Streifzug durch Lagos 1

von Monika Jarju
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Ich schlendere über den Platz Gil Eanes, nähere mich dem Denkmal des Königs João Sebastião. Die Plastik zeigt einen kindlich aussehenden jungen Mann in mittelalterlicher Kleidung, zu seinen Füßen die Weltkugel, sie ist gesattelt. Dieser König war ein Träumer, das sehe ich an seinen weichen Gesichtszügen, seinem großen Kinderkopf, sogar seine Kleidung wirkt an ihm verspielt. Ein großer Junge, der davon träumte Nordafrika zu erobern für Portugal. Sicher bewunderte der Königssohn aus Lissabon Gil Eanes, der in Lagos geboren wurde, den ersten Seefahrer, der sich ab 1433 über das Cap Bojador nach Südmarokko vorwagte.
Bis dahin galt dieses Cap an der Westsahara als Grenze der Welt, ein Überschreiten als unmöglich und gefährlich, der Küstenverlauf Afrikas war bis dahin unvollständig kartographiert. Was für ein großes reines Träumen muss das zu jener Zeit gewesen sein, als diese Männer anfingen die Grenzen der Welt im Traum zu überschreiten, sie nicht mehr hinzunehmen, sich eine neue andere Welt hinter dem großen alten Meer vorzustellen? Wie stark müssen ihre Träume und Fantasien geglüht haben, bis es soweit war und sie in See stachen?
1415 startete Heinrich der Seefahrer eine Flotte von 232 Schiffen zur Eroberung von Ceuta, lese ich im Reiseführer. 232 Schiffe, wie viele sind das? Ich blicke zum Hafen, versuche mir Zweihundertzweiunddreißig Schiffe vorzustellen, die alle in eine Richtung nach Marokko segeln. Ich kann sie mir nicht vorstellen, es sind zu viele.

(Fortsetzung folgt)

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Kommentare

01. Aug 2020

Na, geht doch, Alfi-Lieber, so klingst Du wieder
wie ein Tiefse(h)e-Wort-Taucher aus der Alhambra,

LieGrü, Monika

01. Aug 2020

Als Kolonialist wird der ja jetzt
Durch ein Krause-"Denk"-Mal ersetzt ...

LG Axel

01. Aug 2020

Von Lagos aus starteten die Portugiesen ihren Sklavenhandel in Afrika, der millionenfaches
Leid über die Welt gebracht hat. Vor dem Glauben haben die Portugiesen ihren
Handel gesetzt.
HG Olaf

02. Aug 2020

Hallo
Vielleicht mal ein Kommentar zum Sklavenhandel, ein gern übersehender Tatbestand. Ich kopiere aus dem Wiki:

Die Jagd auf Sklaven und die Verbringung zu den Schiffen wurde in der Mehrheit der Fälle von arabischen und afrikanischen Händlern betrieben;[2] die Europäer waren an der steigenden Nachfrage nach Sklaven beteiligt, jedoch nicht direkt an der Sklavenjagd oder am innerafrikanischen Sklavenhandel.

Ob der Gil Eanes so weitsichtig war, wage ich zu bezweifeln. Wie ich gerade lese, stieg Portugal 1445 in den Sklavenhandel ein. Es ging damals hauptsächlich um den Seeweg nach Indien.

Danke für den Ausflug in die portugiesische Geschichte

LG
Dirk

02. Aug 2020

Vielen Dank für Eure Kommentare!

Maryse Condé erzählt in "Segu" wie der Islam durch muslimische Eroberer nach Westafrika (das große Mali-Reich) vordrang, wie Araber Afrikaner in den Sklavenhandel einbezogen, Handelswege erschlossen, christliche Missionare und europäische Kolonisatoren sich beteiligten. Als ich in Westafrika lebte, las ich ihre Saga, so erweiterte sich mein Blick, als ich mich später in Portugal aufhielt.

Grüße an Euch,
Monika