Codename Sandmann / Teil 1

von Frank Tegenthoff
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Es war mal wieder einer dieser Tage,die weder besungen noch frenetisch gefeiert werden;die eher an einem schlechten Film erinnern,an Nieselregen,Nebel und Edgar Wallace im Kopfkino. Ich saß mal wieder im hintersten Kabuff einer Absteige. Keine Angst,das wird kein Jerry Cotton,dem sein Ferrari wichtiger ist. Außerdem besitze ich gar kein Auto. Aber per pedes bin ich genauso gut unterwegs. Jetzt bin ich an einer Story dran,die auch ein Cotton nicht so schnell aufbröseln könnte. Bevor ich ganz mit meinen Gedanken abdrifte,gehe ich auf's Eisen. Die Sache ist ganz schön komplex. Wo und womit soll ich bloß anfangen?
Vor einigen Wochen waren die Gazetten voll davon. Es ging um gewisse Gefälligkeiten,die mal schnell zwischen zwei Anrufen getätigt werden. Ein Subunternehmer,so munkelt die Presse,soll im großen Stil mit drinstecken. Sein Konterfei ist mittlerweile kaum zu übersehen. Auf mich wirkt er wie der brave Onkel aus der ehemaligen Ostzone. Und die spielte später noch eine Rolle. Es soll einen Strohmann aus Gera geben.
Bevor der erste Coup überhaupt glücken konnte,sollte ich mich beim Subunternehmer einschleusen lassen. Das geschah ganz undramatisch. Wie gesagt: Alle namhaften Zeitungen waren hinter dieser Story her. Mein Chef witterte es ebenso und wollte die Spur nicht kalt werden lassen. Sogleich twitterte er mich an!
Was war eigentlich mit diesem Subunternehmer? Was machte einen untrainierten Mitfünfziger so interessant. Offensichtlich ist er ein Snob. Er ist kein Onassis und kein Krösus. Er heißt schlicht und einfach: Sand. Nein,kein Ebbe Sand.Nein. Thorsten Sand aus Oppersheim.
Das ergaben meine ersten Recherchen. Und ich solle jetzt beim Vorstellungsgespräch nicht auf dicke Hose machen,sondern einen kaputten Typen mimen,der eine zweite Chance bräuchte. So rief ich bei seinem Büro an. Nur am anderen Ende der Leitung saß kein Schnellmerker. Beim dritten Anruf bekam ich endlich meinen Termin. Wegen den Klamotten musste ich improvisieren. Zum Glück kannte ich noch einen ehemaligen Pennäler,der abgetragende Sachen für's Rote Kreuz sammelte. Er hatte bereits vorgesorgt und es mir gesimst.
,,Mensch Johann,altes Hühnerauge,dass ich dich noch einmal sehe",dabei hüpfte seine Stimme etwas lakonisch.Hatte er nicht sonst eine Reibeisenstimme gehabt. Die hörte sich sonst so an,wenn er zu tief ins Glas geschaut hatte.Die Klamotten passten super. Er hatte ja meine Statur und Größe. Und er war verschwiegen wie ich!
Pünktlich gegen 15 Uhr stand ich im Büro von Thorsten Sand. Auch beim näheren Hinsehen erkenne ich den braven Onkel aus Oppersheim. Sein Blick wirkt zumindest onkelhaft und er zittert leicht mit der rechten Hand.Derweil blinzeln seine Augen durch dicke Augengläser. Aus einem Hinterzimmer höre ich jemand mit sich selbst reden. Da die Tür einen Spalt breit auf ist,erkenne ich einen Wald von Grünzeug. So scheint es mir. Eine Art Gewächshaus kann es ja nicht sein. Nichtsdestotrotz. Ich roch einen süßlichen Duft. Fast irritiert ging ich von der Tür weg,um nicht dauernd reinzusehen. Ich hatte sterile Räume erwartet,wie ich sie aus der Redaktion her kenne. Und nun steh ich vor einem Biotrop...

2012 hatte ich mit dem Ensemble vom Theaterprojekt eine Stückprobe. Wir improvisierten die Szenen. ,,Codename Sandmann" ist meine eigene Adaption,wie ich das Stück damals entwickelt hatte. Als ,,Sand im Getriebe" wurde es schließlich aufgeführt. Und
Regie hatte Till Staufer von ,,Culture for development".

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