Der unerkannte Feind

Bild von Alf Glocker
Mitglied

In früheren Zeiten, als die Soldaten noch auffällig verschiedene Uniformen trugen, durfte jeder sagen: „Das ist der Feind!“ Es war nicht schwierig ihn ausfindig zu machen. Er wies mit vielerlei Zierrat auf sich hin. „Hier bin ich“, verkündete er – und die Heere marschierten gegeneinander auf!

Sogar im sogenannten „Kalten Krieg“ wusste man noch genau wo wer stand und wer was genau vorhatte. Wenn ein feindlicher Soldat jemanden töten wollte, dann kam er mit Gebrüll angelaufen, schoss gezielt um sich und stieß – je nach Bedarf – auch jemandem das Bajonett in den Leib.

Natürlich wollte so ein Soldat, nach getaner „Arbeit“, auch seinen Spaß haben.Dann vergewaltigte er Mädchen oder Frauen in den eroberten Ländern … Hurrrraaaa! Sämtliche Aktionen feindlicher Soldaten waren einwandfrei vorauszusehen und dem Volk war es sogar erlaubt sich zu fürchten.

Auch die Überlegenheit der Waffen spielte eine entscheidende Rolle. Da hatten die einen beispielsweise ein „Zündnadelgewehr“, während die anderen einen umständlichen Ladevorgang zu bewältigen mussten, weshalb sie, schlicht und ergreifend, weniger Schüsse abfeuern konnten.

Wieder andere fuhren mit Panzern gegen Lanzenreiter auf – manche versuchten es mit Kampftechniken per Hand und Fuß … wobei tatsächlich alles „Hand und Fuß“ hatte! Kriege waren berechenbar, nicht unbedingt „edel“ oder „gut“, aber zumindest kannte man sich aus …

Immer wenn ein Krieg zu Ende war fanden Hinrichtungen statt. Die „Verantwortlichen“ der einen Seite wurden angeklagt und abgemurkst. Das Recht des Stärkeren zog ein und dessen Gesetze galten fortan in den, von den siegreichen Armeen annektierten, Bereichen.

Die sogenannte „Bevölkerung“ musste alles akzeptieren was auf sie zukam und wer klug war, der fügte sich freiwillig. Die anderen wurden inhaftiert, beschimpft, ausgegrenzt, oder auch sofort bzw. umgehend von der Erde getilgt, als seien sie Ungeziefer. Wer herrscht, der bestimmt!

Nun könnte man ja einfach hergehen und behaupten: „Wo Vergewaltigungen und Hinrichtungen stattfinden, von, na sagen wir mal, ‚andersartigen‘ Leuten, da findet ein Krieg statt“, aber das wäre im Ansatz bereits falsch, denn dabei trägt ja keiner eine Uniform, die ihn ausweisen würde.

Demzufolge muss man – und sei man auch ein noch so guter Beobachter – zugeben: Das scheinen kuriose Verhaltensformen, innerhalb einer vielschichtigen Gesellschaft zu sein. Wer so urteilt, der stellt Aufgeschlossenheit und Toleranzbereitschaft unter Beweis.

Wenn er sich jetzt auch noch dazu bereit erklärt, die Kultur der offiziell nicht Angegriffenen als überholt zu bezeichnen und sich den Befürwortern, der sich schleichend an die Macht mordenden Invasoren anschließt, der ist befugt, Karriere zu machen,…,alle anderen sind nämlich hinderlich!

Hinderlich wobei? Na, beim Friedensprozess! Nachdem im Krieg zwar die Uniformen, nicht aber die Gepflogenheiten abgeschafft wurden, ist der Blinde König unter den Einäugigen. Er tastet sich behutsam zum Abgrund, der keiner ist, durch den Krieg, der keiner zu sein hat.

Die Zukunft wird, das wissen die Klugen, von Mehrheiten bestimmt. Und wenn die neu aufkommenden Mehrheiten, anders heißen, anders aussehen und vor allem anders denken, dann muss man sich eben rechtzeitig DARAN orientieren und nicht an einer überkommenen Vernunft.

„Vernunft“ ist auch etwas, das von Siegern und Kriegern nicht unbedingt geliebt wird. Denn würde sie angewandt werden, dann dürften die Soldaten ja nichts mehr – Uniform hin oder her … Soldat ist aber Soldat und ein Soldat bekommt, wie der Name schon sagt, seinen versprochenen Sold!

Dafür sind die Besiegten zuständig. Sie haben die Mädchen und Frauen, die Gelder und Güter zu stellen. Sie müssen, notfalls um des lieben Friedens willen, enteignet werden! Das fordert, ohne Uniformen, nicht das Heer, sondern die friedlich hinzugekommen Bürger. Es lebe der Babybauch!

Veröffentlicht / Quelle: 
auf anderen webs.
Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Kommentare

30. Okt 2019

Ach, die Vernunft macht selten Sinn -
Sie schmälert sicher den Gewinn ...

LG Axel

31. Okt 2019

Die menschliche RATIO macht nicht jeden Humanisten froh.
Sehr gerne gelesen !
HG Olaf