Enigma

von Marianne Jankowski
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Wer bin ich?
Was ist unter dem Furnier
dieses verworfenen Jahrhunderts?
Endlich erreicht, das Jahr zweitausend,
wie sie den Himmel erleuchten,
kurz vor dem Quasar, dem schwarzen Loch.

Wer bin ich?
Abends ist meine Maske abgetragen,
ganz dünn, Einweghülle,
ausreichend für wenig mehr als zwölf Stunden,
in der Nacht schwindet sie.

Hereingereicht wird sie mit dem Morgenlicht,
durch das Fenster, immer zögernder,
manchmal schadhaft, dann deckt sie nicht.

Wer bin ich?
Nur wenn das Licht von vorn trifft,
sind keine Schatten;
wer schräg steht, sieht ein anderes Gesicht,
Larve, geschaffen in Jahrmillionen,
die ich nicht kenne,
doch bin!

Nun fallen wir mit Endgültigkeit,
ohne Echo, unbemerkt von andern Welten,
wessen nicht gelungenes Experiment?

Wer bin ich?
Welcher großen Hoffnung missratener Keim?
Unerlösbar also, die schimmernden Religionen
falten die Zelte, die Sterne
verweigern den angetragenen Sinn.

Kalt wird es sein
in diesem Schatten des Universums,
staubfein zersprungen ein unerhörter Wurf?

Niemand wird zurückblättern
den unendlichen Kalender,
fossile Ichs, zehntausendfaches Wunder,
bis zu dem Urahn, der aufsah,
von grünen Wassern, zuerst
in die verwehrende Welt.

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