Miss Mutig und das positive Denken

Bild von Alf Glocker
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Positiv zu denken ist äußerst wichtig im Leben, denn wer das nicht kann der hat ein verzerrtes Bild von der Realität und kann nicht als vollwertiges Mitglied einer Gesellschaft anerkannt werden. Das war allen vernünftigen Leuten, und allen vernünftigen Leuten voran, natürlich auch Miss Mutig klar wie Kloßbrühe. Sohwass von Schlapp, dem Grafen Stein, aber schien das ein Gedanke mit sieben Siegeln zu sein, denn er dachte am liebsten negativ, er sah alles negativ, er krittelte an allem herum und was er schließlich damit erreichte war eine schlechte Stimmung zu erzeugen.

Wenn alle alle lieben und achten, dann gibt es keinerlei Probleme auf Erden! Daran gab es nichts zu rütteln! Stein musste natürlich fortwährend alle und alles auf Herz und Nieren prüfen, bevor er an etwas glauben konnte – und gerade dieser ungünstigen Einstellung, dem Leben gegenüber, verdankte es seine direkte Umwelt (wieder einmal allen voran Miss Mutig), daß er ständig „etwas zu bedenken“ gab. Das ging so weit, daß er offen Zweifel daran äußerste, alle würden alle lieben und achten. Das KONNTE nicht gut gehen. Denn wer nicht daran glaubt, die Welt sei in ihrem Grunde grundsätzlich gut, der glaubte auch an Verschwörungstheorien.

Verschwörungstheorien gab es, das wusste sogar Miss Mutig, aber Verschwörungen gab es sicherlich nicht. Das zu glauben, beruhte einzig und allein auf negativem Denken. Die Verantwortlichen, besonders die Verantwortlichen hierzulande, würden schon wissen was sie tun, weshalb sie ja im Wesentlichen auch alles richtig machten, um uns, die Bürger, vor offenen oder versteckten Anfechtungen zu bewahren. Wie aber sah das im Kleinen aus, also z. B. in Miss Mutigs eigener, unerwünschter Kleinfamilie, die leider nur aus hauptsächlich ihr selbst und diesem kuriosen Anhängsel Sohwass von Schlapp bestand? Achtete und liebte auch hier jeder jeden? Nein! Hier war alles anders!

Ein Beispiel für sein negatives Denken und Dafürhalten, das eigentlich mehr ein Dagegenhalten als ein Dafürhalten war, zeigte sich in jeder noch so winzigsten Kleinigkeit. Überall vermutete er eine Verschwörung, einen unhaltbaren Zustand, ein kommendes Missgeschick! Doch die Miss würde schon dafür sorgen, daß die Geschicke wenigstens halbwegs noch in angenehm realistische Bahnen geleitet werden konnten. Wenn Stein „zu bedenken“ gab, sie würde sich vielleicht gelegentlich ein weinig ungebührlich benehmen, dann korrigierte sie seinen Einwand sofort mit dem Hinweis darauf, daß er schon wieder negativ dachte und außerdem nachtragend gewesen war.

Bestimmte Dinge durften demnach auch erst gar nicht erwähnt werden – denn es bestand keinerlei Anlass, sie für ihre wahren Gefühle kritisieren zu müssen. Als Stein einmal eine – wie er sagte – „Dienstreise“ machen musste, war Miss Mutig völlig ausgerastet. Die „Dienstreise“ sollte nämlich mit 7 Herren und – man höre und staune – einer DAME absolviert werden! Die Dame hatte die Herren auch noch inspiriert diese sogenannte „Reise“ (einen 4-tägigen Ferienaufenthalt am Gardasee) zu machen. Stein sollte unbedingt mitfahren, denn sie, die Dame, welche dazu noch sagenhaft reich war, brauchte einen Chauffeur.

Sohwass von Schlapp konnte nicht ablehnen, denn kurz vorher hatte er an eben diese Dame 3 große Gemälde verkauft und weitere Aufträge standen in Aussicht, darunter so verlockende Angebote, wie öffentliche Gebäude auszuschmücken. Stein teilte dies Miss Mutig, vorsichtshalber im Beisein von Freunden, mit und wartete auf Reaktionen. Miss Mutig beherrschte sich zunächst gekonnt. Es ging ihr schließlich darum jetzt nicht das Gesicht zu verlieren – aber was würde sie machen, wenn Sohwass keinen Fürsprecher mehr hatte? Stein erlebte es auf ganz unerwartete Weise …

Die Nacht vor seiner Dienst-Abreise verlief zunächst ruhig und zufriedenstellend … bis ihn infernalischer Musiklärm aus dem Schlaf weckte. Diese unmöglichen Nachbarn, folgerte Stein schlüssig und versuchte die Miss zu wecken, damit man sich beraten konnte, was zu tun sei. Aber Miss Mutig lag nicht neben ihm im Bett! Stein stand auf – sicher war sie bereits horchen gegangen woher der Lärm kam, oder sie war vielleicht schon dabei, etwas zu unternehmen. Im Wohnzimmer brannte Licht! Und die überlaute Musik kam ebenfalls aus dem eigenen Wohnzimmer. „Was zum …??“

Von Schlapp öffnete die Tür und traute seinen Augen nicht: Miss Mutig tanze nackt im hell beleuchteten Raum … bei hochgezogenen Rollläden!! In der Hand hielt sie eine halb leer getrunkene Whiskyflasche und in ihrem Aschenbecher türmten sich die Kippen. „Um Himmels Willen, was machst du denn da?“ schrie der dumme Stein durch den Lärm. Miss Mutig lachte nur zynisch und sagte „Das siehst du doch – und die anderen sollen auch sehen, was du mit mir machst! Und jetzt komm her – ich habe Lust!!“ Sie nahm den schlappen Stein bei der Hand und zog ihn, der, angesichts der unverschleierten Tatsachen animiert, „brauchbar“ aussah, in sich hinein.

Wenn‘s denn wirklich sein muss und der Spuk danach in Ende findet, dann sei es eben so, dachte er sich und schon wieder irrte sich der Negativdenker gewaltig. Denn Miss Mutig stieß ihn mit beiden Beinen energisch zurück, so daß er fast gegen das große Bücherregal gestürzt wäre, und rief: „Hahaha, mach dir nichts draus – in deinem Alter sind viele Männer impotent!“ An dieser Stelle wäre vermutlich ein liebe- und achtungsvoller Umgang mit der armen, verunsicherten Frau nötig gewesen, doch so weit konnte von Schlapp natürlich wieder mal nicht denken. Er machte die Musik aus, ließ die Rollläden herunter und nahm der Miss die Flasche aus der Hand, um sie selbst auszutrinken … während sie sich, in einem Weinkrampf, am Boden wand.

Gegen sechs Uhr morgens verzog er sich ins Bett zurück, um noch eine Stunde zu schlafen, bevor er die reiche Lady chauffieren musste. Dabei schmerzten ihn alle seine Glieder (fast alle) und er konnte vor lauter Sorgen, was da wohl noch alles auf ihn zukäme, beinahe nicht mehr einschlafen. Gegen 7 Uhr erwachte er in einer geordneten Welt! Alles war gut, nur er selbst schwankte, seines gefährlichen Ausrutschers wegen, noch bedenklich. „Hast du gut geschlafen, Schatz?“, fragte Miss Mutig und er dämliche Stein antwortete auch noch wahrheitsgemäß: „Nein, danke der Nachfrage, mir hat alles wehgetan und ich habe mich in Sorgen hin und her gewälzt“. „Tja, so ist das eben“, meinte die stets zu positiv gedachten Scherzen aufgelegte Miss, „du musst dich nicht wundern, du trinkst einfach zu viel – davon bekommt man halt mit der Zeit die Gicht!“

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Kommentare

07. Mai 2020

Doch die Gicht
Bekam man nicht
Von der Geschicht!

LG Axel

07. Mai 2020

Auweia! Vorsicht vor Miss Biest...

LG Monika

07. Mai 2020

Jahaha, Vorsicht ist absolut geboten -
sonst kriegt man etwas auf die Pfoten!

LG Alf