Das Haus am Ende der Straße

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Meine Brüder und ich. (Ein Brief)

Mein lieber Freund Hans, ich muss Dir sagen, daß uns bald sehr gut geht. Du weißt ja, hier bei uns war das nichts Gescheites mehr. Mein Brüder und ich, wir haben uns andauernd gestritten! Alles verkam weil wir gewütet haben wie die Berserker.

Zuerst haben wir unsere Frauen verprügelt, dann haben wir die Einrichtung zerschlagen und schließlich gefiel es uns die Häuser nieder zu reißen. Du kennst uns ja, lieber Hans, wir sind friedliebende Menschen, aber wir haben auch ein feuriges Temperament!

Irgendwie hat uns dieses feurige Temperament derart beschäftigt, daß wir gerade noch Zeit zum Beten fanden – beinahe hätten wir sogar das versäumt! Aber gut – an etwas muss sich der Mensch ja schließlich noch halten...

Unsere Nachbarn waren übrigens nicht viel besser. Außer, daß sie, während wir das Haus samt Einrichtung zerstört haben, noch viel mehr Kinder machten als wir. Zum Hausbau sind die erst gar nicht gekommen! Was sein muss muss eben sein – oder vielleicht nicht?!

Lieber Hans – was soll ich Dir sagen?! - als alles zerstört war haben wir uns eben umgesehen. Direkt neben uns war nichts zu ergattern. Die Leute sind uns einfach zu ähnlich. Die haben nichts was uns reizen könnte.

Doch dann haben wir mal über unseren Tellerrand hinausgeschaut – und siehe da: ganz am Ende der Straße steht ein wunderschönes Haus! Bisher dachten wir immer, es gehe uns nichts an, aber die Hausfrau dort hat sich extrem wichtig gemacht. Sie sei so ungeheuer gastfreundlich, heißt es.

Natürlich wissen wir, daß die ihr schönes Haus auch nicht von selbst bekommen haben. Sie haben ewig gebraucht bis es stand und so aussah wie es heute ist. Doch das soll uns nicht weiter interessieren. Alles auf der Welt gehört allen auf der Welt, sagen manche.

Und denen glauben wir jetzt einfach! Wir haben uns schon angekündigt. Unsere Frauen und Kinder lassen wir erstmal in der Ruine zuhause. Die können sich dort mit den Nachbarn herumbalgen wenn sie möchten. Wir ziehen jedenfalls um! Und die Nachbarn, die niemals ein Dach über dem Kopf hatten machen sich auch mit uns auf den Weg.

Dort, in dem schönen Haus, gibt es was wir brauchen. Da haben wir es warm und gemütlich. Nach dem Hausherrn brauchen wir uns nicht richten, der hat keine Ehre, dafür aber viel Geld, das er uns geben kann. Wir werden es ihm schon nahelegen, daß er das tut. Und, stell Dir vor, lieber Hans, ein niedliches kleines Töchterchen hat er auch noch...

Viele Grüße, Dein Fritz

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