Betrachtungen über das Leiden

von Alf Glocker
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Leiden ist nicht nur eine schöne Stadt in Holland, in der man vorzüglich shoppen kann, die wundervolle Grachten hat, nein, man kann dort auch studieren und es sich sogar gut gehen lassen. Aber Leiden ist auch ein Zustand, eine Erfahrung, etwas, das auch einer aus Leiden gemacht hat, Rembrandt van Rijn. Er hat sich, wie die meisten anderen, die mit Leiden in Berührung kamen oder kommen, nicht darum bemüht. Doch obwohl es höchst unerfreulich ist, scheint es eine der begehrtesten Erlebnismöglichkeiten zu bieten, die ein Leben aufzuweisen hat.

In dieser Hinsicht hat die Welt überaus spannende Geschichten zu erzählen – von Epidemien und Hungersnöten, von schlimmen Despoten und machtgeilen Großkonzernen, oder Bankern, denen viel daran lag und liegt, Unheil über die Menschen zu bringen. Auch sadistische Familienväter wären da zu nennen, Mörder und Massenmörder, die ihr Unwesen trieben … und damit sind noch nicht einmal Diktatoren wie Josef Stalin, Mao Zedong, oder König Leopold von Belgien gemeint, deren unglaubliche Zwangsmaßnahmen eine Unmenge Blutzoll forderten.

Auch Einzelschicksale, von denen man gelegentlich – nein, eigentlich haufenweise – hört, sind bisweilen fürchterlich. Es könnte einem regelrecht schlecht werden, wenn man versucht, den Durchschnitt des Wohlbefindens aller Menschen der Erde zu errechnen … das Ergebnis ist schauderhaft!! Nur einem verschwindend geringen Teil der Weltbevölkerung geht es gut. Einem ebenfalls noch geringen Teil geht es einigermaßen zufriedenstellend, den meisten Menschen auf der Erde aber geht es unterhalb aller Kanone. Daran ist leider nichts zu ändern??

Im Gegenteil! Viele Individuen unter uns sehnen geradezu noch eine Verschlechterung der allgemeinen Situation herbei! Sie arbeiten fieberhaft an der Zerstörung mühsam erworbener Rechte und Vergünstigungen … Viele Generationen haben, in bestimmten Teilen der Welt, hart dafür gearbeitet, daß die Arbeitszeit von früher 16 auf heute 8 Stunden pro Tag verkürzt wurde. Natürlich hat das weder den Arbeitgebern noch dem Finanz-Adel gefallen, daß der ganz normale Bürger nun ebenfalls eine höhere Lebenserwartung erreichen konnte.

Aber die gepeinigte Kreatur hat sich eben zur Wehr – und später dann auch bessere Lebensbedingungen durchgesetzt. Diese Entwicklung war unausweichlich. Schließlich wollte „man“ ja auch insgesamt weiterkommen. Das Sahnehäubchen der Menschenrechte stellte schließlich die Gleichstellung der Frauen dar … die momentan allerdings wieder heftig angefochten wird. Jedenfalls hatten alle Erfolge echter Menschen und mit Menschlichkeit befasster Verfechter etwas völlig Unerwartetes ausgelöst: den blinden, naiven Fortschrittsglauben!

Der schlägt nun zu Buche, wo es dem Esel zu wohl geworden und er aufs Eis gegangen ist … Denn von überall her strömen nun in die Länder der Esel Kreaturen, die an nichts von all dem Erreichten interessiert sind. Sie möchten nur an den materiellen Nebenerscheinungen hoch entwickelter Zivilisationen beteiligt werden. Frauenrechte sind für sie Müll und alles was die angewandte Menschlichkeit betrifft, wird dem einen oder anderen Glauben und der darin enthaltenen Rechtsprechung untergeordnet. Mit anderen Worten: Wir haben allmählich nichts erreicht!

Alles wird zwanghaft revidiert. Und das ist auch noch direkt von ganz oben verordnet, weil die entsprechenden Entscheidungsträger entweder von allen guten Geistern verlassen sind, oder mit der Hochfinanz unter einer Ausbeutungsdecke stecken, die dermaßen verfilzt ist, daß das darin versteckte Ungeziefer schon gar nicht mehr auffällt. Leider kann man sich den ewigen Fortschritt in eine immer besser werden sollende Zukunft nicht kaufen – der erwächst einzig und allein aus den natürlichen Ressourcen eines Landes, das stetig, in guter Absicht, an sich arbeitet.

Zum besseren Verständnis: Mit „Natürlichen Ressourcen“ sind hier nicht Bodenschätze gemeint, sondern MENSCHEN! Die Menschen eines Landes sind sein natürlicher Reichtum – sie können nicht einfach gegen andere Menschen, mit einer anderen Vergangenheit ausgetauscht werden, nur weil ein paar Flachschädel mit Gewalt annehmen wollen, Bildung sei übertragbar – auf jede Mentalität … So eine Theorie kann nur im Hirn eines unersättlich-niederträchtigen Ausbeuters entstanden sein.

Offenbar gehört der Masochismus zur höheren Bildung. Der „Gebildete Mensch“ ist anscheinend angehalten, sich und seinesgleichen nicht nur zu verunglimpfen und zu beschimpfen, sondern auch über die „Schwächen“ brutalerer Zeitgenossen, die genau genommen ihre Überlebensstärken sind, hinwegzusehen. Vielleicht ist das aber auch eine „Göttliche Hilfe“ auf dem Weg zur Erneuerung. Zur Erneuerung, die auf jeden Fall wesentlich robuster, aber nicht unbedingt intelligenter macht!!

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Kommentare

24. Feb 2018

Die Massen sind gut genug dafür -
früher nutzte man das Tier!

LG Alf