Quatschige Quetschwelten

von Alf Glocker
Mitglied

Ich stehe hier vor dem Quetschwerk und schaue zu, wie Kies gemacht wird. Den Kies können einige Leute gut brauchen! Das sind die Oberquetschter. Oberquetscher heißen nicht deshalb so, weil sie nur Quatsch machen, sonst würde man sie ja „Oberquätscher“ schreiben müssen. Aber tatsächlich machen sie hauptsächlich Quatsch – und zwar deshalb, weil sie den Kies aus allem herausquetschen, das quetschbar ist.

Meine Lust, mich in diesem Quetschwerk von den Oberquetschern ausquetschen zu lassen, damit sie mich zu Kies machen können, hält sich in Grenzen. Darum sagt man mir auch quatschmäßig nach, daß ich Quatsch mache, weil ich nicht ausquetschbar bin. Das wiederum halte nun aber ich für Quatsch, denn wie sollte ein Ausgequetschter Ausquetschbarer, nur des Kieses wegen beurteilen können, wie viel Kies wirklich in mir steckt?

So mancher, den man für einen großen Quatschmacher gehalten hatte, erweist sich im Nachhinein, was allerdings wieder nur den Ausquetschern etwas nützt, als eine Kiesgrube unendlichen Ausmaßes. Uff! Der Lärm, den so mancher, früher nicht Ausquetschbare, heute verursacht, ist auch wieder irgendwie absoluter Quatsch. Hätte der einstige Quatschmacher, die heutige Kiesgrube, denn nicht auch etwas vom Kies abhaben sollen?

Quetschwerksbesitzer, die großen Ausquetscher also, kümmern sich aber um keine Kiesgruben, die noch nicht erschlossen sind. Sie wollen Kies fördern und nicht Kiesgruben zutage fördern. Hierin besteht ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen Oberschicht und Unterschicht, denn die Oberschicht, welche die Kiesgrube verdeckt, besteht zumeist aus dem Schmutz, der eben meistens oben zu finden ist. Die wahren Schätze findet man vor allem darunter!

Oberausquetscher nehmen nur andere Oberausquetscher zur Kenntnis, denn wer keinen Kies vorzuweisen hat, ist nichts wert. Wer eine Quatschgrube, pardon Quetschgrube, nein Kiesboden oder Bodenkies besitzt, der ist zwar nicht gut quetschbar für andere Quetscher, aber er hat bewiesen, daß Kies gut für ein Lebens-Werk ist, bei dem es ganz allein aufs Quetschen, aufs Ausquetschen und nur aufs Ausquetschen ankommt. Denn wer Kies hat, der kann sich alles erlauben.

Er kann vermeintliche Quatschmacher rigoros zerquetschen, er kann den Kies holen, solange welcher vorhanden ist und er kann nach Gruben suchen, in denen sich neues Material findet, das quetschbar, also zum Ausquetschen geeignet ist. Vorher muss es allerdings freigelegt, und seine Ausquetschung muss auch vom Amt für Kiesgruben und Quetschwerke genehmigt sein. Dann dürfen die schweren Laster rollen und der Kies darf offenliegen, vor den gierigen Augen der Quatschwelt, die eine Quetschwelt ist.

Veröffentlicht / Quelle: 
auf anderen webseiten

Buchempfehlung:

398 Seiten / Taschenbuch
EUR 14,80
536 Seiten / Taschenbuch
EUR 16,80
Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Kommentare

28. Sep 2016

So lebt's sich wie im Paradies!
(Man fördert Menschen nicht - nur Kies ...)

LG Axel

28. Sep 2016

Da routiert die Phantasie. So metaphernreich kommt dieser Text daher.
Da verdeckt (bewacht) die Oberschicht den Kies,
und wer keinen Kies hat, dem geht's mies.
LG Monika