L' angelo e il diavolo (eine gottlose Komödie)

von Alf Glocker
Mitglied

I. Cielo

Engelschor: Hosianna, uns geht‘s gut,
wir haben keinerlei Probleme,
wir sind ja nicht aus Fleisch und Blut –
wir schätzen das Bequeme!

Vater: „Mein Sohn …“

Sohn: „Vater?“

Vater: „Glaubst du, daß wir das gut gemacht haben?“

Sohn: „Wir? – Du meinst doch nicht etwa die Schöpfung? Davon habe ich gar nichts gemacht, ich hab nur ausgebadet, was du gemacht hast …
Ich habe deine Kreaturen zur Genüge erlebt."

Vater: „Sei nicht so ungezogen. Es musste doch etwas Zeitliches geschehen und – irgendwer musste dann eben als Sündenbock herhalten. Die Vergebung der Sünden ist dir zu verdanken. Ist das vielleicht nichts?“

Sohn: „Wieso? Die Hölle gibt es immer noch und der Lichtbringer hat alle Hände voll zu tun mit seiner ‚Aufklärungsarbeit‘, wenn man’s mal ganz genau nehmen möchte."

Vater: „Quatsch, das ist doch eine andere Geschichte …
Es ist ja auch nirgends ein geeigneter Denkansatz in Sicht."

Sohn (zum Geist gewandt): „Und deshalb … Wie lautet nun dein Urteil?“

Geist: „Flatter, flatter!“ Übersetzung: „Da muss ich mich als Heiliger Geist eiligst zurückziehen …“

Il mondo

Engelschor: „Die Erde ist ganz schrecklich heiß,
wir sehen sie so gern im Flug –
ach wie gut daß niemand weiß
wer sie gekonnt, aus ‚Liebe‘, schlug."

Schutzengelchen: „Sagen Sie, Verehrtester, warum lächeln Sie denn so hintergründig in Ihren Spitzbart hinein. Wollen Sie damit ihre drei goldenen Haare besser zur Geltung bringen?“

Teufel: „Ach, Schutzengelchen, davon verstehst du nichts. Ich labe mich an meiner Schöpfung, sie ist mir so wundervoll gelungen.

Jeden Tag erfreue ich mich an den Zeitungsberichten.

Und zur Entspannung lese ich abends Geschichtsbücher. Sie sind für mich wie Comicstrips. Und, was soll ich dir sagen!? Mein Kopfkino funktioniert so flimmerfrei wie am ersten Tag.“

Schutzengelchen: „Ihre Schöpfung, Verehrtester?“

Teufel: „Ja, Schätzchen! Die grobe Vorarbeit habe ich natürlich einem andern überlassen – aber du siehst ja selbst, wie souverän ich regiere. Ich bin mit der globalen Entwicklung mehr als zufrieden."

Schutzengelchen: „Ciao, ich glaube, ich werde gerufen …“

l' Inferno

Engelschor: Wir meiden diesen kühlen Ort,
wo kein Gefühl den Armen rettet.
Wir sind nur einem Herrn im Wort –
so haben wir geschickt gewettet.

Schutzengelchen: „Lieber Herr Großmutter, Sie haben so furchtbar lange spitze Zähne …“

Teufel: „Die hab ich, damit ich jedes dumme kleine Menschlein besser in der Luft zerreißen kann."

Eine verirrte Seele tritt auf. Sie hat die Unterhaltung mitbekommen.

Verirrte Seele: „Aber mir hat doch schon Ihr ehrenwerter Herr Enkel zu Lebzeiten sämtliche Beine gestellt."

Teufel: „Na und? Das ist noch lange nicht genug – wie du bemerkt haben dürftest, habe ich auch noch sechshundertsechsundsechzig riesengroße Augen, damit ich dir bis in deinen schwarzen Grund blicken kann – und sehr große Hände habe ich auch noch, denn ich muss dich ja immerhin gebührend foltern können. Das hast du dir redlich verdient!“

Verirrte Seele: „Vater unser …“

Teufel: „Halt‘s Maul, das nützt dir jetzt auch nichts mehr! Mach lieber den Kühlschrank auf, damit ich dich mit Eiswürfeln ausstopfen kann, denn irgendwie muss ich deinem Wesen schließlich gerecht werden!“

Die Engel verlassen in Panik den düsteren, eiskalten Ort.

Engelchor: Wir können auch im Abgang schweben,
das Paradies ist uns gewiss!
Das ist für uns das wahre Leben –
und alles andre ist Beschiss!

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Kommentare

27. Apr 2018

Der Himmel ist vielleicht wer weiß wie noch -
am Ende gar ein ein dunkles Loch????

LG Alf