Die Seele des Staates 137

Bild von Alf Glocker
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(Was uns erfüllt)

Wer ist das dort, der dieses Leben sieht und empfindet? Wer gibt uns Gedanken und Ziele durch spezielle Impulse ein? Wer sagt uns was wir tun sollen – nein, müssen, weil wir nicht anders können als wir sollen? Wenn dieses Etwas denkt, dann tut es das, ohne eine nähere Bezeichnung für sich, denn es ist alles, was es sich vorstellen kann, Von daher müsste es sich „Welt“ nennen. Es ist die Welt für sich!

Diese Welt trägt es hinaus, es erfüllt sich selbst damit und es möchte, daß alles was unwichtig ist – die anderen Welten – auf die erste, die wichtige Welt hört. Dafür tut es alles, dieses Etwas, das wir sind! Es erschleicht oder erzwingt sich die Liebe, es ermordet Widersacher, es geht den Weg, den es verstehen kann – seinen – und es leidet manchmal auch still vor sich hin!

Es ist eben was es ist: eine Einbahnstraße! Immer geht es nur vorwärts. Es gibt keine Wendemöglichkeit – und dort, wo die Einbahnstraße einmal endet, gibt es kein Weiterkommen. Nur ein Schild steht an ihrem, Ende, auf dem die Zukunft für andere aufgeschrieben ist – und wenn das Etwas Glück hat, dann ist dort auch ein kleines Stückchen seines Fleisches oder seines Geistes verzeichnet, das die Zukunft erleben kann.

Obwohl das Etwas für sich unwiderlegbar vorhanden ist, wird es negiert. Kämpfe sind in seine Stirn eingraviert und es scheut sich nicht, auch die dümmsten davon zu bestreiten! Es erliegt dem Wandel der Zeit, von Anfang an ist alles wie eine einzige, lange Agonie, in der ein Anfall den anderen ablöst – und trotzdem, obwohl alles von „außen“ kommt, glaubt es sich unter einem einzigen Begriff zusammenfassen zu müssen…

Das Etwas, das, als was wir uns identifizieren, ist umgeben von Trieben, Zwangsvorstellungen, Täuschungen, Naturereignissen, Geschichtsverläufen, von Anfechtungen anderer Identitäten, von anderen Ansprüchen, mit denen es sich vergleichen muss, vom Scheitern seiner selbst und dem anderer, und trotzdem erkennt es sich nicht!

Im Gegenteil, es taumelt immer weiter in das hinein, was es zu glauben gezwungen ist, weil es an seiner Ausformung ebenso wenig vorbei kommt, wie ein Fisch am Wasser. Mit zunehmendem Alter verschlimmert sich dieser Zustand auch noch, denn für das Etwas gibt es keine Alternativen, es ist, wie es ausschließlich sein kann – und deshalb hat es für sich auch nur ein einziges, fatales Wort, wenn es von sich spricht. Es heißt „Ich“!

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