Schwarzer Valentinstag - Teil 35

von Angélique Duvier
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„Bevor wir uns bemühen, das fehlende Geld aufzubringen, sollten wir uns das Gelände natürlich ansehen, Johann, wir können, auch wenn es ein noch so guter Preis ist, nicht die Katze im Sack kaufen!“, fügte Ella an.
„Natürlich mein Schatz, lass uns gleich morgen hinfahren, wir haben ja nicht viel Zeit, uns zu entscheiden", erwiderte mein Großvater aufgeregt.

So machte sich die Familie am nächsten Morgen auf den Weg nach Quickborn-Heide. Sie mussten etwa 7,3 km mit ihren Fahrrädern zurücklegen. Für die inzwischen neunjährige Ella und die siebenjährigen Zwillinge Sophie und Johann war es kein Problem, aber für die kleine Johanna war es mit ihren fast fünf Jahren noch nicht zu schaffen.
Einen Fahrrad-Kindersitz hatten meine Großeltern nicht, so packte mein Opa Nesthäkchen Johanna kurzerhand in seinen Rucksack, so dass nur ihr Köpfchen mit den blonden Locken herausschaute.

Meine Mutter erinnert sich bis heute daran, es brachte ihr mächtig Spaß, auf dem Rücken ihres Vaters im Rucksack herumgefahren zu werden.
Über fünfzehn Jahre waren seit dem schweren Unglück in Quickborn-Heide vergangen, alles sah friedlich aus, nichts erinnerte mehr an die schlimme Zeit, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die Sonne strahlte an diesem herrlichen Sonntagmorgen Ende Mai 1932.
Sie radelten vorbei an herrlich rotem Klatschmohn, wilder Margerite und blau bis leicht violetten Kornblumen, die am Rande der Getreidefelder wuchsen. Die kleine Johanna reckte ihr Näschen in die Luft und genoss den Frühlingsduft. Andächtig lauschte sie dem erstaunlich umfangreichen Repertoire der Amseln.
Die Kinder genossen den Ausflug mit ihren Eltern, denn oft machten sie gemeinsame Unternehmungen nicht, da ihr Vater meistens irgendwo auf Montage war und dadurch wenig Zeit für sie hatte.

Der Boden des Geländes wirkte staubtrocken, kaum ein Strauch schien hier zu wachsen, überall lag Schutt und Geröll herum und es war, wie Simon gesagt hatte, nichts weggeräumt worden. Langsam stiegen meine Großeltern von ihren Fahrrädern herunter, mein Opa befreite Johanna aus dem Rucksack, die daraufhin sofort herumsauste und sich ihren Geschwistern anschloss, um das Grundstück zu erkunden.
Ella seufzte: „Irgendwie scheint hier alles abgestorben zu sein, wie auf einem Friedhof." „Ach komm schon, lass uns schauen, wie die noch stehenden Gebäude aussehen, du weißt doch, wie geschickt ich handwerklich bin, du wirst dich wundern, wie schnell ich alles zu einem kleinen Paradies herrichten kann", sagte Johann und zog Ella liebevoll an sich.

Teil 36 folgt

©Angélique Duvier

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Kommentare

12. Apr 2018

Der Leser ist dabei, auf dieser Tour:
Er erlebt (die) Geschichte! Pur ...

LG Axel

13. Apr 2018

Schön, etwas aus dieser Zeit zu erfahren, liebe Angélique, zudem noch Friedliches. Hitler bekam in diesem Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit zuerkannt und konnte ca. 37 % der Stimmen bei der Wahl für sich verbuchen; die NSDA wurde zum ersten Mal stärkste Partei im Reichstag - o Graus. Ich bin sehr gespannt - und hoffe, dass es für Deine Familie einigermaßen friedlich weitergeht. Das wird ein sehr gutes Buch.

Liebe Grüße,
Annelie