Faszination für Fröhliche

von Alf Glocker
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Fischers Fritze fischte frische Fische, im Brautkleid, ohne Blaukraut, aber super kalifragilistisch-expialigorisch. Wer‘s nicht glaubt, der betrachte das Leben – und zwar in seiner erfrischendsten Ausführung. Was wird er entdecken? Wird er Paradiesvögeln beim Schillern zusehen, oder Schillers Freude ebenfalls als Götterfunken betrachten, wenn der Hund mit der Wurst übern Eckstein springt?

Wie man sich auch verdreht und was man dabei verwendet – eines ist klar wie Kloßbrühe: Der Mensch ist die am höchsten entwickelte Tierart! Und sein Balzverhalten ist am kuriosesten! Da kann man getrost von einer wahnsinnigen Bandbreite sprechen, die sich wie selbstverständlich, über alle Bereiche des Alltäglichen hinzieht, aber auch unglaublich herangezogen wird, wenn man grade mal wieder in Erklärungsnot steckt …

Sagen muss man jedoch grundsätzlich: Bei allen vorkommenden Lebensformen ist es durchaus gefährlich, geschlechtlich zu sein! Man denke nur an die Insektenwelt … Die Gottesanbeterin, wie auch einige Spinnenarten, fressen die Männchen nach dem Geschlechtsakt. Das macht zumindest den Weibchen gleich zweimal Spaß! Notwendig scheint die Fortpflanzung aber trotzdem, denn sonst gäbe es keine Nahrungskette.

Etwas „höhere“ Arten gebärden sich äußerst unartig, was die Brautwerbung betrifft – sie prügeln sich ganz offen in der freien Natur! Warum? Nun, weil die Männchen, 2. von den Duftstoffen der Weibchen verrückt gemacht wurden und weil sie, 1. von der eigenen Samenproduktion auf die Schlachtfelder geschickt werden. Da gibt es kein Entkommen, denn wer „entkommt“, der hat keine Kinder und stirbt aus!

Da beißt der Aff‘ keine Banane ab! Aber der Mensch macht daraus ein buntscheckiges Allerlei: Er verziert die ohnehin schon brisante Misere mit einem wilden Haufen von ganz erstaunlichen Ritualen, die allesamt nicht nur fragwürdig, sondern sich bisweilen auch durchaus niederschmetternd gestalten. Dabei kommt es ganz auf den Kulturkreis an, wer die größten Schäden in diesem Spiel davonträgt … Männchen oder Weibchen, oder beide.

Ca. 23 % der menschlichen Population verpasst den Weibchen, aus Angst vor ihrer sexuellen Anziehungskraft, Ganzkörper-Beißkörbe, ja, es bestraft sogar das Herzeigen von weiblichen Körperteilen, außerhalb einer „ehelichen“ Gemeinschaft mit Auspeitschen oder Tod, denn die Zurschaustellung der Macht weiblicher Körper wird in religionsfaschistischen Hemisphären als genau das angesehen, was es ist … ausgesprochen aufregend!

Wiederum etwa 23 % der Menschheit verbrennen ihre Weibchen lieber, als daß sie sie aufziehen, damit sie nicht draufzahlen müssen – denn in diesem sogenannten „Kulturkreis“ bringen die Frauen das Gift mit, äh, die Mitgift in die Ehe … welche ja stets nicht von ihr selbst, sondern von den armen, sündigenden Eltern aufgebracht werden muss. Dort ist es jedoch wiederum auch üblich Mädchen gefangen zu halten, um sie entsprechend zu „verwenden“.

Bei weiteren 23 % verschmelzen, kurz nach der Geschlechtsreife, Männchen und Weibchen zu daueraktiven Rauschkugeln, die in der Lage sind, unentwegt Nachwuchs auszustoßen! Diese Sorte Mensch zeichnet sich besonders durch ekstatische Tänze, einfache Gedanken und angeborene Unschuld aus, welche wiederum von allen anderen reichlich honoriert werden soll – und das ohne jeden triftigen Grund!

Eine ebenso große und ausgesprochen konsequent handelnde Masse, von wahrscheinlich ebenfalls 23 %, erstickt ihre Geschlechtlichkeit zu einem für sie notwendig erscheinenden Mindestmaß von „Zwischen-Tür-und-Angel-Aktionen“, die in den kurzen Arbeitspausen stattzufinden haben. Dort regiert ausschließlich die propagierte Doktrin der Volkswirtschaftlichkeit – und zwar vor aller angewandten Romantik!

Bei etwa 7 % finden die Dichtung und das Komponieren von Liebesliedern Anwendung im Balzverhalten. Man lockt sich gegenseitig mit göttlichen Talenten und himmlischem Aussehen … und wer über alles gleichzeitig verfügt, der darf sich glücklich schätzen, denn er/sie hat die freie Wahl, vor einem reich gedeckten Tisch! Viele, vielleicht sogar die Mehrheit der mühselig Beladenen, machen sich aber auch zum Narren für die Evolution …

Dieser zwanglose Umgang mit den Lockungen der Sexualität ruft indes jedoch auch jenes ominöse 1 % hervor, das sich selbst nicht vermehrt, sondern auf den Nachschub aus den übrigen Sparten angewiesen ist. Diese Gruppe ist vielleicht am „ungefährlichsten“ für echte Zivilisationen, wenn man unbedingt so will. Komisch ist nur, daß sie von den Kritischen als Nesträuber und von den Naiven als vorbildlich angesehen wird.

Tatsache ist: Sie haben sich, vor den überall drohenden Gefahren, restlos ausgebeutet zu werden, in eine zweifelhafte Sicherheit gebracht, aus der es – für normal Handelnde – entweder gar keinen Ausweg oder eben die Anwendung einer Gewaltherrschaft des einen Geschlechts über das andere gibt. Alles in allem ist der ganze Zirkus ein Sammelsurium aus Blut, Schweiß und Tränen. Der Stoff also, aus dem die Träume sind!

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Kommentare

05. Apr 2020

...solange Träume keine Schäume sind
und schon gar nicht zu Albträumen mutieren,
nun denn lieber Alf dann immer poetisch drauf los -
was niemals nicht das Schlechteste ist ! ;-)))

LG Uschi