Was mich ausmacht - und was nicht!

von Alfred Krieger
Mitglied

Es ist meine Freude am (nicht nur literarischen) Gestalten …
Es ist meine Geduld, welche meinen Perfektionismus unterstützt …
Es ist mein Bemühen, hilfsbereit zu sein …
Es ist mein Mitleiden mit leidenden Kreaturen …
Es ist meine vegane Ernährungsweise - oft ein Opfer! - zum Wohle der Tiere ...
Es ist meine Wertschätzung selbst der „unbedeutendsten“ Lebensformen …
Es ist mein aufrichtiges Bemühen, anderen zuzuhören …
Es ist mein Geschenk, anderen nicht selten Trost spenden zu können …
Es ist meine sprudelnde Quelle der Ideen, die versucht „Schönes“ zu schaffen …
Es ist meine Gabe, mit Musik ein Lächeln in fremde Gesichter zu zaubern …
Es ist mein Ziel, gepflegte, gut eingeübte Witze sinngestaltend vorzutragen ...
Es ist mein Anliegen, mit Wort und Schrift anderen den Alltag zu bereichern ...
Es ist „mein Auftrag“, quasi durch „Schönes“ das Weltgarstige zu bekämpfen …
Es ist mein Versuch, in manche Finsternis ein kleines Licht zu tragen …
Es ist meine Hartnäckigkeit, mit der ich mir gesteckte Ziele verfolge …
Es ist mein Durchhaltevermögen – auch über längere „Durststrecken“ hinweg ...
Es ist mein Bestreben, anderen kleine Freuden zu bereiten …
Es ist mein Kampf gegen Anfechtungen durch Ungeduld, Zorn und Wut …
Es ist meine Angst vor meinen Ängsten ...
Es ist mein Ankämpfen gegen Mutlosigkeit und Verzweiflung …
Es ist mein Klammern an Hoffnung und gedämpften Optimismus ...
Es ist meine Anstrengung, mich selbst nicht so wichtig nehmen zu müssen …
Es ist mein Hadern mit mir selbst …
Es ist meine Unfähigkeit, mich in mir rundum wohlzufühlen …
Es ist meine Störanfälligkeit gegenüber äußeren belastenden Einflüssen ...
Es ist die Tragik, mich selbst be- und auch verurteilen zu müssen …
Es ist meine Schwierigkeit, mit mir Nachsicht zu üben …
Es ist mein Problem, mir und anderen schwerlich verzeihen zu können …
Es ist das Nachtragende in mir …

Es ist also viel Strahlendes, Lichtes, aber auch Düsteres und Finsteres in mir ...
Es ist eine Mischung aus Gutem, Nachteiligem und Schlechtem, was mich ausmacht. Dies alles „bin“ ich -
ich bin sehr reich und ebenso arm zugleich, beschenkt mit Segen, doch gleichermaßen bestraft mit Verwünschung -
dies alles „bin“ ich, denn ich bin nichts anderes als die Gesamtheit dessen, was mich ausmacht …
Nur eines bin ich nicht:

ICH BIN NICHT DIE SUMME MEINER KÖRPERLICHEN BESCHWERDEN UND UNZULÄNGLICHKEITEN!

Es handelt sich bei dem am 28.10.2018 im ersten Entwurfe nedergeschriebenen Text natürlich um Prosa. Er ist nicht in Versen verfasst, verzichtet auf Strophen und weist keine üblichen Reime auf. Dennoch hat er Gedichtcharakter, da die Sätze vom Satzanklange her gleich monoton aufgebaut sind. Diese Wiederholungsstrukturen verleihen der Prosa eine deutliche Rhythmik. Ich betrachte den Text, auch wegen der treffsicheren – alles andere als oberflächlichen – Selbst-Beobachtungen, welche letztlich in jenen Widersprüche und Gegensätze erkennen lassen, als eine Art „Wolpertinger“ zwischen Prosa und Gedicht. „Prosagedicht“ oder „Gedichtprosa“ - was trifft hier wohl eher zu?

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

01. Nov 2018

Ich meine, es ist ein Prosagedicht, lieber Alfred - und es hält auch uns den Spiegel vor. Ich fand mich in vielen Zeilen wieder. Aber zu allererst umreißt es Deinen feinen Charakter. - Es ist hervorragend geworden und sehr ehrlich. Danke dafür.

Liebe Grüße,
Annelie

01. Nov 2018

Liebe Annelie,

ich hielt es zunächst für riskant, diesen Text überhaupt irgendjemandem zu offenbaren, denn - wie Du feststellst - er ist "sehr ehrlich", fast bis zu einer gewissen Peinlichkeit. Aber dann dachte ich mir eben, er hat auch so allgemein menschliche Züge an sich ... vielleicht kann ich irgendeinem Mitmenschen Anregungen, Trost ... damit schenken, also im weitesten Sinne etwas Gutes tun. Entstanden ist das Ganze quasi aus einer Trotzreaktion den ganzen gesundheitlichen Ärgernissen gegenüber, welche mich in letzter Zeit "beglück(t)en".
Es dankt Dir für Deinen Kommentar mit lieben Grüßen
Alfred .

04. Nov 2018

Wie schön, dass auch du nicht vollkommen bist!
Sehr offene Betrachtung und bestechend in ihrer (vermuteten) Aufrichtigkeit.
Ich finde, es handelt sich um eine Gedichtprosa ... aber die Form ist absolut irrelevant.

04. Nov 2018

Werte noé,

ich bin vollkommen! Ich meine, ich bin vollkommen mit meiner gesundheitlichen Situation überfordert (gewesen), deshalb such(t)e ich verbissen danach, was wichtig(er), wertvoll(er) und somit beständig(er) ist, um mich - wie es dereinst Baron von Münchhausen erfolgreich unternahm - quasi an den eigenen Haaren aus dem Sumpfe zu ziehen. So ist dieser Text aus der Not heraus geboren.
Ich danke Dir für Deinen Kommentar!

04. Nov 2018

Lieber Alfred,

eine solche feinfühlige Aufzählung von persönlichen Gegebenheiten - positive wie negative - sollten sich alle, die ein gewisses Alter erreicht haben, trauen zu erstellen. Du bist ein Vorreiter.

Du bist nicht die Summe Deiner körperlichen Beschwerden und Unzulänglichkeiten,
eher die Summe Deiner Gaben und Zulänglichkeiten.

Herzliche Grüße
Willi

06. Nov 2018

Grüß Dich, Willi!

Ich danke Dir für Deine wohlwollende Feststellung, auch wenn ich - zumindest augenblicklich - nicht so recht daran glauben kann, aber ich gelobe Besserung, denn ich weiß:

Was Willi sagt, hat "Hand und Fuß",
so kommt 's, dass man ihm glauben muss!
Ich weiß, er meint es gut mit mir,
d'rum schick' ich liebe Grüße hier
aus uns'rem finst'ren Bayerwald.
Mach 's gut. Du Guter, und - bis bald!

Alfred