Gedanken zu Religionen - eine Geschichte ohne Ende ?

von ulli nass
Mitglied

Alle Religionen sind ihrem Wesen und Anspruch entsprechend immer auch
Theorien zu Ursprung,Erscheinungsbild und Sinn der Welt und unseres Lebens.
Die hartnäckige Existenz von Religion über lange Zeiträume belegt ,kritisch betrachtet,die intellektuelle
Bescheidenheit und naiven Sehnsüchte unserer Gattung.
Man könnte das dann fast ein Wunder nennen.
Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang die Demut vieler Wissenschaftler
und Philosophen im Umgang mit schlecht begründeten Ideen.
Dabei ist doch die Philosophie- und Geistesgeschichte seit mehr als viertausend
Jahren reich an beeindruckenden Denkern.
Sie positionieren sich leider in dieser Diskussion zu selten.Aus Bescheidenheit,
oder weil Konflikte einfach unbequem sind !?

Auf jeden Fall ist es ein Phänomen,welches erstaunt.
Dagegen betrachte man den selbstbewußten Wahn der Propheten,
die sich berufen fühlten. Sie kannten keine Skrupel und erwiesen sich
meist als völlig unsensibel gegenüber denen,die andere Überzeugungen hatten.
Auch kreative Originalität gehörte nicht zu ihren Stärken.

Von Zoroaster über Ägypten bis Mesopotamien. Immer wieder wenig inspirierte
sich selbst ähnliche Ideen.Auch die abrahamitischen Religionen stellen diesbezüglich
keine Ausnahme dar. Ideen aufgreifen,welche bereits existieren und aus vorhandenen
Ingredienzien einen neuen Sud aufsetzen -
Christentum und Islam werden dabei dann quasi zu unehelichen Kindern von Abraham.

Dass die jedem gesunden Menschenverstand widersprechenden Glaubenssysteme
so lange überleben konnten, es lässt sich nur durch ihre zynische Kopulation mit
weltlicher Macht erklären.
Erst diese Synthese machte sie zum Sieger des Wettbewerbes der unterschiedlichen Konzepte.

Schaut man auf das Ergebnis der geschichtlichen Prozesse, dann suggeriert
dieses sehr stark eine Zwangsläufigkeit und Zielgerichtetheit welche überhaupt
nicht ableitbar ist.
Das Christentum z.B, existiert nicht deswegen so lange schon,weil es Wahrheiten transportiert.
Es sind lediglich die Regeln der Evolution nötig zum erhellenden Verständnis.

So wie Homo Sapiens seine Existenz den evolutionären Regeln von Zufall und
Notwendigkeit verdankt, so gründet auch das Vorhandesein der derzeitigen Weltreligionen
auf gut verständlichen Gesetzmäßigkeiten.
Sie sind Ergebnis eines selektiv wirkenden evolutionären Prozesses und . . .
des Zufalls.Das Schicksal des Christentums hing oft am seidenen Faden.

Der anthropozentrische Irrtum besteht darin, Erscheinungsformen
der Biologie, der Struktur des Universums und den Erfolg einer Religion
mit einem unterstellten, ursprünglich festgelegten Ziel in Verbindung zu bringen und
zu verwechseln.Das entspricht zwar menschlicher Intuition, ist aber falsch.
Auch viele wissenschaftliche Erkenntnisse widersprechen sehr drastisch
unseren Annahmen über die Welt

Das ist zugegebenermaßen schwer zu vermitteln und beleidigt nicht selten
das Selbstverständnis vieler Menschen, die das als Reduzierung ihrer
Bedeutung und Würde mißverstehen

So überleben leider viele nur schlecht begründete Theorien.

Das Phänomen ist trivial und zunächst überhaupt nicht schlimm,
letzten Endes aber doch für diesen Planeten gefährlich.Dabei ist es
besonders der Monotheismus,der Risiken birgt.Er ermöglichte zum
ersten Mal den großen Krieg für den einen wahren Gott.

Was war es in Mekka gemütlich bevor Mohamed kam.
Ca. sieben hundert Opferstätten ohne wirklichen Stress
im Miteinander des Anbetens etc.

Warum akzeptiert der Mensch nicht endlich einfach ohne Murren
seine Sterblichkeit?
Das könnte doch gelernt werden, gehörte in die Lehrpläne der Schulen dieser Welt. -
genauso wie die Vermittlung der Konsequenzen, die sich daraus ergeben :
unsere Sterblichkeit gibt unserer Existenz überhaupt erst ihren Wert.
Eine unendliche Ressource an Lebenszeit wäre im Wortsinne fatal.
Unbegrenzt verfügbare Güter sind nie wirklich wertvoll

Nur das ' vita brevis' gibt uns die große Aufgabe der Selbstbestimmung, eröffnet
die Chance, etwas Gutes aus dem Leben zu machen. Das gilt es, zu verstehen.
Es gibt dann keinen Verschiebebahnhof mehr, keine schwachsinnige Hoffnung
auf eine höhere Gerechtigkeit im Jenseits.
Hier und jetzt muss die Sinnfindung und Sinngebung stattfinden.
Das ist eine große Aufgabe und sie erfordert wirkliche Stärke.Sie kann nur im sozialen
Miteinander gestemmt werden und sie muss in der Folge die Welt zu einem besseren
Ort machen. Und sie beinhaltet auch Sprengstoff für die bestehenden, skandalös
ungerechten Verhältnisse auf dieser Welt.Sogar Papst Franziskus scheint das zu verstehen.

Gott hilft nicht. Die Theodizee ist gescheitert, Gott lange schon gestorben
. . . in Lissabon,
in Auschwitz, Verdun, Srebrenica im Tsunami 2004.

Emanzipation und Aufklärung müssen endlich nachhaltig auf die Agenda.
Luther wusste, warum er die Vernunft als Hure Satans bezeichnete.

Vernunft und Religion gehen für mich nicht zusammen.

Das war' s von meiner Seite zu diesem Thema.
Wenn meine Beiträge Schärfe hatten, dann ein
halbherziges "Sorry" meinerseits.
Niemand muss die Zeilen ja lesen.

Wo Toleranz einzufordern ist und wo sie auf Grund
präventiver Überlegungen zur Verhinderung bedrohlicher
Entwicklungen enden muss,
ist eine äußerst schwierig zu beantwortende Frage.
Wir erleben das gerade im Umgang mit dem Islam
und auch die weltweite fundamentalistische Bewegung
der Evangelikalen fordert uns heraus. . .
es steht,wie schon immer,viel auf dem Spiel.

Richtig zimperlich ging es übrigens in der Diskussion
der Philosophen und Kirchenvertreter über zwei
Jahrtausende nie zu.
Von Augustinus bis Luther und bis in die Gegenwart, der Einsatz war,
ist und bleibt hoch.

Gespielt wurde stets mit extrem harten Bandagen.
Es ging und geht um nicht weniger als um die Deutung der Welt.
Der Weg der Auseinandersetzungen ist gesäumt von Leichen.

und nun wünsche ich von Herzen
Frohe Ostern
ulli

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Kommentare

30. Mär 2018

Ist es nicht weniger der "Wahn der Propheten" als das, was die Menschen daraus gemacht haben?

LG Marie

30. Mär 2018

Nein liebe Marie.

anbei für Interessierte eine Beitrag zum Thema von Bertrand Russell.Inhaltlich eine der
Referenzen für meine Gedanken. Der Teil über Jesus hat selbst mich erschreckt.
Ich muss mich Russel leider ohne Einschränkung anschließen.
Russel's Essay " Warum Ich kein Christ bin " ist ein Manifest kritischen
Denkens. Der Autor selbst einer der wenigen integren Persönlichkeiten
des letzten Jahrhunderts.

http://rz-home.de/~ahipler/kritik/warum.htm

liebe Grüße und schöne Feiertage

ulli

30. Mär 2018

die Menschen machen aus allem was...verrücktes
der eigentliche Wahn kommt von den Verursachern!

LG Alf

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