Komische Wirklichkeiten (Die Lebensautobahn)

von Alf Glocker
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Ich fahre auf der Lebens-Auto-Bahn. Die Hände habe ich zwar am Steuerrad, eingestellt ist jedoch die Routenplanung-Automatik – zwar nicht von mir, aber das spielt ja auch keine Rolle! Die Strecke steht fest! Manchmal geht mir alles zu schnell, oder auch eine Spur zu Von-selbst . Deshalb versuche ich oft einen Gang herunter zu schalten, aber dann kommt gleich ein Hinweisschild, das die Mindestgeschwindigkeit angibt, in mein Gesichtsfeld und mein Zeitstrahl-Mobil schaltet wieder auf Automatik zurück.

Niemals reise ich gegen das Licht, aber immer erscheinen Ereignisse und Begegnungen auf dem Weltmonitor! Ab und an muss sich meine Seele übergeben – ich dagegen übergebe mich (nicht freiwillig) an ein Regime aus Verstrickungen, deren Urheber ich nicht war, nicht bin und niemals sein werde ...? Ich lebe doch! Also: mitgefangen – mitgehangen! Die richterlichen Maßstäbe sind in der Allgemein-Straßenverkehrs-Ordnung verzeichnet!

Manchmal kommt es vor, daß ich den Sicherheitsabstand überschreite ... Dann sieht jeder: Der möchte sich aus der Gefahrenzone heraushalten. Wenig später werde ich auch schon über die Anzeigetafeln ermahnt, den Sicherheitsabstand zu verringern und dichter aufzufahren. Um die Betätigung der Lichthupe wird auch gleich mit gebeten, denn das heizt die Stimmung an, damit die nötigen Turbulenzen erreicht werden können.

Am Straßenrand bleiben die Opfer zurück! Sie sind eingehüllt von Schwarzlichtkaskaden! Die Ordnungshüter des Schicksals sind sofort beschäftigt, die Reste beiseite zu räumen. Warndreiecke werden schnellstens abgeräumt, damit weitere Kollisionen nicht verhindert werden müssen. Viele der Opfer verschwinden in den Löchern schwarzer Kästen, die überall bereitstehen, um den reibungslosen Verkehr nach dem Irgendwo, welches für die Teilnehmer ein Nirgendwo ist, zu gewährleisten.

Sobald ich die Auto-Bahn verlassen möchte und abbiege, werde ich von einer göttlichen Hilfe-Stimme zurückgeholt: „Bitte wenden sie jetzt!“ Ich habe auch schon versucht, die Navigation auszuschalten, aber dann ereilt mich ein Sternenblitz und mir wird der Führer-Schein entzogen! Dann fahre ich mit Bus oder Bahn, auf den vorgeschriebenen Strecken weiter – es gibt kein Halten!

Überall sind Mautstellen, an denen die Glücksfaktoren durch Zufallsgeneratoren überprüft werden ... "wer hat noch keinen Tribut bezahlt?“ Die Auto-Bahn-Polizei braucht Präzedenzfälle, oder auch Präzedenzfallen, um spätere Generationen von Befahrern besser schützen, bzw. vorher aufklären zu können. Doch vorher muss alles erst noch erlebt werden – sonst ist ein späteres Begreifen unmöglich. Jeder, der noch ganz gesund im Kopf ist, wird von herum schwirrenden Sani-Tätern auf die Brauchbarkeit seines Geisteszustandes hin überprüft.

Das nennt man „Verkehrskontrollen“. Immer wieder wird ein Befahrer kurz herausgewunken und sein Gefährt gefilzt. Wer verborgene Wahrheitsdrogen an Bord hat, wird zur Bluttransfusion verschleppt – wo ihm, vorschriftsmäßig, ein Beutel von infiziertem, fremden Blut übertragen werden muss, da sonst ja alles infrage steht: die Hinweistafeln, die Hochgeschwindigkeitsvorgaben, die Waghalsigkeit und die Unüberlegtheit bei Überholmanövern, die, wie inzwischen jeder weiß, riskant ausgeführt sein müssen, damit die Schwarzlichtkaskaden weiterhin maßgeblich bleiben!

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Kommentare

03. Sep 2016

Geist-Erfahrer sind verpönt -
weil man viel lieber Fakten schönt!

LG Alf