SCHAUKEL

von Monika Jarju
Mitglied

Mittags im Park. Außer mir ist niemand hier. Ich setze mich auf die Schaukel,
störe ihre Ruhelage. Meine Hände umfassen die Ketten. Mit einem Fuß stoße
ich mich ab, schwinge sanft zurück. Ich strecke die Beine, beuge sie, hole
Schwung. Vor, zurück, auf und ab. Vor mir der See, schneebedeckt, sein Wasser
ist fest. Sonnenschein wärmt mich, wirft meinen Schatten seitwärts in den Schnee.
Ich stürze in den weißen Raum hinein, steige auf, sinke nieder. Das offene Weiß
ist ohne Mittelpunkt und von blendender Klarheit. Scharfer Wind mischt sich in
das Schwingen. Ich richte mich auf in der Stille. Wörter kommen aus mir hervor,
Sätze bilden sich aus der Bewegung. Mein Körper hinterlässt eine Spur im Schatten
neben mir. Losgelöst pendeln wir nebeneinander her. Von Zeit zu Zeit schauen
wir uns an.

Veröffentlicht / Quelle: 
Von der Schönheit der Umwege - Erzählungen

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Interne Verweise

Kommentare

17. Feb 2018

Im Winterpark schaukelt die Monika mit ihrem Schattenbild ...
Ein See liegt vor den beiden - schneebedeckt - und nur der Wind tobt wild.
DIE Poesie in Wort und Schrift weckt in uns wunderschöne Bilder ...
Bald darf sie länger schaukeln, es wird langsam milder.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Annelie