Eine Art Nachruf

von Lothar Peppel
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Wenn um den 20.Dezember herum statt des Weihnachtsmannes der Tod an die Tür klopft, kotzt nicht nur die Weihnachtsgans in die Dekoration. Ja, klar. Der Fucking Tod kommt immer ungünstig. Und man ist nie besonders gut darauf vorbereitet. Ich selbst sitze ja nun auch nicht seit Jahren Tag für Tag in schwarzem Anzug und geputzten Schuhen im Flur und warte darauf, dass ausgerechnet diesmal nicht der Typ vom Paketdienst, sondern tatsächlich ein gewisser Herr Hiob an der Türe klingelt. Und mir dieser dann eine Liste mit Verblichenen in die Hand tackert. Dabei ist, soweit ich das beurteilen kann, unter meinen Bekannten und Verwandten und unter ferner liefen kein Unsterblicher bei. Was einem komischerweise aber immer erst dann als Tatsache auf die Füße fällt, wenn einer dieser Leute mit ebensolchen Füßen aus den Latschen kippt. Forever. Dann beginnt das große Erstaunen und Verleugnen. WAS?! Der war doch noch so jung! Und: Sie hatte doch noch so viel vor! Und: Die haben doch gerade erst neu gebaut! Auch: Gestern war er noch beim Training! Tja. Das mag ja alles stimmen. Doch nehmen wir mal alle Jene aus dem Hut raus, die jung sind, oder noch Einiges vor bzw. gebaut haben, und Die, die gestern noch beim Training waren: da kann die größere Anzahl an Bestattern aber gleich bei der Tafel einziehen. Das Lebensalter ist nämlich heute als Sterbegrund schon mal sowas von obsolet. Wenn heutzutage Kerle mit 65 in die Kiste steigen, dann doch nur, um noch ein Kind zu zeugen. Peter Maffay wurde mit 69 nochmals Vater. Mick Jagger mit 73. Und Niki Lauda wurde mit 60 sogar noch Vater von Zwillingen. Und das mit nur einem Ohr! Dass bei Frauen hingegen viel eher der letzte Mutterkuchen endgültig vom Blech rutscht, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese durchschnittlich noch 7 Jahre länger als ihre Männer leben. Anders gesagt: er legt zwar gern nochmal flach im Alter, sie aber legt sich definitiv 7 Jahre später erst flach. Forever. Dennoch bleibt: der Tod ist pädophil. Denn so gesehen sind wir immer zu jung für ihn. Und dementsprechend hat man auch immer noch viel vor. Sogar als Achtzigjähriger. Man vergisst es dann nur öfters. Da sagt man zum Beispiel: Ich geh jetzt aufs Klo! Bleibt danach aber stoisch sitzen, weil, der gute Vorsatz ist schon wieder ohne hängen zu bleiben durch die Synapsen gerutscht. Und man kennt ja den obligatorischen Ausspruch diverser Pflegekräfte, welcher Tag und Nacht laut oder auch unausgesprochen im Minutentakt über die Flure der Geriatrie schallt: MUSS ICH MICH HIER EIGENTLICH UM JEDEN SCHEISS KÜMMERN?! Und der Achtzigjährige schreit mit fliegenden Zähnen: JA! Und man sieht zudem daran, dass man auch im Alter durchaus noch bauen kann. Scheisse zum Beispiel. Ebenso ist das gestrige abendliche Training für den Tod kein in Stein gemeißeltes No-go-Area. 2018 waren rund 24 Millionen Bundesbürgern Mitglied in einem Sportverein. Bei dreimaligem Training die Woche fielen da ja schon mal um die 10 Millionen Bürger todestechnisch über diese Woche hin gesehen komplett aus dem Lostopf heraus, wenn ein abendliches Training ein Ausschlusskriterium wäre. Und es ist doch schon eine etwas komische Vorstellung: da springt ein Wassersportler irrtümlich zur falschen Seite vom 10-Meter-Brett, schlägt senkrecht auf dem Beton auf und geht mit seinem gleich einer Melone zerplatzten Schädel achselzuckend unter die Dusche, nur weil der Tod ihn wegen eines mehr als nur kritikwürdigen Arbeitszeitgesetzes am nächsten Morgen nicht mitnehmen darf. Nein, Gevatter Hein ist ein Gesetzloser. Er schaut nicht nach Alter, Plänen, Bauzeichnungen oder ob da vielleicht noch ein verschwitztes Fußballtrikot am Haken hängt. Er macht einfach seinen Job. Und sollte in ihm ein Herz schlagen, so ist es das eines Beamten. Eines preußischen. Da bleibt nichts liegen. Höchstens hängen. Er geht Tag für Tag und Nacht für Nacht durch die Reihen und in wen er sich verguckt, für den heißt es: Rien ne va plus! Nichts geht mehr. Forever. Nicht immer mit einem ersichtlichen Grund. Und das kann, das muss uns nicht gefallen. Doch es gibt nun mal kein Viagra fürs Leben.

R.I.P., Schwagerherz.
See you later.

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