Der göttliche Auftrag

Bild von Alf Glocker
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„Tu doch mal was gegen dich selbst!“ höre ich eine Stimme quatschen und ich traue meinen Sinnen nicht. Vermutlich bin ich jetzt in einem Alter, in dem man zu phantasieren anfängt, oder, besser gesagt, bin ich wahrscheinlich immer schon in diesem Alter gewesen. Wer was auf sich hält – also genau so viel wie er soll – der war ja immer schon dieser Meinung, wie ich weiß. Doch Quatsch auf keinen Fall beiseite: Die Stimme ist ganz deutlich da!

Kommt sie aus dem Nirgendwo, einer nicht vorhandenen Dimension zwischen Wirklichkeit und Irrealität? Ist sie der surreale Ausdruck meiner Verblendung, die mir eine Welt zu zeigen scheint, die immer nur von ganz oben (das ist manchmal direkt in der Gosse) geregelt werden muss? Spricht ein Gott zu mir, oder ist eins meiner Organe hyperaktiv geworden, weil ich an einem Aufmerksamkeitsdefizit leide? Höre ich eine Geisterstimme?

Nach vielen Jahren präzisen Zuhörens und der speziell nur mir eigenen Beurteilung des Phänomens kann ich heute zweifelsfrei sagen: Ja! Aber was bedeutet dieses „Ja“? Es bedeutet, daß es sich tatsächlich um ein Organ handelt. So viel habe ich herausgefunden. Aber es ist nur bedingt eins meiner Organe, obwohl es irgendwie „zu mir gehört“. Denn es ist nicht die Leber, die Milz, die Galle – es ist das Staatsorgan!

Es spricht aus dem Nichts nirgendwo vorkommender Verantwortlichkeit. Es ist so lange da, bis sich der Lauf der Geschichte erfüllt hat … dann ist es verschwunden und irgendwer behauptet, mehr weich und glibberig, als steif und fest, daß es niemals wirklich vorhanden gewesen sei. Wir alle, so wird dann plötzlich herumerzählt, hätten Geisterstimmen gehört, die wir uns eingebildet haben. Aber da ist doch etwas, das mir andauernd Vorwürfe macht!

Ich sei ein Ausbeuter, heißt es, ich hätte kein Gewissen, schreit es mich an! Und meine Eltern, meint es, seien Mörder gewesen. Dabei bin ich mir sicher, daß bislang immer ich schwer damit zu tun hatte, so gut es eben ging, Versuche von Kreaturen abzuwehren, die MICH ausbeuten wollten – und ich muss sagen: „Es ist mir nur sehr selten gelungen!" Meine Eltern haben, soweit ich zu wissen glaube, ganz ähnliche Erfahrungen gemacht.

Auch zu ihrer Zeit gab es die Stimme des geheimnisvollen „Organs“, das zu einem gehört wie die Faust aufs Auge. Als sich allerdings das Schicksal erfüllt hatte, war sie weg gewesen und keiner hatte offiziell je von ihr gehört gehabt. Woran hatten sich denn dann die Menschen orientiert? Auch damals hieß es doch schon: „Tu was gegen dich selbst – werde Teil eines Großen!" Ich fürchte, diese Stimme wird überall anders auf der Welt vernommen …

Was aber machen die armen Seelen, wenn sie diese Stimme eine Weile gehört haben? Bei uns bekommen sie ein schlechtes Gewissen! Sie verbinden Schweine und Hunde zu einer insgesamt unbeweglichen Einheit, die sie in sich selbst vermuten … und sofort werden sie brauchbar. Sie fühlen sich auch sofort veranlasst, „Gutes“ zu tun, fremd zu dienen, wo sie nur können, und wenn sie etwas gegen sich unternommen haben, fühlen sie sich befreit!

Viele haben es doch tatsächlich geglaubt – daß sie schlecht sind, daß ihre Eltern schlecht waren, ja, daß sogar alle ihre Vorfahren Verbrecher waren, die niemals hätten frei herumlaufen dürfen. Sie und ihresgleichen hätten immer nur ausgebeutet, verdrängt, gemordet – und das auch noch im Gegensatz zu allen anderen Menschen auf der großen, weiten und doch so eng gewordenen Welt. Das nennt man „Ein Einsehen haben“!

Nun ja … tun wir also etwas gegen uns selbst! Die große, weite Welt ist eben zu eng für alle geworden. Da müssen eben einige verschwinden. Und warum sollten das denn nicht ausgerechnet wir sein? Wir sind es doch, die diese Zurechtweisungen hören. Oder hat wer schon mal berichtet, daß die, neuerdings Richtigen, etwas gegen sich unternehmen sollen? Klar: Hörbar ist diese Stimme vielleicht weltweit, aber HINHÖREN sollen nur wenige.

Die Auserwählten MÜSSEN hören, wenn sie nicht fühlen wollen! Eine schier übergeordnete Macht spricht direkt in ihr Innerstes: „Du bist nichts wert, Du bist verantwortlich dafür, überlebt zu haben, indem Du den anderen alles weggegessen hast, weggenommen und sie dafür mit den unseligen Segnungen Deiner verwerflichen Errungenschaften belohnt hast, die sie nun gegen Dich anwenden werden“ … und sie haben einen göttlichen Auftrag dafür!

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Kommentare

02. Mai 2020

Man schadet selbst sich - das ist gut!
(Da man w/das für die andern tut ...)

LG Axel

02. Mai 2020

sich selber schöne gruben graben ist das beste was wir haben...

lg alf