Vögel

von Monika Jarju
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Verirrte Vögel flattern im Zimmer umher, fliegen durch die Terrassentür wieder hinaus.
Ich sehe ihnen nach, im verwaschenem Himmelsblau ballen sich düstere Wolken.
Vögel jagen kreischend über den Hof, schießen dicht über meinen Kopf hinweg.
Erinnerungen und Bilder ziehen ungestört an mir vorüber, während ich im Liegestuhl ruhe.
Gleißendes Leuchten bricht durch die Wolken, blendet mich. Im Moment meiner
Unaufmerksamkeit landet ein kleiner Vogel neben mir, schaukelt sanft auf einer
Sonnenblume. Tauben gurren, eine plustert sich auf in der Regenrinne, die andere
auf dem Geländer pickt in die Zitronengeranie. Ich wundere mich über ihre Nähe.
Bin ich denn Teil des Liegestuhls, eine Pflanze gar oder etwa ein lautloser Vogel?
Sind die Vögel Boten, Angreifer oder Antworten? Ich klatsche in die Hände, die
Vögel fliegen auf. Alle Bedeutungen stieben auseinander.

Privatfoto
Veröffentlicht / Quelle: 
Von der Schönheit der Umwege: Prosa & Lyrik

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Kommentare

17. Mai 2018

Lebendige Sommerprosa - trotz ein paar düsternen Wolken. Sekunden der Besinnlichkeit ... unterbrochen durch eine plötzliche Eingebung. Schön zu lesen.

Liebe Grüße,
Annelie

17. Mai 2018

Habt vielen Dank fürs Lesen, Ihr drei Poetinnen!
Liebe Grüße, Monika