martina hatte einen großen Nachholbedarf an Voraussicht. Die Steinzeit holt manchen leider immer wieder ein. Das dritte Jahrtausend droht, sagte sie und zündete Kerzen zur Versöhnung des Unbegreiflichen an. Dann unterschrieb sie die Bestellung auf das zu manipulierende Kind, laut Musterkatalog für Genies. Sie lasen die zu beachtenden Hinweise und befolgten alles, was erforderlich war.
Welch ein Triumph, sagte Thomas und fügte dann noch hinzu: Einen Sohn werde ich haben, Probleme werden mir und ihm erspart bleiben, der Mensch hat die menschliche Natur korrigiert.
Die Entscheidung über den Namen für den Sohn war zum Streitpunkt geworden. Die Antike hat ihren Namen dem Vorstoß in den unendlichen Raum geliehen; die Mode der Gegenwart wurde als zu minderwertig verworfen. Was bedeutete schon der Name Siegfried, der an dem Sohn schließlich haften blieb und so ohne Bezug zu ihm war, wie er selbst ohne Bezüglichkeiten blieb. Sie hatten für ihren Sohn zu viele Fähigkeiten eingekauft. Er wurde von seinen Talenten erschlagen.
Wir waren seine Eltern, aber er hatte seinen Ursprung vergessen, sagten sie bitter.

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