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Miss Mutig und der sich hochschaukelnde Tobsuchtsanfall

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

Ist es nicht oft genug ausschlaggebend im Leben, was man in seinem Denken und Dafürhalten als „normal“ einstuft, was man für „normal“ hält?! Der normale Mensch wendet diese Bezeichnung zuerst einmal auf sich selbst an: „Mein Denken ist völlig normal!“ Damit möchte er sich und anderen verkünden, daß er/sie vor allem „natürlich“ empfindet und demzufolge auch „natürlich“ handelt. Miss Mutig war geradezu ein Paradebeispiel dieser Geisteshaltung, denn sie hielt Gefühle, vor allem ihre Gefühle, für „naturgegeben“, also unausweichlich und deren Auftreten für „natürliche“ Reaktionen auf die Aktionen ihrer Umwelt – wobei mit „Umwelt“ in der Hauptsache Sohwass von Schlapp gemeint war und ist.

Wenn also Miss Mutig an einem dieser Tage aufstand, wo Migräne angesagt war, dann verhielt sie sich völlig „normal“: Sie war sehr schlecht gelaunt! Missmutig ging sie daran das Frühstück zuzubereiten. Das ließ sie sich nicht nehmen. Mit hängenden Lefzen und gefletschten Zähnen stand sie in der Küche und rumpelte vor sich hin. Der dumme Stein kam herein und beobachtete die Szene. Wäre er ein Mann gewesen, dann hätte er sie einfach in Ruhe gelassen oder etwas getan, das sie von ihren Schmerzen abgelenkt hätte – er hätte einfach selbst zornig randalieren können, um ihr zu zeigen, wie unangebracht es ihm gegenüber sei, alles an ihm auszulassen … denn Sohwass wusste, was jetzt kam. Aber nein, er versuchte unbeholfen auf sie einzugehen.

„Fehlt dir etwas, Missie?“, fragte er, dümmer als die Polizei erlaubt. Dann versuchte er sich ihr zu nähern, sie in die Arme zu nehmen und „guten Morgen“ zu sagen. Noch dümmer hätte er es wohl nicht anstellen können! Sie schaute ihn nur schräg an und fauchte „Isswass??“ Stein versteinerte (wie so oft). „Ich meine ja nur“, fuhr sie empfindsam fort, „Du stehst hier so blöd rum, als ob du was wolltest – willst du ausgerechnet jetzt, hier an die Anrichte?“ Sohwass von Schlapp zog sich schleunigst aus der Gefahrenzone zurück und überlegte, wie er die nächste Zeit gesund überstehen sollte. Er stürzte sich in die Arbeit!

Das war für sie genau der richtige Augenblick, Geschirr zu zertöppern. Mit Migräne konnte sie nichts feinmotorisch handhaben. Da flimmerte doch alles vor den Augen und „natürlich“ auch vor Wut! Wenn „der“ (Stein) schon nicht mitansehen will, wie ich mich in meiner Mühsal winde, dann soll er wenigstens hören was passiert, wenn jemand derart heimgesucht wird wie ich! So kochte sie innerlich vor sich hin und her. Ausgerechnet SIE musste sich so einen Deppen ausgesucht haben, wo die Männer aller ihrer Freundinnen offenkundig pflegeleicht und einwandfrei steuerbar waren. Mist, Mist, Mist und nochmals Mist!

Sie tobte also nach Herzenslust, dachte aber insgeheim bei sich: Typisch Stein – ihm ist es mal wieder völlig egal wie es mir geht, Hauptsache er kann seinen Blödsinn machen. Und ich weiß nicht einmal, was er sich davon verspricht! Dann begann der Zurechtweisungsmarathon! Stein konnte nicht sagen, wann die Migräne verging, oder wie lange sie anhielt, denn sie war nun schon mal schlecht drauf – warum sollte dieser Tag dann noch gut werden?! Er hatte ja anscheinend nicht die Absicht, sich bei Miss Mutig zu entschuldigen, also musste sie (wie gewöhnlich) pädagogisch einschreiten und ihm deutlich machen, was alles falsch an ihm war (und wohl auch ewig sein würde).

Wie konnte sie ihm nur begreiflich machen, daß er einfach alles, was er machte, falsch machte? Vielleicht indem sie ihm beim Autofahren vorschrieb, was zu tun sei? „Nimm nicht diese Parklücke, nimm die da vorne oder die da hinten!“ Hatte er sich heute überhaupt entsprechend gepflegt?? „Hast du dir die Haare gewaschen? Aber nein, du lässt sie ja immer an der Luft trocknen – dazu hattest du doch gar keine Zeit!“ Stein konterte verzweifelt, aber unverschämt: „Ich hab sie geföhnt!“ Außerdem bemerkte er nach ein paar Stunden fortwährender Anblaffungen an: „Ich glaube, ich kriege so langsam Kopfweh."

Sofort dachte Miss Mutig für den Stein weiter: „Das kommt sicher wieder von deinem hohen Blutdruck … ich sagte dir doch schon oft, daß du die falschen Medikamente nimmst … am besten, du gehst morgen früh gleich zum Arzt und lässt dir andere verschreiben – du dosierst überhaupt auch alles falsch und du passt einfach nicht genug auf dich auf … immer muss ich alles steuern". Ihr war eines klarer als alles Sonstige auf der Welt: Ihre Lebensaufgabe musste es sein, Stein konsequent alle seine Fehler vorzuwerfen und zwar wo es nur ging. Ihr beider Überleben hing davon ab!

Nebenbei galt es – auf Teufel komm rein – Sohwass von Schlapp deutlich vor Augen zu führen, daß Frauen nahezu grundsätzlich keine Fehler machen KÖNNEN! Was Frauen tun, ist wohlgetan, oder zumindest absolut entschuldbar … falls sie einmal unter ihrem schweren Schicksal so sehr zu leiden haben, daß ihnen ein verzeihlicher Ausrutscher passiert. Frauen sind IMMER erhaben und anbetungswürdig. Wer nur darauf achtet, ob sie nun attraktiv sind oder nicht, der begeht ein kleines Verbrechen! Wozu sollte denn z. B. gerade sie, Miss Mutig, überhaupt attraktiv sein?? Das würde doch nur ihrer Dominanz schaden!

Hatte sie nicht vielmehr streng darauf zu achten, weder attraktiv noch – oberflächlich betrachtet – liebenswert, will heißen „nett“ zu erscheinen?! Wer war sie denn?! Eine Frau oder ein Männerspielzeug? Wenn sie was zum Spielen brauchte, dann würde sich schon irgendein Objekt dafür finden, herauskristallisieren, aus der trüben, grauen Männermasse, in der es kaum Individuen gab, die eine echte Frau noch zu gebührend zu würdigen wissen. Stein würde es natürlich nicht sein! Der brauchte keine solche „Belohnung“, denn er war, ganz schlicht, dafür jedoch kaum ergreifend, zu schlapp und zu dämlich dafür!

Veröffentlicht / Quelle: 
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Kommentare

17. Jul 2020

Die Migräne
Zeigt die Zähne ...

LG Axel

18. Jul 2020

Miss schien ziemlich malade,
so erklärt sich die Tirade...

LG Monika

19. Jul 2020

vielen Dank liebe Freunde!

LG Alf