Hilfestellung zum Ermitteln der Wahrheit

von Alf Glocker
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Was ist Wahrheit? Darüber streiten sich die Gespenster, die Geister können es ja nicht sein, die wissen, was Wahrheit ist. In all dem Gelaber, was nun Wahrheit sei und wie viele Wahrheiten es denn gäbe, ist es beinahe so weit gekommen, daß sogar die Gerichte vor dem Aus stehen, denn die Anschauungen, die durch die Bildung entstanden sind haben ein Maß der Toleranz erreicht, an dem die Welt krepieren wird. Wissenschaftler stehen kurz davor zu behaupten, daß es so viele Wahrheiten wie Menschen auf der Welt gibt.

„Sollen wir den Zeugen vereidigen?" Bitte! „Schwören Sie, die Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit?" Haha – was soll der Angesprochene denn darauf antworten?? „Logo" vielleicht, oder auch „Du kannst mich mal"? Er könnte natürlich auch scherzen: „Welche Wahrheit meinen Sie denn, Herr Richter? – meine, Ihre, Gottes?" Gegen die Wahrheit an sich haben wir ja neuerdings Vorurteile. Man verlacht sie, wo sie versucht aufzutreten, und man tritt sie mit Füßen, überall wo man sie verlacht!

Zunächst sind da die Wahrheiten der Religionen, der Mentalitäten, der Firmen und Regierungen – da fällt die Wahl schwer, auf welche man sich am liebsten hinausreden möchte. Beginnen wir, der Einfachheit halber, beim Rechtssystem, das zu scheitern droht. Die Richter können sich gar nicht mehr auskennen, es sei denn, einige von ihnen sind schizophren und in der Lage, einerseits zu akzeptieren, daß sie selbst aus mehreren Personen gleichzeitig bestehen und andererseits anzuerkennen haben, daß andere Menschen (wenn man so will) auch andere Ansprüche hegen. Dabei kommt es natürlich auch nicht mehr auf den, früher angenommenen, Faktor „Gewissen“ an, sondern vielmehr auf die geistige, oder vielleicht auch geistliche Verwirrung.

Blicken wir doch einmal, übertrieben neutral gesinnt, in die verrückt gewordene Welt und stellen wir uns solch hoffnungs- und aussichtslose Gerichtsverfahren vor. Sagen wir, es geht um Diebstahl, Vergewaltigung, Mord … Die eine Wahrheit (= antiquiert) ist, oder besser war: Wer stiehlt, vergewaltigt, mordet, ist böse. Aber damit dürfen wir es, besonders wenn wir Richter sind, nicht bewenden lassen, denn, ja, denn der Dieb kann sagen, er habe diese arme, wohlhabende Kreatur um ein bisschen Firlefanz erleichtert, damit sein Leben nicht mehr so kompliziert ist.

Der Vergewaltiger mag einwenden, seine Absicht sei es gewesen, einem ansonsten immer behütet gewesenen Geschöpf (meist weiblichen Geschlechts) zu demonstrieren, wie es Frauen in weniger sicheren Ländern ergehen kann. Es, also die Frau, hätte dadurch die Gelegenheit gehabt, einmal einen, ansonsten schönen Vorgang, ohne gegenseitiges Einvernehmen zu erleben. Sie sei somit eine Erlebende und kein Opfer gewesen. Die Tat müsse demnach als solche, als fürsorglich und menschenfreundlich betrachtet werden – Außer die Frau sei unanständig gekleidet gewesen und hätte das moralische Empfinden einer kompletten Minderheit der Bevölkerung verletzt … dann ist sowieso alles klar!

Der Mörder mag schließlich behaupten, er habe in höherem, im höchsten Auftrag gehandelt – was dem „Stimmenhören“ gleichkäme (siehe Jeanne d’Arc). In diesem Fall habe man den Täter, der keiner ist, zu bemitleiden und ihm jede nur erdenkliche Form von Hilfe angedeihen zu lassen, die einem Rechtsstaat zur Verfügung stehen. Die „Wahrheit“ aber haben alle Angeklagten gesagt … ihre Wahrheit, die, wie wir ja nun wissen, akzeptiert werden muss, weil es der Wahrheiten nachweislich viele gibt. So viele wie Sterne am Himmel stehen!

Aber, wir werden lachen – es geht noch wesentlich einfacher. Nehmen wir doch, noch viel nachvollziehbarer, mal den Buchsbaumzünsler oder die gemeine Heuschrecke und versuchen wir, deren „Wahrheiten“ zu akzeptieren. Aus der Sicht dieses Ungeziefers sind wir Ungeziefer! Wir hindern diese ehrenwerten Fortpflanzungskünstler an der Ausübung ihres von Gott gegebenen Auftrags, der da lautet: Fallt in die Hecken und Felder ein, seid fruchtbar und mehret euch! Dürfen wir die Rechtmäßigkeit dieser eindrucksvollen Wesensarten bezweifeln, indem wir unsere Pfründe schützen wollen? Was berechtigt uns, Gifte zu streuen?

So, haben jetzt alle begriffen, was eine Wahrheit ist, oder? In der Natur gibt es solche Fragen kaum bis gar nicht – nur der Mensch, mit seinem schwerfälligen Verstand, bastelt sich Konstruktionen zurecht, die von den jeweils Machthabenden oder den raffiniertesten Ideologen als Werkzeug verwendet werden können, mit dessen Hilfe sie auch noch die Engel im Himmel (gäbe es sie denn) blenden würden. Die einzige, unbestreitbare, ehrliche und tatsächliche Wahrheit bleibt dabei natürlich unnatürlich auf der Strecke und weicht dem Stoff, aus dem die Alpträume sind.

digtale Kunst
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Kommentare

17. Sep 2019

"GEMEINE" Heuschrecke darf man nicht mehr sagen -
Das kleine Tierchen könnte uns verklagen ...

LG Axel