Die Obstbaumverunedelung und andere Naturschutzprojekte

Bild von Alf Glocker
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1. Wie verunedelt man eine Obstbaumplantage?

Die Verunedlung einer Obstbaum-Plantage, die schöne Früchte hervorbringt, ist nicht ganz einfach und erfordert sehr viel Fleiß! Nur ganz besonders gewitzte Subjekte können an eine solch aufwändige Arbeit herangehen … was natürlich wiederum auch eine hohe Bezahlung von Seiten des Obstbaum-Plantagen-Besitzers voraussetzt. Denn man benötigt dabei nicht nur den Einsatz brachialer Kräfte, sondern generell ein großes Aufgebot an Personal.

Zuerst einmal müssen etliche Leute engagiert werden, die in die Plantage gehen, sich an strategisch günstigen Punkten aufstellen (z. B. auch in der Baumschule) und laut skandieren: „Das ganze Obst hier ist Scheiße!“ Dieser Vorgang ist so oft wie möglich zu wiederholen, so daß die Plantage praktisch ganzjährig beschallt ist. Dadurch werden erste Anzeichen sichtbar: Die kleinen Bäumchen wachsen krumm und viele Früchte der jeweils aktuellen Ernte sind wurmstichig …

Wenn die Plantage dann schon ein wenig geschwächt ist, rücken die eigentlichen Arbeitstrupps an! Leitern müssen herangeschafft werden … Die Einsatzkräfte stehen nun vor einer schier nicht zu bewältigenden Aufgabe: Alle gesunden Triebe müssen entfernt werden! Nach unendlich vielen Arbeitsstunden ist es aber geschafft. Nun werden die Ästchen gespaltet und in jedes einzelne der Trieb einer minderwertigen Pflanze, der vorher angespitzt werden muss, eingesetzt und abgebunden.

Dieser Schritt erfordert enorm großes Zerstörungspotential und sehr viel teuflische Leidenschaft, die jedoch von schönem Erfolg gekrönt wird: Jeder Einzelbaum hat auf einmal keine eigenen Triebe mehr, wobei der nährende Stamm durchaus noch vorhanden ist. Das erscheint zunächst sehr praktisch – gibt er doch seine ganze Kraft an dornige Stängel ab, an denen oft nur eine winzige, dunkle Beere hängt, die, kurz nach ihrem Erscheinen, auch schon wieder fault.

Begleitet muss dieser Vorgang durch schrille Beifallsrufe werden, damit die fauligen Triebe auch richtig anwachsen können. Doch dann ist Vorsicht geboten! Bäume, die es gewohnt sind, schöne Früchte zu tragen, sind heimtückisch! Kaum sind die neuen Triebe, als Ersatz für die alten, eingesetzt worden, bilden sie heimlich, an allen möglichen Stellen, wieder ihre natürlichen Knospen und versuchen ihre frühere Fruchtbarkeit herzustellen. Hier ist akribische Aufmerksamkeit überaus wichtig! Nichts darf sich entwickeln, was vielversprechend ist!

Ganze Kolonnen von Arbeitssklaven müssen eingesetzt werden, die mit Hämmern, Äxten und Sägen unterwegs sind, um die guten Keimlinge zu er- oder abzuschlagen, notfalls auch abzusägen. Jetzt sollte die Presse vor Ort sein und dokumentieren, was passiert: „Wilde, terroristische Urtriebe haben heute erneut versucht, aus den ehemals reiche Ernte bringenden Stämmen auszubrechen und sich über das eingesetzte Faul-Material zu erheben – unseren Einsatzkräften ist es jedoch gelungen, dem entschlossen entgegenzuwirken!

Nach ein paar Jahren sollten die Arbeiten jedoch abgeschlossen sein. Dann wird es kein natürlicher Trieb mehr wagen, auch nur eine einzige schöne Frucht hervorzubringen und die Plantage kann als Dekoration genutzt werden. Ihre schaurigen Blüten in allen Farben werden den Plantagenbesitzer und seine Familie hoch erfreuen und ihm jeden Tag zeigen, wie wundervoll Unkraut gedeihen kann … notfalls eben auch auf den Bäumen. Und es werden Feste gefeiert werden können, die vorher nicht denkbar waren: das Ernte-Undank-Fest beispielsweise.

Wie jeder weiß, ist der Undank ja der Welt Lohn – aber sie hat ihn sich eben auch reichlich verdient. Dazu kommen Messen aller Art: schwarze, schräge, krumme und hingebogene. Das ist fein! Denn so kann etwas ganz Neues gedeihen, das bei ausreichender Versorgung durch schöne Früchte niemals gedeihen konnte – das unkreative Chaos, das bekanntlich jede Art von Genie dermaßen gekonnt beherrscht, daß einem früher ganz normalen Menschen nichts mehr einfällt … außer Neubauten vielleicht. Aber was haben die in einer verhunzten Plantage zu suchen?!

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Kommentare

30. Aug 2018

Zum Glück gibt's "Unkraut" heut nicht mehr!
("Beikraut" macht schließlich viel mehr her ...)

LG Axel