Die Welt hält den Atem an (21.3.20)

von ulli nass
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Und schon vermisse ich die Kondensstreifen der Flugzeuge am blauen Himmel. In den Straßen meines Dorfes kaum noch Menschen. Der Schulhof ist verwaist und das Geschrei und Gejauchze der Kinder an der Kita ist verstummt. Selbst die Spielplätze wurden abgeschlossen. Hier und da erscheint jemand vor seinem Haus, es ergibt sich ein kurzes Gespräch. Wie gut tun ein paar Worte ein kurzes Gespräch - wir hatten es fast vergessen, auch wenn derzeit Sorge in jeder Silbe ist.

Das Virus beherrscht und formt unser Denken, zuerst kaum spürbar, dann immer intensiver. Ein merkwürdiges Gefühl.
Was tun die Menschen in den Häusern ihres wie tot wirkenden Dorfes ? Entstehen in Stadt und Land gerade nie gedachte Gedanken in den Köpfen der Menschen, die man nicht mehr sieht in Gaststätten, Restaurants , auf den Plätzen in den Straßen. Erzeugt die erzwungene Klausur Veränderungen in uns, die wir erst nach und nach spüren werden?

Kann uns das Hoffnung machen oder muss es uns ängstigen? Kommen wir uns in der Krise näher, obwohl wir uns kaum noch sehen, nicht mehr einander umarmen dürfen? Und die Stille, die sich ausbreitet und über uns ergießt, ist sie nicht jetzt schon eine Bedrohung für Gefühle und Seele ?

Die Kirchenglocken läuten, aber die Gottesdienste finden nicht statt. Die Priester und Pfarrer haben kaum noch Kontakt zu ihren Gemeinden. Die Kranken in Kliniken und Krankenhäusern warten vergeblich auf Besuch, genau wie die Alten in den Heimen. Was macht das mit uns Menschen ?

Werden die Wirtschaftsführer, die Banker, Politiker endlich neu und gründlich über die Welt nachdenken, die sie ohne es je zu wollen an den Abgrund geführt haben, immer den ewig als unvermeidbar deklarierten Zwängen folgend, die unser System angeblich für das Funktionieren und das Wohlergehen aller vorgibt. Fallen da in diesen Zeiten nach und nach erstmals Schuppen von allen Augen, wird endlich die Sicht frei auf eine Welt, die nur überleben kann, wenn das 'weiter so' umgehend endet ?

Betet der Papst im Vatikan gerade in diesem Augenblick zu Gott und wird ihm geantwortet? Wurde ihm in den letzten zwei Jahrtausenden jemals geantwortet?

Kann Krise wirklich Chance sein?

Das Virus verändert die Welt. Wir werden es erleben. Wir dürfen hoffen und gleichzeitig auch große Sorge haben.
In welcher Welt werden wir leben, wenn sie wieder anfängt tief zu atmen ?

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Kommentare

25. Mär 2020

"...werden Wirtschaftsführer, die Banker, Politiker endlich neu und gründlich über die Welt nachdenken?"
Du weißt es, du kennst sie.
Und das Hoffen erstirbt schon vor dem "Zuletzt".

25. Mär 2020

Du hast Recht,Uwe. Aber Utopien sind legitim, auch wenn ich, du weißt es, dystopisch denke und fühle.
A bisserl 'Imagine' (J.Lennon) dürfen wir uns hin und wieder gönnen.

ulli