Die Entromantisierung

von Alf Glocker
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Mit welchen Augen schauen wir in die Welt, wenn wir sie aufmachen? Mit unseren! Also, halt jeder mit den seinen. Was sich hinter diesen Augen befindet, ist zunächst unbeschreiblich. Was davor ist, kann zumindest nachempfunden werden: eine riesengroße Welt aus unerklärlichen Bestandteilen! Diese könnte man, nach und nach, begreifen wollen, soweit möglich …

Wir krabbeln unter den Tischen hindurch, rütteln an den Stäben des Laufstalls, vertrauen diesen riesigen Gestalten, die da um uns sind, und blicken in eine Zukunft, die selbstverständlich ist. Himmel und Erde sind wunderbar, das Wetter unerklärlich, schicksalhaft, und alles ist völlig aus möglichen Zusammenhängen gerissen, die es erst noch zu ergründen gilt …

Na ja, die es VIELLEICHT zu ergründen gilt. Denn bald können wir richtig laufen. Und obwohl wir noch gar nicht wirklich auf den eigenen Beinen stehen, schickt man uns – mittels derselben – gleich in die Zeit hinaus. Wir müssen unbedingt mit anderen Artgenossen … und mit komischen Dingen konfrontiert werden, die von den Erwachsenen „Realität“ genannt werden …

In deren Realität dominiert das große Wissen um Dinge, die Kinder noch nicht begreifen können. Für die Kleinen sehen sie mystisch und geheimnisvoll aus. Hinter dem Kleiderschrank geht es in andere Dimensionen, ganz weit, über den Wolken wohnen Wesen mit Astralleibern und mitten unter ihnen lenkt ein überdimensionales Etwas die Geschehnisse, von denen, z. B. …

einige furchtbar hohe Würdenträger ganz genau wissen, wie man sie von uns haben will. Ab diesem Zeitpunkt werden wir dann dazu erzogen Leiden als erstrebenswert anzusehen, oder wir werden zum Stolz ermahnt (die männlichen Individuen) bzw. zu Demut und Pflichterfüllung (die weiblichen Individuen) erzogen. Das nennt man zwar nicht „Entromantisierung“, aber es ist eine …

Denn wir werden erheblich eingeschränkt. Wir denken nicht mehr, respektive versuchen zu denken, man sagt uns, was wir denken sollen. Und auf einmal bekommen wir auch Zensuren dafür. Ja, wir werden ab diesem Zeitpunkt zensiert, aber man nennt es „Benoten“. Und was machen wir? Richtig: Wir reagieren mit „schlechtem Gewissen" darauf …

Haben wir auch alles getan, um die armen, irregeleiteten Erwachsenen, die (im Idealfall) ihre Entromantisierung gar nicht mitbekommen haben, zufriedenzustellen? Müssen wir uns schämen, weil uns z. B. ein unterdrückte Frau leid tut? Während dieser Entwicklung verändern sich die Zimmer – aus heimeligen Behausungen voller Gefühle werden einfach 4 Wände …

Die Welt ist überschaubarer geworden. Was sie uns anbietet, ist „verstandestechnisch“ nachvollziehbar: Karriere, oder Scheitern – alles auf einem Haufen! Dafür gibt es jetzt plötzlich „verehrungswürdige“ Glieder! Menschen des anderen Geschlechts treten in unser Gesichtsfeld und wir merken nicht einmal, wie verzerrt unsere Wahrnehmung plötzlich ist …

Viele, die meisten von uns, können nur noch an das „Eine“ denken – aber wir tun das, unseren Kulturkreisen entsprechend, verschieden. Spannend aber ist es überall, denn noch einmal, ein letztes Mal, werden die Horizonte weit, die Himmel blau und die Möglichkeiten, etwas Schönes zu entdecken, riesengroß. Der Zauber der Unwissenheit ist zurückgekommen …

Dann werden die Dimensionen abrupt stark reduziert … natürlich nur, wenn sie schon einmal vielfältig waren. Sonst bleibt alles gleich! Und wir lassen uns in eine Welt fallen, die keine Fragen stellt, sondern nur nach der „Erfüllung“ strebt. An dieser Stelle ist es ebenfalls sehr zu begrüßen, daß man „beraten“ wird. Kompetente Fachleute stehen uns zur Verfügung …

Sie erklären uns anschaulich, warum wir jetzt welche Aufgaben haben, aber natürlich nicht, wem das, was wir tun sollen, etwas nützt. Denn es ist sehr fraglich, ob „wir“ das sind, wenn es uns überhaupt gelungen ist, herauszufinden, was mit „wir“ gemeint sein könnte. Wir haben uns voll darauf zu konzentrieren, daß wir uns die Erde untertan machen …

Wie das klingt, könnte nun spätestens eine Kraft entscheiden, die sich einst hinter diesen Augen befand, die versuchten, eine geheimnisvolle Welt zu erkunden. Ist sie noch da? Oder schwebt sie betäubt zwischen seltsamen Einflüssen herum, die alle intensiv bemüht sind, das sogenannte „Bewusstsein" nicht erwachen zu lassen, damit das Schicksal nicht zum Stillstand kommt?

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Kommentare

07. Sep 2019

Man macht sich/uns gern zur Funktion -
Manch Mensch mimt seinen eignen Klon ...

LG Axel