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Der Franziskaner

Bild von Anita Zöhrer
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Ab in die Wildnis war sein Motto. Sein Herz hing der Freiheit an, die Natur war sein Leben. Er erklomm steile Felsen, luftige Höhen brachten ihn dem Himmel näher.

Barfuß durch Wiesen zu laufen, bereitete ihm Freude. Verwunderung löste er bei den Menschen aus, schritt er anmutig über spitze Steine, ohne, dass Schuhsohlen seine bloßen Füße bedeckten.

Er liebte sein Leben, über Gottes wunderbare Schöpfung konnte er nur staunen. Oft hörte man ihn den Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi singen, wenn er durch die Wälder zog. Seine Heimat hatte er an keinem bestimmten Ort, seine Heimat war die ganze Welt.

Traf er jemanden unterwegs, so hatte er stets ein fröhliches Lachen im Gesicht. Niemand, der mit einem Problem zu ihm kam, ging ungetröstet von ihm fort, mochte der Kummer auch noch so groß sein.

Er liebte die Menschen. Liebte die Tiere, liebte die Pflanzen. Blickte er in die Ferne, konnte er vor Freude nur jauchzen, Gott im höchsten Tone lobpreisen.

Vielen war er ein Vorbild, er war Gott nahe wie kaum ein Zweiter. Trat er in Kirchen auf, um dort zu predigen, hingen seine Zuhörer an seinen Lippen.

Andere warfen ihm wiederum Weltflucht vor. Dass er über die Nöte der Welt wirklich Bescheid wusste, konnten sie sich nicht vorstellen. Doch lastete er ihnen ihre Anfeindungen nicht an. Seine Taten bemühte er stets, im Verborgenen zu halten. Frieden zu stiften und Wunden der Seele wie auch des Leibes zu heilen, waren sein Auftrag. Auf Ruhm und Anerkennung konnte er gut verzichten. Ging es den Menschen besser, war dies für ihn der größte Dank.

Bescheiden führte er sein Dasein. Seine alte, braune Kutte war sein einziger Besitz. Seine Gebete trug er in seinem Herzen. Nahrung bekam er von den Menschen, Reste waren ihm genug. Er hatte viele Freunde, sein bester war Jesus. Ihm leibhaftig zu begegnen, war sein einziger Wunsch. Unzählige Nächte lag er wach und betrachtete den Mond und die Sterne, erzählte Jesus seine Träume und tiefsten Sehnsüchte.

Für viele war er bereits zu seinen Lebzeiten ein Heiliger und blieb es auch nach seinem Tode. Im hohen Alter von knapp 90 Jahren war es ihm vergönnt, unter einem Baum sitzend friedlich zu entschlafen und Jesus endlich leibhaftig zu begegnen. So wie er es sich immer gewünscht hatte.

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