Konversation mit dem Mädchen in meinem Keller

von Nora Pelinka
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Als ich dem Mädchen in meinem Keller begegnete, war Winter und ich hatte gerade eine Tasse schwarzen Kaffee hinuntergespült um so früh am Morgen das Haus verlassen zu können.
Ächzend trug ich ungeschickt einen Karton mit alten Schuhen die Stufen hinunter.
Die Treppen waren steil, das Gemäuer zu eng und ich stieß mir dabei mehrmals meinem rechten Ellbogen am Gelände was mich ärgerte.
Ich hatte den Pappkarton so schlampig mit Klebeband verschlossen, dass ich mir fast sicher war eine gefühlte halbe Tonne an billigem Schuhwerk aus China im nächsten Augenblick in meinem Treppenhaus zu verteilen.
An diesem Morgen nahm ich dieses Risiko gleichgültig in Kauf.
Genervt und Gleichgültig.
Das Mädchen kauerte in einer Ecke direkt neben meinem kleinen Abteil.
Ich hatte das klapprige Tor mit einem kaputten Fahrradschloss als eine Art Tarnung zum Schein abgesperrt.
Der Keller meines Wohnhauses war alt, renovierungsbedürftig und überall lagen achtlos Rattengiftköder verstreut wovon einige mit Sicherheit schon vor ungefähr 20 Jahren hier mit guten Absichten platziert wurden.
Die einzelnen Abteile der Hausbewohner waren entweder vor sehr langer Zeit verschlossen worden ohne die vermeidliche Absicht sie ein weiteres Mal zu öffnen, andere standen sperrangelweit offen als wollten sie gerne besichtigt werden.
Ich glaube niemand außer mir schien seinen Besitz in den Keller zu tragen in dem Gedanken ihn im nächsten Jahr wieder in die Wohnung zu schaffen.
Es war feucht, kühl und roch streng nach Moder und ausrangierten Habseligkeiten.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit war die Luft voll von Schimmelsporen und den stummen Schreien verzweifelter Couchbezüge.
Wohlgemerkt war mir meine Sammlung an Sohlenlosen Ballerinas auch nicht mehr zu schade für Schimmel und Staub.
Sie saß, ihre Streichholzdünnen Beinen eng an ihre Brust gezogen und umschlungen, so da das die fransigen Haarsträhnen ihr Profil gänzlich verdeckten.
Das Kinn ruhte auf ihren Kniescheiben.
Wohl eher presste sie es an ihre Knie , vermutlich mit zusammengebissenem Kiefer.
Ob ihre Augen geöffnet oder geschlossen waren konnte ich nicht erkennen.
Ich vernahm ein leichtes Schnauben das leicht piepsend aus ihren Nasenlöchern blies.
Das magere Mädchen dessen Silhouette beinahe einer Sichel gleich kam, schien zu dem erkältet.
Unbemerkt hatte ich meinen Atem angehalten.
Obwohl ein dunkler Schatten auf Unerklärliche Weise gegenüber meines Kellerabteils saß, verspürte ich weder Furcht noch erschien mir die Situation besonders merkwürdig.
Viel eher war es an diesem kalten Morgen in meinem Keller die normalste Sache der Welt das Mädchen anzutreffen.
Als ob ich nur heißes Wasser aufkochen würde.
„Guten Morgen.“, sagte ich vorsichtig.
Ich erkannte das sie sich fürchterlich erschrak obwohl ich nicht mehr sagen kann, woran ich das so genau erkannte.
Sie war wie versteinert, wie am Fleck angenagelt und rührte keine Fingerspitze.

Ich trat keine zwei ganzen Schritte näher und begab mich automatisch in Hocke um mit ihr auf Augenhöhe begegnen zu können.
Sie sah mich gequält an und versuchte meinem Blick zumindest ein kleines bisschen aufzufangen und ihre Mundwinkel zu heben.
Ich merkte augenblicklich, wie schwer das für sie zu sein schien. Sofort begann sie nervös mit den Fingern ihre Jeans zu befummeln. „...Morgen!“
Entgegnete sie so nervös wie ein kleines Schulmädchen, welches beinahe zu spät zur ersten Unterrichtsstunde erschienen wäre.
Ihr Tonfall wirkte einfach total Unpassend in Anbetracht der etwaigen Umstände. Zugegeben- auch für mich wirkte unsere Begegnung eher wie eine Verabredung zum Brunch die zwei Wochen im Vorhinein bereits in einer What ́s App Gruppe angepeilt worden war allerdings war ich ja eigentlich die Mieterin einer Eigentumswohnung eines Wohnhauses in einem durchaus noblen Stadtviertel die gerade einen potentiellen Eindringling in ihrem Kellergeschoß vorgefunden hatte.
Ihr fiependes „...Morgen!“ klang trotz ihrer zitternden Stimme eher wie ein Gruß der für den Postboten bestimmt war.
Und trotzdem wir ja jeweils zum ersten Mal in das Leben unseres Gegenübers getreten waren, so war ihre Ausdrucksweise mir durchaus vertraute.
Der Anschein eines De-ja-vus sollte mir den gesamten Verlauf unseres daraufhin folgenden Gespräches zwischen uns erhalten bleiben.
Schon jetzt war er viel zu Präsent um seinen Ursprung ausfindig zu machen.
Ich schloss es jedoch weitgehend aus, dem Mädchen in meinem Keller schon einmal Begegnet zu sein.
„Warum sitzt du hier...?“ , fragte ich sie in der Hoffnung ein wenig Fürsorglich zu klingen. Auf keinen Fall wollte ich mich ihr aufdrängen, obwohl sie diejenige war, die vielleicht schon über längere Zeit hinweg hier hausierte.
Sie machte einen sehr kläglichen und a schutzbedürften Eindruck.
Auf ihren Jeans konnte man trotz des schummrig abgedunkelten Lichteinfalls mit der eher dürftigen Unterstützung einer einzig flackernden Glühbirne zahlreiche Flecken erkennen. Die junge Frau war nicht abstoßend Dreckig sondern wirkte eher wie ein vernachlässigtes Kind das man über Tage hinweg bei seiner Körperhygiene nicht korrekt unterstützt hat.
Ihre Mundwinkel waren eingerissen und sie schien sich fortwährend unter Anspannung auf ihren Lippen zu kauen, als versuche sie, die nächsten Schritte in der Weltpolitik mit Bedacht zu entscheiden.
Sie blinzelte ohne Unterbrechung.
Wie ein einzig Wahrhaftiges Sinnbild der Angst.
Die Worte des Mädchens waren beinahe scharf und bestimmt als sie ein klein wenig patzig zu bemerken gab, dass sie doch schon immer hier Gesessen hatte.
Beinahe genervt mit einem Augenrollen schleuderte sie mir im sarkastischen Wortlaut ein „...schön das du mich auch mal gefunden hast.“ entgegen.
Stille.
Die kleine war mir absolut sympathisch. Ich musste grinsen weil ich in dem Moment genau gewusst habe, dass irgendwas in ihrem Bewusstsein genau das hier wiederspiegelte.
„Hätte ich denn früher kommen sollen?“ erkundigte ich mich ein wenig belustigt bei mir. Das Mädchen war sicher kein kleines Kind mehr.
Eigentlich hätte man die junge Frau gar nicht mehr als Mädchen bezeichnen müssen, aber ich war mir sicher, jeder der sie gekannt haben dürfte hätte sie als ein „Mädchen“ bezeichnet.
Vielleicht unter anderem wegen ihrer kindlichen Figur, welche der einer schwach pubertierenden Nahe kam und ihren flatternden, hastigen Bewegungen, die ich ihrer Nervosität zugrunde legte.
Vielleicht sah das Mädchen in meinem Keller ja bei näherer Betrachtung unter Tageslicht fast schon ein wenig ausgemergelt aus und ihre Backenknochen traten hervor, die Wangen etwas eingefallen und ihre Augen blinzelten ohne Unterbrechung aus leichten Höhlen. Vielleicht ließ sie das sogar älter erscheinen, als sie eigentlich war.
„Ich weiß nicht. Wahrscheinlicht nicht. Mir egal eigentlich.“
„Was machst du denn?“
„Hier sein.“
Ich hatte das Gefühl, mich mit einem trotzigen Kleinkind zu unterhalten. Vielleicht war die Frau ja auch einfach ein klein Wenig Zurück geblieben. Aber daran glaubte ich nicht wirklich.
„Und was gefällt dir hier unten so gut?“
„Das Ambiente. Und es riecht gut.“
Ohne

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