Um Gottes Willen

Bild von Alf Glocker
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Jetzt haben wir uns so viel erredet und was kommt auf uns zu – der Zwölfenbeinturm aus gekachelten Gummizellen und ein Mördergott mit dem Kopf der Medusa. Prost Mahlzeit! Wer hätte das gedacht, wenn es ihm gelungen wäre zu denken anstatt den Schleimspuren zu folgen. Uns haben doch ein paar Leute die Wahrheit verraten … die jetzt gesucht werden … also die Leute, nicht die Wahrheiten. Auf beides warten entweder 100 Jahre Einzelhaft oder eine saftige Hinrichtung. Was will man mehr?! Gesetze müssen eben vollstreckt werden!

Sind wir untröstlich? Nein, denn als einen für alles verwendbaren Ersatz für das Glück nehmen wir die guten Zerstreuungssendungen im Fernsehen, damit man später offen ist, für die Funksignale der Gehirnwaschanlagen aus den Staatssendern von Kannnichtsein. Kannnichtsein liegt hinter den sieben kurzen Beinen, bei den sieben Glassärgen der Schneewittchenanbeter, die so gerne mit Edelsteinen um sich werfen. Da passt doch dann wieder, was man gehörig passend gemacht hat ... zusammen. Andernfalls droht die endlose Prügelstrafe!

Nur gut, daß immer neue Aufbindebären erfunden werden – das können sogar die Blöden … das Erfinden, wie auch das Aufbinden. Genommen werden dazu die Stricke, an denen sich schon mal einer erhängt hat. Sie stellen quasi die logische Alternativlösung zum Suizid dar. Besser sich einen aufbinden zu lassen, als selbst irgendwo rumzuhängen. Es gibt immer wieder Schwafelmonster, die uns das schmackhaft machen wollen oder können. Wenn sie das nur wollen, sind wir hellwach, wenn sie das aber können, dann schlafen wir fest. Es ist ein Fest!

Zum Glück leben wir im digitalen Zeitalter, da kann man die besten Schlammschlachten schlagen. Vor der Nachbarstür kehrt sich‘s halt immer noch am besten – wir dürfen falsch machen, was wir wollen … die andern sind einfach an allem schuld. Wir müssen nur die Ruhe bewahren und den Selbstmord aussitzen, dann haben wir es bald geschafft: nach einem Jahrhundert der Kriege verschwinden wir – tausendmal besiegt, tausendmal iss nix passiert, doch dann hat‘s zoom gemacht – in der Versenkung der Geschichte. Und das haben wir uns auch noch selbst eingebrockt.

Wir sind schon wahre Teufelskerle und –Kerlinnen. Wir lassen uns von niemandem etwas bieten! Wir bieten mit und wir bieten am höchsten. Eine Million zu Eins, daß wir es schaffen, nichts weiter zurückzulassen als ein paar Mitochondrien. Darauf können unsere unrechtmäßigen Erben dann auch noch stolz sein. Dümmer geht’s immer, aber wir sind die Größten. Die eigene Burg zu schleifen, die Burgfräuleins zu verscherbeln und den Rittersaal abzufackeln, weil die nächsten Herrn nicht wissen was ein Ofen ist, das ist schon stark! Die Hölle wird es uns danken!

Da erübrigt sich jedes weitere Wort! Aber beim nächsten Mal vergucken wir uns dann doch lieber in die Logik des kleinen Mannes – nur leider wird es kein nächstes Mal geben. So ist das eben, wenn man in der Schule des Lebens so fleißig gelernt hat, daß man alle Lesebücher auswendig kann, aber unfähig ist, eine winzige Kleinigkeit richtig einzuschätzen. Dafür waren wir eben noch nie zuständig. Das haben für uns andauernd die andern gemacht, die Verführer, die Marionetten und die Angsthasen. Sagen wir den Füchsen gute Nacht. Es bliebe uns sonst nur noch das eigenständige Handeln übrig – um Gottes Willen. Das wäre ein Fiasko!

Acryl auf Karton
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Kommentare

21. Sep 2017

Grad ein Kriegsgott ist stets lieb!
(Wenn er auch leicht übertrieb ...)
[Ein "sehenswert" für dieses Bild -
Weil "lesenswert" dafür nicht gilt ...)

LG Axel

22. Sep 2017

Ich bedanke mich

LG Alf