Die Zeit der Verstorbenen

von Alf Glocker
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Nehmen wir einmal an, wir kämen geradewegs aus der Zukunft, um hier, in der Vergangenheit, zu leben, diese quasi als Gegenwart zu er-leben. Was geschähe dann? Wir würden uns wundern! Warum wir uns wundern würden, ist klar … nein? Nun, alle Menschen um uns herum erscheinen uns doch wie ferngesteuert, oder etwa nicht?

Dort, wo wir herkommen, in der Zukunft, haben wir doch schon in der Schule gelernt, was passiert ist, damals, in unserer jetzigen Gegenwart. Wenn wir nun aber mitverfolgen, wie es dazu gekommen ist, stehen uns die Haare, nicht nur im Frühtau, zu Berge. Wir schämen uns zunächst fremd, können „es“ nicht fassen, oder wir versuchen helfend einzugreifen.

Dabei vergessen wir leider immer wieder, daß ja schon alles passiert ist. „Dort, wo ich mich befinde, kann sich doch jeder frei entscheiden“, sagen wir uns, aber wir werden feststellen, daß sich hier niemand frei entscheidet. Alle folgen, wie blind, dem Geschichtsprogramm, das wir ja schon längst sehr gut kennen. Und keiner macht sich Sorgen darüber!

Niemand denkt sich etwas dabei! Nein, manche entwickeln sogar überhaupt keine eigenen Vorstellungen. Sie wähnen sich, in ihrer kindlichen Naivität, in Sicherheit – geborgen in einer Art „Extra-Leben“, das eigens für sie entworfen wurde … in dem niemand groß was passieren kann. Das Glück ist mit ihnen und die Pein trifft immer nur die anderen.

Das ergänzt sich natürlich genial mit den Plänen der Tyrannen, der Diktatoren, der Clan-Chefs verbrecherischer Organisationen, die nicht als solche bezeichnet werden dürfen, weil man das erst in der Zukunft wissen darf. Für den Augenblick, die Gegenwart, gilt die verordnete Blindheit der Protagonisten und Komparsen, die jeweils diesseits und jenseits der Galgen stehen.

Denn Galgen, Guillotinen, Straflager, Schlachtfelder und Brutstätten des Elends und der Gemeinheiten gibt es nicht: nicht in der Gegenwart! Aus der Zukunft gesehen schon, also dort, wo wir einst hergekommen sind – und dort dürfen sie auch interpretiert werden. Doch diese Zeit ist fern. Man erreicht sie nur, wenn man Katastrophen durchlebt und seinen Verstand ausschaltet.

Wir, die wir uns augenblicklich in der Vergangenheit (unserer Gegenwart) befinden, sind jedoch für die Zukünftigen Verstorbene, die sich schändlich, oder kläglich – was uns besser gefällt – in einem furchtbaren Irrtum befanden, aus dem schließlich der allgemeine Fortschritt entstand. Wir müssen alles durchleiden, damit wir wieder eines Stückchens Erkenntnis habhaft werden können.

Den Rest entscheidet dann wiederum die Geschichte! Sie hat sich vorher in der Anwendung der Naturgesetze geübt und nur solche Wesen übrig gelassen, die auch tatsächlich etwas aus der Geschichte gelernt haben und nicht immer die gleichen Fehler machen. Solche Individuen müssen auch fähig sein, Umetikettierungen zu entlarven …

Wenn da jemand sich gewisser Methoden bedient, die später einmal als verworfen galten, sich selbst aber als moralisch einwandfrei bezeichnet, dann muss der aus der Geschichte Lernende auch in der Lage sein, den Schwindel nicht nur zu erkennen, sondern sogar anzuprangern, damit auch die große Anzahl der Mitläuferkreaturen verschont bleiben kann.

Denn ohne die Existenz der breiten Masse geht es halt nicht. Sie stellt nicht nur den Bodensatz geschichtlicher Ereignisse oder Verwicklungen dar, sondern kann auch Wohlstand und die Bereitschaft, ein Gemeinwesen zu schützen, garantieren. Die Zukunft baut sich immer hauptsächlich aus dem Fleisch der Leiber auf, nicht nur aus den Ideen der Geister!

Denken wir also nicht nur mit! Stellen wir uns vor, wir kämen direkt aus der Zukunft, auch wenn das für die überwiegende Mehrheit wohl nicht zutreffend ist, und überlegen wir uns, was wir uns anraten würden, wenn wir jetzt schon wüssten, was demnächst geschieht. Rechnen wir dabei zunächst einmal einfach nur hoch und staunen wir, wenn wir plötzlich viel klarer sehen!

Alles, was man uns einzupauken versucht, wird während dieses Vorgangs von uns abfallen. Zwar werden wir dann nicht auf wundersame Weise angstfrei sein, doch das ECHTE positive Denken kann auf jeden Fall von uns ausgeübt werden. Und, Leute, wir werden sehen, daß uns das Leben so dann doch mehr Spaß macht als in der ewigen Umnachtung in der Zeit der Verstorbenen.

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Kommentare

06. Sep 2019

Das ist ein starker Blick, der fasziniert!
(Das mit den Haaren hat nicht funktioniert ...)

LG Axel