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Das Nachspiel

Bild von René Oberholzer
Bibliothek

Im Altersheim hatte man für den Personalabend das Thema "Mittelmeer" ausgewählt. Obwohl November war und draussen sich eine eisige Kälte breitmachte, erschien das Personal in südländischen Verkleidungen und Badeanzügen. Im Speisesaal und in der Eingangshalle, die zu einem Sandstrand umfunktioniert worden waren, machten sich die Gäste auf den Liegestühlen breit. Das Küchenteam, das im Vorfeld des Abends noch ein wenig abgespeckt hatte, um die nackten Oberkörper beim Servieren der erfrischenden Drinks besser in Szene setzen zu können, war bemüht, die Gäste mit einigen Jongliertricks über das übliche Mass hinaus bei Laune zu halten. Zwischen den Liegestühlen waren gelbe Sonnenschirme und künstliche Palmen aufgestellt worden, um das Gefühl von Mittelmeer noch zu verstärken. Im Officebereich konnten sich die Gäste an einem Stand nach Lust und Laune verköstigen. Da gab es Bruschetta als Vorspeise, Lasagne zur Hauptspeise oder Panna Cotta zum Dessert.

Alles deutete auf einen ausgelassenen und erfolgreichen Abend hin, wäre da nicht die Sache mit dem grossen Schwimmbecken im Speisesaal gewesen. Die Dementenbetreuerin Brigitte Kalbermatten hatte schon ein wenig getrunken. Und nachdem sie über den ganzen Strand in den Speisesaal gerufen hatte: "Ich liebe den Heimleiter, ich liebe den Heimleiter", sprang sie in ihrem Bikini in das Schwimmbecken und verursachte mit ihrem Sprung eine derartige Überschwemmung, dass der Abend vorzeitig abgebrochen werden musste. Die Geschichte des Personalabends sorgte noch lange für Gesprächsstoff beim Personal. Für Brigitte Kalbermatten hatte das Ganze ein Nachspiel. Für den Heimleiter hatte die ganze Sache mehr als nur ein Nachspiel.

© René Oberholzer

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