Die verrückte rote Waldameise

von Alf Glocker
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Wen juckt schon die Rote Waldameise?! Wen juckt schon überhaupt irgendetwas?? Warum also Gleichnisse – obwohl die Rote Waldameise kein Gleichnis, sondern ein Lebewesen ist? Aber was macht sie denn, die Rote Waldameise? Sie spinnt! Und sie weiß es nicht, oder wenn, dann ist es ihr egal, denn sie denkt ja nicht, sie ist einfach nur da … wie wir alle einfach nur da sind, vertrottelt und lebenslustig, mörderisch und dämlich wie sonst noch was.

Für uns ist die Rote Waldameise aber ein Nützling … harharr! Für den Schädling Nr. 1 ist eine Waldameise ein Nützling. Wenn dasss kein Grund zum Ablachen ist! Ihr Treiben sollte uns jedoch Sorgen machen … denn sie ist nicht allein im Wald. Denn dort und auch noch überall auf der Heide, nein, sogar in den Dörfern und Städten gibt es zusätzlich eine Spezies der Formica rufa, die der Jäger als „Zwicker“ bezeichnet. Sie ist nur halb so groß wie die Rote Waldameise, aber doppelt so frech. Sie macht vor keinem Lebensraum Halt!

Ihr „richtiger“ Name ist „Schwarze Waldameise“. Trotz ihrer geringeren Größe ist sie unendlich grausamer als ihre große Schwester, denn sie tötet, ohne jemanden aus einem anderen Stamm übrig zu lassen, wenn sie etwas braucht – einen Unterschlupf zum Beispiel! Sie sucht sich gezielt schwächere Völker aus, zerrt deren Königinnen hervor, um sie zu Tode zu foltern, und sie frisst unbarmherzig die Brut, bis alles Vorgefundene an sie alleine fällt.

Anders die Rote Waldameise. Sie ist siegreich, wohin sie kommt, aber sie macht ganz entscheidende Fehler! Sie tötet nur die fremden Soldaten, die Brut der Besiegten aber nimmt sie mit nach Hause, um sie dort großzuziehen… Warum die roten Waldameisen das machen, ist nicht bekannt, schließlich sind sie ja keine Menschen, von denen man „Humanität“ erwarten können sollte (Betonung auf „sollte“, denn es sind ja nicht alle Menschen so liebenswürdig).

Jedenfalls ist dann zur Zeit des Hochzeitsfluges im Wald ordentlich was los. Die Schwarzen fliegen sowieso überall und wo die Roten fliegen, da fliegen selbstverständlich die Schwarzen auch gleich mit! Denn, „human“ wie sie ist, hat die Rote Waldameise natürlich auch die Geschlechtstiere des Feindes mit durchgefüttert … Das aber zahlt sich jetzt insofern aus, als die schwarzen Männchen natürlich ganz enorm auf die roten Prinzessinnen stehen und die roten Männchen manchmal nehmen müssen, was übrig bleibt: schwarze Prinzessinnen.

Das ist zwar ungeheuer rührend, aber es zahlt sich irgendwie nicht so richtig aus. Aus gutem Grund steht ja auch nur die Rote Waldameise unter Naturschutz und bekommt vom Förster die berühmte Drahtpyramide übergestülpt, denn, man höre und staune: Die schwarze Waldameise, „Zwicker“ genannt, ist gegen den Borkenkäfer wenig erfolgreich! Die ist, schlicht und ergreifend, einfach nicht dazu geeignet, den Schädling aus der Baumrinde zu ziehen.

Wer nun gut aufgepasst hat, sich nicht nur für Fußball und Politpropaganda interessiert, sondern auch länger schon ein Auge auf die Natur geworfen hat, dem ist nicht entgangen, daß es eigentlich die ehemals typische Rote Waldameise schon gar nicht mehr wirklich gibt. Die großen Nester sind nun fast ausschließlich von Emsen bewohnt, die einen schwarzen Kopf, ein braunes Mittelteil und einen schwarzen Hintern haben, während das Original einmal deutlich größer war, einen roten Kopf, ein rotbraunes Mittelteil und ein dunkelbraunes Hinterteil hatte.

Nun, bis jetzt geht’s ja noch, aber wer jetzt unverschämterweise einmal nachrechnen möchte, der kommt darauf, daß wir Menschen den Borkenkäfer einmal mit etwas anderem als mit natürlichen Mitteln werden bekämpfen müssen … immer vorausgesetzt, daß wir dann überhaupt noch Wälder haben... Ja, das habe ich natürlich alles an den Haaren herbeigezogen, um mir ein möglichst schlechtes Bild von unserer Zukunft auszumalen. Deshalb wäre es sicherlich auch sehr verkehrt, aus diesem Text logische Schlüsse zu ziehen, was außerdem ja sogar verwerflich ist.

Warum man das so sehen möchte, warum das verwerflich wäre, das wissen natürlich ausschließlich die Siebengescheiten, aus Neunmalklughausen, an der Brenz, auf deren Suppe ich einst daher geschwommen bin, um eine miese Stimmung zu verbreiten, damit die Menschen, die ja ganz bestimmt keine roten Waldameisen sind, in Angst und Schrecken zu versetzen. Die roten Waldameisen haben doch auch keine Angst, sonst wären sie niemals so fleißig mit ihrem Untergang beschäftigt. Nag, nag, schlepp, schlepp, heg, heg und bau, bau!

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