Der Lernprozess

von Alf Glocker
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Nun ist ein bestimmter Teil der Menschheit an hohen Zielen angelangt – relativ betrachtet. Denn wir fliegen ja immer noch nicht zu anderen Sternen und haben somit keine Wahl, wo wir denn wohnen möchten. Wir wissen trotzdem einiges, und viele von uns sind sogar dazu übergangen zu behaupten, wir wüssten bereits alles was wichtig ist. Aber was ist denn so wichtig?? Wir wissen, daß der Ball rund und der Rasen grün ist. Wir können Golf spielen und wir tragen Olympische Spiele aus. In den Laboren herrscht der eitle Forscherdrang, aber wissen wir denn auch, was einen Elefanten ausmacht?

Man könnte jetzt einfach sagen: „Es ist der Rüssel." Damit könnte man es dann auch bewenden lassen. Aber leider wird das nicht genügen, wenn wir ein Bild vom Leben entwickeln wollen, das wir zwar vermeintlich schon haben, eines, das geeignet ist, uns in eine vielversprechende Zukunft zu tragen, von dem wir jedoch, meilenweit entfernt, herumdenken. Unser Denken ist leider immer noch sehr experimentell – ganz gleich ob wir meinen, wir hätten schon alles erprobt und müssten das, was wir jetzt festgestellt zu haben glauben, als unumstößlich einordnen.

Aber eine Gottesanbeterin als feinfühlig zu bezeichnen ist halt nicht unbedingt der richtige Weg nach Rom, auch wenn alle Wege dorthin führen. Manche enden eben doch in einer Sackgasse! Sie sind, wie viele unserer Gedankenwege, die wir uns zwar theoretisch einwandfrei erklären, aber nicht unbedingt beweisen können. Immer wieder müssen wir uns wundern, daß sie in der Praxis einfach nicht funktionieren. Dann kommen haufenweise Ausreden zum Einsatz. Wir behaupten plötzlich frech und engstirnig, es läge an den mangelnden Bemühungen unserer Verantwortlichen, wenn wir die Artgenossen einer anderen Spezies einfach nicht verstehen ... nicht um viel.

Und dann hilft es auch nicht, kurz entschlossen herzugehen und die anderen immer wieder mit den eigenen Maßstäben zu beurteilen, felsenfest davon überzeugt, daß es die richtigen seien. Absichtlich übersehen wird dabei nur, daß Elefanten diejenigen mit dem Rüssel sind, die anders denken und handeln als Giraffen – welche einen langen Hals haben. Wer einen langen Hals hat, handelt aber anders als einer, der ein Horn auf der Nase besitzt, mit dem er Widersacher wirksam umrennen kann, der denkt auch anders. Also wird das Nasenhorn keine Lust verspüren, Wasser mit dem Rüssel aus dem Fluss zu saugen, oder die Blätter von hohen Bäumen abzugrasen. Sollte nun aber einer auf die Idee kommen, man müsse sämtlicher Viecher nur lange genug, dicht beieinander, in einen Zoo sperren, dann würden sie sich mit der Zeit schon einander angleichen, dann irrt er ganz einfach.

Zu unser aller Glück darf man derartige Beispiele jedoch in Bezug auf die Tier und vielleicht noch die Pflanzenwelt anwenden, nicht aber auf Menschen. Denn Menschen sind sich selbstverständlich immer einig. Sie lasten dem einen, der einen Rüssel hat, nicht an, daß der Rüssel kein Horn auf der Nase ist und langhalsige Giraffen werden sogar ausnahmslos von allen geliebt – von Affen, von Tigern, Bären, Schlangen und Moskitos. Das ist eben so, das hat eben so zu sein. Denn der Mensch, zumindest eine bestimmte Sorte Mensch, hat alles erreicht was man erreichen kann (denkt er) und gerade deshalb versteht er, der Mensch, auch alle anderen Menschen und freut sich auch mit allen anderen Menschen, in Eintracht zusammenzuleben. Da macht es weder theoretisch noch praktisch was aus, wenn ein Mensch ganz anders gestrickt ist als ein anderer. Und damit wünschen wir uns allen eine gute Nacht!

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Kommentare

09. Mai 2017

Ja, alle Wege führen nach Rom!
(Dann steht man rum, vorm Petersdom ...)

LG Axel

09. Mai 2017

...und weiß nicht was man machen soll,
denn der ist von Touristen voll!

LG Alf