Taumelnde Seligkeit

von Tilly Boesche-Zacharow
Aus der Bibliothek

Du liebst mich - was hats mir verraten?
der Wind, der heut vom Kreuzberg heult!
Der Regen, der ans Fenster prallt!
Die Sonne, die dein Bild umflirrt!
die Taube, die im Garten girrt!
Mein Blut, das in den Adern singt!
Mein Herz, das zärtlich klopft und springt!

Du liebst mich - was hats mir verraten?
Dein Mund, der kaum geständig ist!
Dein Trieb, der feurig glüht und loht!
Die Stimme, die belegt erklang,
die Sinnlichkeit, die zu mir drang!
Dein Brief, der davon strotzt und quillt,
und vor mir auf dem Schrank dein Bild!

Du liebst mich - was hats mir verraten?
Die Nacht, die dich so ruhlos trieb,
ein Anruf, der dann unterblieb.
Ein Mann, den du nicht leiden magst!
Dein Neid, von dem du mir nichts sagst!
Der Mond, auf den du Mädchen schießt -
und alles, was dich sonst verdrießt.

Du liebst mich - du hast dich verraten!
Nun ist die Welt davon so voll.
Du liebst mich - zögernd, noch auf Raten,
und das macht mich schon toll!

Drum komm zu mir, o laß dich sehn -
die Welt, sie bleibt ganz einfach stehn.
Schließ deine Augen, spür den Brand,
der uns erfüllt, erfüllt zum Rand.
Und wenn du mich dann halten wirst,
das ganze Sein im Nichts zerbirst.
Wir werden dann in eins zerrieben,
weil wir uns lieben - lieben!

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