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Reflexionen zu Vegetarismus, Veganismus und Carnismus

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Versuche zur Begriffsklärung, Lösung von auf-
tretenden Zwiespälten, Gewissens-Konflikten
und Inkonsequenzen aus objektiver und höchst
subjektiver Sicht ...

Vorüberlegungen

Weltanschauungen enden häufig mit der Doppelsilbe „ismus“. Schon alleine daran mag man erkennen, dass eine vegetarische Lebensweise mehr sein muss, als nur ein einseitiges „Grasfressertum“ (so, wie es ja scherzhafterweise den Vegetariern oft vorgeworfen wird, sie fräßen den Tieren das Futter weg).
Der Veganismus bewegt sich – als die (zwingend) logische Konsequenz des Vegetarismus' - noch mehr in die Tiefe, da er prinzipiell sämtlichen tierischen Produkten abhold ist, sogar sogenannte „Tierrechte“ einfordert, wobei ihm natürlich auch mehr Unverständnis entgegengebracht wird. Letztendlich ist diese Form – zumindest anfangs, bis man sich eingewöhnt hat – für den Einzelnen auch etwas schwerer zu leben ... aber aus logisch-hinterfragender, selbstkritischer und gewissensmäßiger Sicht dafür auch befriedigender!
Obigen Lebensformen steht der Carnismus (carnis, lat. Fleisch) gegenüber, die „normale“, „eingefleischte“ und durch Tradition gestützte Anschauung.

Konfliktpotential

Menschen sind soziale Wesen und als solche auf eine - wie auch immer geartete - Gemeinschaft angewiesen (einer bayerischen Redewendung nach, solle es „alleine nicht einmal im Himmel schön“ sein!). Die Gemeinschaft aber wirkt von klein auf erziehend auf den noch formbaren jungen Menschen ein, der später deren Regeln (akzeptierend oder kritisch prüfend bis ablehnend) übernimmt und sich so sein Gewissen bildet. Am leichtesten lebt es sich, wenn man möglichst wenig hinterfragend den gesellschaftlichen Normen entspricht, denn der „Schutz des Rudels“ wird gefährdet, so sich der Einzelne – und sei es auch nur in Gedanken – aus der Gruppe entfernt. Äußert er seine Gedanken laut, wird er schnell die Auswirkungen eines Gruppenbewusstseins in Form massiven Gruppendruckes zu spüren bekommen. Unsicherheit und die Angst (letztlich vor Isolation) werden sich breit machen ...
Bei ca. 8 Millionen Vegetariern in der BRD (also einer Minderheit) gehört somit schon ein gutes Maß an Mut und Selbstvertrauen dazu, sich zu seiner Lebensweise und damit Denkart zu bekennen, zumal die Carnisten die Tradition auf ihrer Seite haben. Auf Grund letzterer glauben sie auch, die besseren Argumente zu besitzen:

1. Man hat immer schon Fleisch gegessen.
2. Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.
3. Vegetarier schaden der Natur, da für den Anbau pflanzlicher Produkte
riesige Flächen gerodet werden müssen.
4. Vegetarier vergönnen sich selbst nichts und vergällen deshalb anderen nur die
Lebensfreude.
5. In einer Zeit, in der traditionelle religiöse Bindungen ins Wanken geraten,
sucht der Vegetarier lediglich nach einer Art Ersatzreligion.
6. Vegetarier und vor allem Veganer bilden sich ein, die „besseren“ Menschen
zu sein, welche – erfüllt von Überheblichkeit – auf alle anderen, diese
geringschätzend, herabschauen. Vor allem dann, wenn wieder einmal ein
Tierhalteskandal aufgedeckt wird, werden diese Pflanzenpostel nicht müde,
mit ihren mahnenden Zeigefingern herumzufuchteln!

Solcher Argumente gäbe es noch viele – auch wesentlich seichtere - , es sei hier jedoch nur auf diese am häufigsten angeführten eingegangen:

1. Man hat immer schon Fleisch gegessen

Diese Behauptung mag auf den ersten Blick überzeugen, denn ihre Aussage entspricht der Wahrheit. Erst bei genauerer Durchleuchtung vermag man zu erkennen, dass man es mit einem Scheinargument zu tun hat. Hier wird beschrieben, was immer so war – aber auch eine zutreffende Beschreibung ist noch lange keine Rechtfertigung. Menschen haben nämlich immer schon andere umgebracht, Männer immer schon ihre Frauen betrogen und umgekehrt, Kinder sind immer schon misshandelt worden ... gestohlen und gelogen wurde auch schon immer ...
Landwirtschaftliche Arbeiten waren schon immer schwer – mit welchen Rechten benützt dann der moderne Landwirt landwirtschaftliche Maschinen?
Im Winter war es schon immer kalt – sind Heizungen und Klimaanlagen deshalb verwerflich? In beiden letzteren Beispielen wird der Bequemlichkeit wegen ein Denkfortschritt bereitwilligst angenommen ... man muss doch mit der Zeit gehen, sich weiterentwickeln!
Der Verzicht auf gewohnte Essensformen wäre aber etwas weniger bequem, ein Umdenkversuch eine enorme Anstrengung, die Gefahr, von der Gruppe als unangenehmer Sonderling betrachtet zu werden, äußerst wahrscheinlich. Die Tradition „Man hat immer schon Fleisch gegessen“ bietet dagegen Halt und Sicherheit, zudem Entlastung für das eigene Gewissen, welches von den anderen mitgetragen wird, sodass man es (anscheinend) gar nicht mehr zu bemühen braucht.

2.

In Dankbarkeit
Marion gewidmet, dafür, dass sie mich
an ihren ebenso durchdachten wie (selbst)kritischen
Überlegungen zu nämlichem Themenkreise teilhaben
ließ ...

den Nachwuchsvegetariern Susanne und Norbert P.
in Anerkennung ihrer aufrichtigen Bemühungen um eine
tierschonende Ernährungsweise ...

meiner Ehefrau Anni, welche es großzügig toleriert,
dass ich in dieser und ähnlichen Schreibarbeiten stunden- und
oft nächtelang meine Gedanken zu ordnen versuche ...

und unserer Resl, welche mich – erfindungsreich wie sie ist -
ständig mit neuen veganen Kuchenkreationen überrascht, obwohl
sie selbst „das Gelumpe“ nicht isst.

Alfred Krieger
Haselbach, 23.IX.2015

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