Die bessere Welt

von Alf Glocker
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Allüberall auf der alten Erde beten die Menschen für eine bessere Welt! Sie träumen von so vielen Dingen, von Autos, Lagern, Nasenringen, von einem großen großen Kral, von Göttern und vom Jammertal, das alle die bestellen mögen, die sich nicht vor Idolen bögen ... kurzum: Für jeden sieht eine „bessere Welt“ anders aus!

Während die einen meinen, in der besseren Welt würden alle Menschen einträchtig beieinander wohnen, kommen für die einen die andern in ihr gar nicht vor! Jeder versucht, die Welt auf seine Art besser zu machen – in Ordnung zu bringen ... in seine Ordnung! Alle wollen praktisch das Gleiche ... nur eben mit einem anderen Endergebnis.

Da gibt es Völker, die auf schöne Frauen stehen und welche, die sie gar nicht erst sehen wollen. Für manche sind Frauen erst so richtig „gebrauchsfertig“ (= schön oder akzeptabel) wenn sie „beschnitten“ sind. Manche sehen sie als ein Mittel zum Erreichen der Weltherrschaft an, damit sie, die Welt endlich in die richtige Ordnung kommt.

Viele reden einfach so daher, denn das Daherreden ist das beste Mittel, um eine bessere Welt, wenigstens in der Einbildung, zu erreichen. Aber wenn man genau hinschaut, dann ist es doch bloß ein Trick der Blender, damit die ewig Gestrigen an eine Vision glauben wollen, die sich schon allein deshalb nicht erfüllen kann, weil alle Menschen eben nicht gleich sind.

Aber man kann es ihnen ja schon mal vormachen – dieses „Paradies auf Erden“, für das jene aufkommen sollen, die wenigstens die Mittel haben, sich selbst gekonnt aus dem Wettbewerb herauszunehmen. Alle anderen expandieren – vor allem dorthin, wo noch genug Gestrige, im Glauben an die „bessere Welt“, geblendet herumlaufen.

Und so begegnen wir uns auf den wenigen verbliebenen Flächen, wo es (noch) keine Umerziehungslager gibt, wo bislang (noch) nur eine Minderheit eine Welt ohne Musik anstrebt, wo man glaubt, die Wahl zwischen Recht und Unrecht zu haben (sofern man – noch – weiß was das überhaupt ist) und träumen von unserer „besseren Welt“ unseren einsamen Traum.

Zwischendurch schauen einige von uns auf die Uhr und überlegen, ob es schon Zeit ist aufzustehen. Die meisten ziehen sich die Decke über den Kopf und knuddeln ihre Teddybären ... außer sie gehören zu denjenigen, die, angesichts der über den Kopf gezogenen Decken der Träumer, ihre Waffen schärfen, um allen zu zeigen, wie die bessere Welt bei ihnen auszusehen hat.

Dann schrillen wieder mal die Alarmglocken in der Hemisphäre der Traumtänzer, die für einen Augenblick lang die Wahrheit im Getümmel der Scheinheiligen erkennen müssen ... bis dann die Lautsprecheranlagen mit ihrem hypnotischen Singsang beginnen und, direkt aus dem Zentrum der Träume heraus, verkünden: „Es ist doch gar nichts passiert!“

*

Kuckuck, seht ihr mich?

Seht, dort vorne ist doch ... nichts!
War da nicht grade ... aber nein!
Niemand hat etwas bemerkt ... ja?!
Des jüngsten, ältesten Gerichts
erstrahlte nur der erste Schein ...
dann war er plötzlich nicht mehr da!

Die Mama sagt, der Papa auch,
man muss keine Ängste haben,
weil alles Gute auf der Welt,
sogar der Dieb in seinem Strauch,
sich hält an jene schönen Gaben,
die wachsen unterm Himmelszelt.

Blickt nur begeistert auf ein Morgen,
das allen Menschen Freude bringt.
Dort werdet ihr in Frieden leben –
und macht euch weiter keine Sorgen,
nicht generell und nicht bedingt –
für euch wird’s keine Rettung geben!

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Kommentare

30. Mai 2017

wir kommen leider nicht drum rum -
am klügsten bleibt man wirklich stumm?

LG Alf