Die Kreisrückwärtsfahrt

von Alf Glocker
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Ich sitze, nein, ich stehe, oder gehe ich? Ich schaue vorwärts, in die Vergangenheit – rückwärts liegt die Zukunft … ein Tal ohne Wiederkehr! Dann fliege ich auf, und davon und bleibe zurück, in meiner Scheu-ne, wo ich die abgeschlagenen Köpfe derer aufbewahre, die ich nicht finden konnte …

Wie viel ist ein Ergebnis aus Nullen wert? Ein hohes Einkommen ergibt sich daraus … Ich aber bin nicht, oder gerade dabei, wo ich doch nie dieses Eine gewollt habe. Mehr ist nicht zu erwarten, zu erfahren, zu erlaufen, zu erreichen … zu verarmen. Nimm die Beine in die Hand!

Mensch, welke so schnell dahin, wie du gekommen bist, nein, übertriff alle Erwartungen: die Dinosaurier sind besser gewesen als du! Du hast kein Bleiberecht, in einer Sockenwelt, die nach dem Käse der Jahrhunderte stinkt, in denen nichts weiter geschah als ein Schmierentheater im Hinterhof.

Seid ihr vermummt? Werft ihr mit Steinen? Trommelt ihr den Speck aus den Häusern? Oder versprecht ihr euch das ewige Siechtum, in der Liebesnacht einfacher Gespenster – Geister kann man ja nun wirklich nicht sagen. Dann rottet euch nur zusammen und holt euch die Pandemie.

Mein Fenster ist kleiner geworden. Bald werde ich die Läden zumachen, oder runterrollen und die Marquisen einfahren, denn das Sonnenlicht ist für Leute bestimmt, die einen Zacken in der Krone, einen Affen zum Lausen und immer genug Ausreden auf Lager haben.

Sie wissen Bescheid! Irgendwer hat sie mit dem Dämon der Langeweile bekannt gemacht, der mit tausend Fingern auf mich und meinesgleichen deutet, weil sie diese Quatschtexte nachsingen, und diesen Kaiserschmarren herumbeten, den man zu fressen hat, wenn man brav sein will.

Mein Taumel geschieht suchtfrei, ich sehe die Sterne kreisen, wo gar keine mehr sind, und auf der Müllhalde der Geschichte sammelt sich inzwischen die Zeit. Ich bin auch dabei. Manchmal kann ich ihn gerade noch einmal ausgraben, meinen Kadaver, bevor er mir dann wieder aus den Händen gleitet.

„Verloren“ schreit mein Schlüsselbund! Er schwebt neckisch vor mir her, mich immer wieder auf meine Thesen hinweisend, die mir, wie ein Tulpenkreis … wie ein Wickenstrang … wie ein Blechdosenkranz, eine Hoffnung vorscheppern, damit ich mich daran krummbiegen kann.

Aber ich schaue mich schief an … ich habe mich zu oft genarrt, ich bin zu oft nur ein Hilfswichtel für rachsüchtige Hämlinge gewesen, die sich an meiner Fähigkeit, anderen etwas nachzufühlen, aufgegeilt haben. Genau deshalb verachte ich die „Vernunft"! Aber nicht so, wie sie gemeinhin verachtet wird!

Ich verachte sie mit dem tiefen Bedauern eines Menschen, der zuschauen musste, wer sie schon alles vergewaltigt hat. Und ich muss natürlich zugeben: Ich habe sie alle beneidet, diese Wildschweine, aus dem baumlosen Wald eines Naturreservats, in dem vor allem Giftpilze sprießen!

Deshalb habe ich der Zukunft ja auch den Rücken zugekehrt. Ich wende mich in das Nichtmehrvorhandensein einer Vergangenheit, die niemals so rosig war, wie ich sie stets gerne gesehen hätte. Auch heute ist sie das nicht! Wenn ich zu mir stehe, dann gehe ich und drehe mich im Kreis. Eis!

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