"Die Mutter aller Probleme" (Seehofer)

von ulli nass
Mitglied

Die Hetzkampagnen von Seehofer/Gauland/Höcke etc. enden nicht.
Die gar nicht 'Neue Rechte' hat Lunte gerochen, sieht sich auf der Siegerstraße. Das überrascht mich nicht.
Die Netzwerke muss man historisch nennen und die modernen Kommunikations-Technologien bieten neue Chancen für infamen rechten Populismus.

Derzeit empört zu Recht der Fall Maaßen. Gestern war es die hirnverbrannte Behauptung, Migration sei "Die Mutter aller Probleme".
Dazu möchte ich im folgenden einige, ich gebe zu nur skizzenhafte, Anmerkungen machen:
Die Agenten rechter Propaganda halten es nie für nötig, historische Entwicklungen zur Aufhellung
des heutigen Zustandes auf unserem Planeten zu beleuchten. Stattdessen immer wieder Geschwafel über Volk, Nation, Rasse (Sarrazin).
Wissenschaftlich sind diese Begriffe nicht eindeutig, größtenteils widerlegt und kein Instrumentarium zur Beschreibung und Aufklärung der Problemlage.

Es folgt ein kurze Geschichte der großen Gestaltungskräfte, welche die Struktur von Entwicklung/Unterentwicklung, Arm/Reich hervorbrachten und bis ins Heute stützen. Sie lässt sich mit ein wenig Fantasie auch auf die soziale Problematik der obszönen Schere "Arm/Reich" in den wohlhabenden Gesellschaften übertragen:

Seit den 70er Jahren existiert eine umfassende Bücherregale füllende wissenschaftliche Literatur.
Darunter im Dschungel soziologischer und historischer Fachliteratur durchaus auch über die
Jahrzehnte allgemein verständliche Bestseller. Global 2000 (von 1977 J. Carter) / Club of Rome erster Bericht 1972/
Peripherer Kapitalismus (Senghaas 1974), die Literatur zur Ölkrise der frühen
70iger / Die Folgen des Kolonialismus und Imperialismus und wie man nur so
die heutige Welt verstehen kann / Die Globalisierung der letzten Jahrzehnte ...

Die Diagnose und Quintessenz ergibt sich daraus sehr eindeutig und zwingend
(vergessen wir mal kurz die "soziale Schere" in Deutschland für einen kleinen Perspektivwechsel):

- Lateinamerika und Afrika sind arme Opfer der Kolonialgeschichte. Die dort existierenden Strukturen wurden von den Kolonialmächten im 15.
und 16. Jahrhundert nachhaltig zerstört. Schlimmer noch: Seit dieser Zeit hatten diese Länder in einem der globalen Wirtschaft dienenden System
bis heute primär die Aufgabe, den schon entwickelten Ländern zu Dumpingpreisen Rohstoffe, Bodenschätze und Arbeitskräfte zu liefern.
Vom Aderlass des Sklavenhandels konnte sich Afrika nie richtig erholen. Später übernahmen in den "Entwicklungsländern" korrupte Eliten für uns
stellvertretend den Job der Ausbeutung ihrer Bevölkerung und Länder.

- Das Zeitalter des Imperialismus setzte das brutale Konzept der Aneignung anderer Länder mit neuen Akteuren fort. Nur waren es dieses Mal nicht die Spanier und Portugiesen etc., sondern England, Frankreich, Belgien und a bisserl auch Deutschland.

Kolonialismus und Imperialismus sind wesentliche Ursachen für den heutigen Zustand unserer Welt.
Eine entfesselte Wirtschaft mit multinationalen Konzernen trug zur weiteren Eskalation bei. Auf die sogenannte Überlegenheit der westlichen Welt
kann man nicht stolz sein. Sie ist Folge brutaler Gewalt, die für Jahrzehnte, ganze Jahrhunderte die Grundstruktur der Macht auf diesem Planeten hervorbrachte.

Wichtig: Einmal etablierte Ungleichgewichte haben immanent stets die Tendenz, sich zu verstärken. Das Prinzip von Monopoly.
Zynisch: Deutschland war in diesem Spiel seit dem zweiten Weltkrieg immer auf der Gewinnerseite.

Unser Wohlstand ist die eine Seite einer Münze, die andere Seite ist Armut, Hunger und Unterentwicklung.
Das eine ist untrennbar mit dem anderen verbunden.

Alle ernsthaften Vorschläge für eine grundsätzliche Wende zum besseren auf dieser Erde
versprechen nur dann Erfolg, wenn die schon weit entwickelten, auf einem irrsinnigen Niveau konsumierenden Länder
auf diesem endlichen Planeten ihren "Fußabdruck" verkleinern. Das betrifft den Verbrauch von
Ressourcen, Energie. Aber auch unseren gesamten Lebensstil.
Nur so haben die Armen dieser Welt eine Chance, ein wenig aufzuschließen.

Elementar: Wohlstand reduziert die Geburtenrate. Überaus schnell und nachhaltig.
Ob da eine Hoffnung ist? Wir sind wahrscheinlich schon zu spät dran. Die Uhr tickt
schon zu lange, das Schiff fährt schon zu lange in die falsche Richtung.
Der Bremsweg ist lang, eine Kurskorrektur mühsam.

Wir sollten aber immer verstehen, dass die globalen Probleme von
den reichen Nationen verursacht wurden und werden.
Relativ neu ist und erschwerend kommt hinzu, dass inzwischen andere
selbstbewusste Akteure wie China, Indien, Indonesien ihre Rechte einfordern.
Sie möchten verständlicherweise nun mit aller Macht all das haben und machen,
was wir schon lange haben und machen:
den für unsere Spezies offenbar attraktiven hirnlosen materiellen Konsum.

Afrika kommt mit gigantischen 2,5 Milliarden bis 2050 oder so im globalen
Poker dazu.

Die Migration aus der Subsahara wird übrigens jetzt schon mit aller Härte (es hat schon angefangen)
und unserem Geld lahmgelegt. Das Mittelmeer bleibt bis auf weiteres trotzdem ein Friedhof.
Ob uns das rettet? Ich kann es nicht wirklich glauben. Es kommen ungemütliche Zeiten auf uns zu.

Sicher ist für mich:
Wenn wir den über den Zeitraum von Jahrhunderten hart erkämpften Humanismus über Bord werfen,
werden wir eine Welt sehen, in der ich nicht mehr leben möchte.
Schaue ich nach Ungarn, nach Polen, in die Türkei, die USA, England, Italien,
Syrien, Israel, Libanon, Ägypten, die nordafrikanischen Staaten, Irak, Iran, Afghanistan,
schaue ich auf den Islam, die Evangelikalen, die Verschwörungstheoretiker, Esoteriker,
die Rechte und die AfD...
Dann möchte ich mit dem Kotzen nie mehr aufhören.

Klimakatastrophe, Mikro- und Nanoplastik, Korallenbleiche, Gletscherschwund,
saure Weltmeere, Aussterben von Tieren, Pflanzen, Sprachen, Kulturen
usw., etc. ...
Wer mir da erzählen will, 2015 sei die Mutter aller Probleme, der ist nicht
bei Sinnen !! Das kann man nur Ernst nehmen als übelste
Propaganda von rechts.

Eine Beschreibung der Probleme, welche die geschichtlichen Entwicklungen hin zum derzeitigen
Staus Quo absichtsvoll unterschlägt, ist wertlos.

Mein Essay mag dies andeuten.

Der Beitrag ist ein sehr grobe Beschreibung meiner Sicht der Dinge.
Aber es ist mir wichtig, Stellung zu beziehen.

Interne Verweise

Kommentare

20. Sep 2018

Hallo Ulli, Du solltest den Text unbedingt in Fließschrift ändern. Sicher ist das aus einer PDF (z.B.) herauskopiert, wodurch sowas passieren kann. Den Text so zu lesen, fällt schwer. LG

20. Sep 2018

Ich habe Deinen Essay aufmerksam gelesen, Ulli, und stimme Dir in jeder Hinsicht zu. Der Fall Maaßen und wie er gehandhabt wird, macht auch mir Angst ... man wird vor Verblüffung (fast) stumm ...

LG Annelie

20. Sep 2018

Danke liebe Annelie,
danke Marie,
es war mir ein echtes Bedürfnis, den Text zu schreiben.
LG
ulli

21. Sep 2018

Unglaublicher Quark!

LG Alf

Auf Schreiber Netzwerk hast Du den gleichen Text veröffentlicht und ich habe 2X darauf geantwortet und 2X hat man meinen Kommentar gelöscht! Ich finde das sagt alles - vor allem wie es um die Demokratie hier steht, wo einer gleich als Rechtsextremist bezeichnet wird, der es wagt eines Diktatorin zu widersprechen!

Ich werde das hier nicht mehr ausführlich kommentieren, aber eines möchte ich schon fragen: Wenn wir schon so schlimm sind und unsere Vorfahren auch so schlimm waren, warum gibt es dann keine Ainus mehr in Japan??

Weiß überhaupt jemand wer die gewesen sind? Und weiß auch jemand warum sie verschwanden?

21. Sep 2018

Ich weiß,wer die Ainu sind.Das trägt aber nichts zum Inhalt meines Essays bei.
Auch ist mir nicht bekannt, dass jemand jemals als Rechtsextremist bezeichnet wurde !

Wegen deiner nicht eingestellten Kommentare würde ich mal eine Info an Schreibernetzwerk schicken.
Schwierig. Deinen Verdacht, dass bewusst gelöscht wurde,teile ich zunächst mal nicht.

Leider zeigen mir viele deiner Kommentare und Texte, dass du deine eigene
Erkenntnisfähigeit bezüglich der komplexen Welt deutlich überschätzt.
Da komme ich nicht mit als Skeptiker.Glaubst du ernsthaft eins zu eins an deine Analysen,
die oft auf wenig fundierten Annahmen beruhen ?Da geht so vieles durcheinander.
Wie könnte es anders sein?
Es ist ein weiter mühsamer Weg über Jahrzehnte, in dessen Verlauf wir mit etwas Glück
zum zumindest teilweise vernünftigen urteilen gelangen können.Er scheint mir unmöglich
ohne das Studium der großen Denker, Forscher, Philosophen unserer Spezies.
Ich amüsiere mich oft über meine Fehlschlüsse und selbst gestrickten Theorien.
Das ist ein befreiender Sport.
ulli

22. Sep 2018

Das Durcheinander ist auf Deine Seite lieber Ulli, auch bedanke ich mich dafür, daß ich vermutlich meine Erkenntnisfähigkeit überschätze...das war sehr geschickt.

Was den Ainus passiert ist wird uns auch passieren und ich frage mich schon ernstlich warum...

Noch dringlicher möchte ich die Frage stellen warum wir das auch noch selbst machen!

Dir scheint es unmöglich ohne das Studium der großen Denker zu denken??

Das spricht für sich...

LG Alf

22. Sep 2018

Du verstehst mich leider offenbar gerne falsch Alf?
Ich kenne niemanden, der seine eigene Erkenntnisfähigkeit nicht mehr oder
weniger überschätzt.Da bin ich philosophisch,skeptisch hart im Urteil.
Ich schloss mich übrigens ausdrücklich selbst mit ein.Hast du das übersehen ?
Da fängt es übrigens bereits an mit den 'Mißverständnissen' zwischen uns.
Die Lektüre deiner Essays zeigt mir lediglich,
dass du keine Ausnahme in dieser Regel bist.Was erwartest du?Ist das schlimm ?
Soll ich nur loben, dich anbeten? Ich bete übrigens niemanden an.
Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ich Poesie bewerte oder Essays.
Letztere bewerte ich nach den Standards von Logik, Plausibilität und vor allem danach,
ob der Inhalt überprüfbar und nachvollziehbar ist.Da kann ich nicht hinter meine
Kriterien zurück.
Meine Ausführungen zum Thema ' Entwicklung/Unterwicklung ' entsprechen in verkürzter Form weitgehend
dem Ergebnis historischer Forschung.Bei " Scobel " wurde das letzten Donnerstag fast genau so dargestellt.
Ich kann gerne mit Literatur aushelfen in den Themen Evolution, Gehirn, Philosophie . . . die rechte Revolte etc.

Du bist ein außergewöhnlicher Poet, wohl auch Künstler, so weit ich das beurteilen und sehen kann.
Deine Essays sind meist kreativ und unterhaltsam , oft total gelungen.
Bei wissenschaftlichen Themen sträuben sich mir allerdings nicht selten die Haare.Evolution etc ...
Das finde ich überhaupt nicht schlimm und hin und wieder spiegele ich dir das.
Leider ist es auch immer wieder der längst überholte Sozialdarwinismus der mich ärgert.
Das macht auch Sarrazin einfach unerträglich.Er hat einfach keine Ahnung und es juckt ihn nicht.

Ich meine, dass auch diese Ausführungen wieder meine hohe Wertschätzung für dein Schaffen bezeugen.
Diese ist ehrlich und auch von Zuneigung getragen.
Das schließt für mich die kurz skizzierte Kritik nicht aus.
Nur so kann ich kommunizieren.Wer das auf Dauer nicht versteht, mir daraus aus Un- oder
Missverständnissen heraus niedere Motive unterstellt ( das gilt jetzt allgemein ) ,
den beachte ich dann irgendwann nicht mehr. Selbstschutz !
schönes Wochenende
ulli

22. Sep 2018

Dir auch ein schönes Wochenende - möglichst mit Voltaire...

LG Alf