Der zwanglose Umgang mit den Paralleluniversen

von Alf Glocker
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Manchmal, wenn wir den Eindruck haben, es ginge uns sehr schlecht, dann werden die Einen verträumt religiös und bilden sich ein, sie stünden vor einer Prüfung des Himmels, in der sie sich bewähren müssen, wie ein Delinquent vor Gericht. Sie senken das Haupt, sehen ihre Missetaten ein und sind bereit, Buße zu tun. Andere rächen sich an irgendwem – sie sind absolut negativ, von ihrer Grundhaltung her. Wieder andere hadern mit allem Haderbaren, aber ein geringer Prozentsatz hochgebildeter Ausnahmemenschen beginnt zu rechnen …

„Wenn es ein Paralleluniversum gibt, wo alles anders verlaufen kann als es hier verläuft, habe ich bestimmt eine andere Vergangenheit und eine andere Zukunft. Selbstverständlich ist dann auch meine Gegenwart gut. Wenn ich hier etwas anstelle, was mir nicht gut tut, oder hier etwas mit mir angestellt wird, das mir schadet, dann kann eine winzige Änderung im Handlungsverlauf, in einem Paralleluniversum, ein ganzes anderes Bild ergeben."

Immer wenn etwas – wenn auch nur ein bisschen – von dem abweicht, was gerade hier, in dieser meiner Gegenwart passiert, dann existiert dort (wo immer es sei) ein ganz anderer Ich. Einer, der es gut hat, z.B. Ich muss also „nur“ noch in dieses Paralleluniversum vordringen … vielleicht geht das ja auch ganz von selbst. Womöglich muss ich nur noch einmal geboren werden und dann noch einmal und dann noch einmal. Die Vorstellung von Paralleluniversen beinhaltet nun einmal, daß es unendlich viele Varianten von uns gibt.

Im einen Universum sind wir vielleicht grade im Dreißigjährigen Krieg verwundet worden und wünschen uns, daß wir erst gar nicht geboren worden wären. Im Zweiten sterben wir einfach an der Verwundung. Im Dritten wird uns das rechte Bein amputiert und wir überleben knapp, als Krüppel. Im Vierten werden wir nur leicht verletzt, geraten aber in Gefangenschaft und werden gefoltert. Im Fünften befinden wir uns in einem ganz anderen Krieg, im 2. Weltkrieg womöglich, oder wir werden gerade, im Mittelalter, von Sarazenen verschleppt.

Wir machen ein Universum nach dem anderen durch und sind uns, egal was wir wollen, immer ein bisschen ähnlich. Erst nach dem 2-millionsten Universum dürfen wir ein verklemmter, alleinstehender Buchhalter im alten Preußen sein, im 3-millionsten erfreuen wir uns unseres Lebens als Seemann auf einer britischen Fregatte … wenn wir Glück haben unter Nelson – wo wir den Verlust eines seiner Beine miterleben dürfen. Dann – endlich, sind wir Bauer in Irland, zu Zeiten der Kartoffelfäule. Da haben wir wenigstens ein paar hungernde Kinder!

Irgendwann, so nach ein einer Milliarde angestrengter Fehlversuche, in dem Bemühen, das Glück zu erleben, sind wir ein reicher Firlewanst, auf dessen Schoß es sich gerade Marilyn Monroe bequem macht. Dann seien wir uns dessen bewusst, was wir vielleicht bereits alles durchgemacht haben und genießen wir dieses eine Leben, in diesem für uns entscheidenden Universum bewusst, seehr bewusst. Denn es wird niemals wiederkehren und wir wissen nicht, wie das nächste Leben aussehen wird, kann – in einem dieser zahlreichen Paralleluniversen, die des Mathematikers ganzer Trost sind.

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Kommentare

17. Aug 2017

Die Krause alleine ist nicht renitent,
denn wenn sie nur in der Küche rum rennt,
um ihre angebrannten Töppe zu putzen,
da kann der Hausherr im Grunde nur stutzen,
In unserem Universum, wie alles verlief
ist ausschliesslich der schuld, wenn manches geht schief !

LG

ALFRED

Alfred Mertens
13. Dez 2017

ich bin dann für immer weg!

Viel Spaß uND ALLES GUTE