Weihnachten 1946

von Marianne Jankowski
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Der Rodelschlitten hatte überstanden,
bei uns war noch sogar ein Papa da,
die Nachbarn suchten, bis sie Strippe fanden,
so machten wir das Fahrzeug wieder klar.

In vielen Kellern hat man nachgesehen,
und manches fand sich doch noch wieder an,
bis hundertfach sie auf der Straße standen,
ein Schlitten, zwei, drei Kinder drauf und dran!

Den Alten war der Frohsinn ausgetrieben,
den Müttern fehlte tausendfach der Mann,
und dennoch fing zu zieh´n man an und schieben,
ein Schlitten, zwei, drei Kinder drauf und dran.

Und alles, wirklich alles lag in Trümmer,
es hatte selbst die Ratten weggerafft,
noch fand man Bomben, Minen, Tote, immer
noch immer war´n die Gräber nicht geschafft.

Die Kinder aber hoben ihre Blicke
zu weißem Winterwirbelflockentanz
und warteten auf Weihnachtsrentierschlitten
und Engelchorkonzert und Lichterglanz.

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