Die Kunst in mir - Page 66

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Bauch, zu sich selbst.
»Wie auch immer … Nun, Herr Grimm! Später hat uns ein gewisser Jürgen Lautsprecher angerufen, mit dem Sie sich gestern in der ‚Wiedersehen‘-Justizvollzugsanstalt unterhalten haben! Die Beamten, das Radio, das Fernsehen und sogar unser Bürgermeister haben heute mit Sorgen um die Allgemeinheit darüber berichtet, dass aus der ‚Wiedersehen‘-Justizvollzugsanstalt ein Insasse abgehauen ist. – Wie jener Jürgen Lautsprecher telefonisch mitteilte, wird er Ihnen für das nette Gespräch und die Kondome ein originales ‚Jurones‘-Handy per Post zusenden. Wie dieser Herr sagte, wird ein gewisser Axel Sie kontaktieren und Ihnen das ‚Jurones‘-Handy aushändigen! – Was Sie mit Kondomen und einem Insassen in der Justizvollzugsanstalt zu schaffen hatten, möchte ich lieber nicht wissen, Herr Grimm!«
Erzählte leicht angewidert Herr Eris, und leicht erfreut über den gelungenen Gefängnisausbruch von Lukas Mann nimmt es Robert gerne wahr.
»Wow … Ich bekomme ein ‚Jurones‘-Handy!«
Dachte Robert erneut laut nach, der nachhaltig Lukas Mann mit Ehre auf Gegenseitigkeit assoziiert.
»Dann hat mich mein alter Freund Jens Kran per Privathandy angerufen, der erwähnenswert der Gefängnisdirektor der ‚Wiedersehen‘-Justizvollzugsanstalt ist. Wie Jens Kran mir mitteilte, soll ich Ihnen herzliche Grüße ausrichten, und Ihnen sagen, dass ein altes Fahrrad, das vor langer Zeit Adolf Hitler gehört hatte, für eine unglaubliche Geldsumme von Jens Kran an einen reichen Sammler verkauft wurde. Jetzt wird mein alter Freund, der, nebenbei erwähnt, Gefängnisdirektor ist, von dem Hitler-Fahrrad-Geld sein Gefängnis mit einem großen IMAX-Kino und vielen Klimaanlagen ausrüsten. – Dass Sie ein Fahrrad von Adolf Hitler an Jens Kran verkauft haben, kann ich nicht dulden! Das Fahrrad hätten Sie vernichten sollen, denn Anspielungen auf den 2. Weltkrieg dürfen wir als Deutsche nicht verbreiten! Jetzt bekommen die Verbrecher und Kriminellen noch ein eigenes Kino!«
Verkündete regnerisch und verwildert Herr Eris.
»Oh …«
Sagte sehr ausführlich Robert, dessen gebührliche Freude vor Begeisterung nichts sagen kann.
»Ein paar Minuten darauf erhielten wir einen weiteren Anruf aus dem Bestattungsinstitut ‚Erde und Himmel‘. Am Telefon war ein gewisser David Plau, der dies Unternehmen betreibt. Er hat sich für das Gespräch mit Ihnen bedankt, auch für Ihre geleistete Hilfe beim Leichentransport! Der Herr sagte, er würde extra für Sie den besten, sogar vergoldeten Sarg bauen, den er seit geraumer Zeit nicht gebaut hat; den Sie höchstpersönlich jederzeit abholen könnten. Zudem sollten wir Ihnen ausrichten, dass der Besitzer des Bestattungsunternehmens Ihnen eine Zusammenarbeit anbietet. – Über diesen David Plau kann ich so einiges erzählen: Dass er den Schmuck von Leichen entwendet hat, weiß jeder Beamte in der Stadt!«
Brüllte vom Zorn ergriffen Herr Eris, der Roberts Glück nicht begreifen kann.
»Oh! – Ich bekomme einen vergoldeten Sarg!«
Dachte Robert abermals laut nach.
»Herr Grimm, was haben Sie gestern bloß angestellt? – Ihre Aufgabe war doch ganz allein das Aufspüren von Mark Müller, und nicht das zu machen, was Sie sonst immer getan haben!«
Erfragte rasch Herr Eris.
»Ich war auf der Ermittlungsreise und habe das getan, was sein musste.«
Antwortete freudestrahlend Robert, dessen strahlende Dankbarkeit für dieses Ermittlungsabenteuer unbezahlbar bleibt.
»Was immer Sie auch gestern angestellt haben, unser Polizeipräsident Hubert Schneider ist auf dem Weg hierher, er wird Sie jeden Moment danach fragen, was Sie gestern in der Stadt angerichtet haben. Ich hoffe, Sie werden für Ihre Taten noch heute auf der Anklagebank landen, und meine zuverlässigen Angestellten Frau Molis und Frau Outis werden Sie rechtmäßig verurteilen! – Ach, Herr Polizeipräsident Schneider, da sind Sie ja!«
Sprach heuchlerisch Herr Eris, dessen letzte Ansprache dem Polizeipräsidenten gewidmet gewesen war und dessen Anwesenheit im Gerichtsflur Herrn Eris tüchtig Angst einjagt. Selbst der Wächter hinter der Einlasskontrolle zeigt sich von der Präsenz und Gegenwärtigkeit des Polizeipräsidentes gegenwärtig eingeschüchtert.
»Wie schön, Sie zu sehen, Herr Schneider! – Herr Grimm wartet bereits auf Sie.«
Sagte, ganz Heuchler, Herr Eris.
»Guten Mittag, Herr Eris. – Ist Ihnen bekannt, wieso ich mit Herrn Grimm reden möchte?«
Fragte betont ernsthaft der Polizeipräsident.
»Ja, natürlich, Herr Schneider! – Was unser Herr Grimm gestern angestellt hat, geht über alle Grenzen der Vernunft hinaus!«
Brüllte erneut Herr Eris.
»Ach, tut es das? – Herr Eris, ist Ihnen zufälligerweise dieser Namen ein Begriff: Andreas von Bergmann?«
Erkundigte sich humorlos der Polizeipräsident, der nebenbei Robert diesen Namen ins Gedächtnis zurückruft, denn das versehentlich belauschte kriminelle Gespräch zwischen Andreas von Bergmann und Herrn Eris auf der Personaltoilette hat auch Robert nicht vergessen.
»Andreas von … Nie gehört!«
Offenbarte mit einer Lüge Herr Eris.
»Uwe, bitte verschwinde. – Herr Grimm wartet mich und ich auf ihn.«
Verkündete streng ein Polizeipräsident, und passend für einen Heuchler entsprechend macht sich Herr Eris mit einem roten Gesicht davon, nur noch hinter seinem Rücken das Gespräch zwischen Robert und Herrn Schneider wahrnehmend.
»Also, Herr Grimm! – Wo sind Ihre Unterlagen für das Vorstellungsgespräch?«
Erfragte sehr erfreut ein Polizeipräsident, der in Robert das sieht, was die „Die Kunst in mir“-Maßnahme aus ihm gemacht hat.
»Ich benötige keine Unterlagen, Herr Schneider! – Ich werde nicht für Sie arbeiten. Und auch nicht für Herrn Eris. – Ich werde woanders gebraucht.«
Antwortete menschlich und doch bewusst vorsichtig Robert.
»Gut, es ist Ihre Entscheidung. – Darf ich erfahren, welche andere Behörde Sie rekrutiert hat?«
Sprach ebenfalls sehr menschlich Herr Schneider.
»Nein, es ist keine Behörde … Ich werde in einem Bestattungsunternehmen arbeiten.«
Teilte Robert so ernst mit, dass Herr Schneider davon ein Fragezeichen im Gesicht kriegt.
»In einem Bestattungsunternehmen?«
Erkundigte sich nachdenklich der Polizeipräsident.
»Ja, in einem Bestattungsunternehmen!«
Äußerte Robert mit Stolz dazu.
»Gut, wie Sie möchten … Dann sind wir hier fertig, Herr Grimm.«
Sagte leicht beleidigt und doch hochachtungsvoll der Polizeipräsident, der dessen ungeachtet in Roberts Wahl eine achtenswerte und freie Entscheidung sieht. Robert aber verlässt, frei wie ein Vogel, das Amtsgericht mit einem großen und beachtenswerten Lächeln.
Denn verlässlich auf das sprechende Schicksal achtet Robert nur noch auf die Werte des Lebens, die Robert wertvollere Aufgaben und Pflichten anbieten; etwas, das ihm die Hochstapelei nicht bieten kann. – Und mit einem echten Diamanten in der Hosentasche verachtet Robert nun das berufliche Schicksal nicht, sondern sieht darin eine ersichtliche Freiheit, die mit freier Sicht strebend nach vorne blickt, wo erstrebenswert seine geliebte Lisa auf ihn wartet, und mit einem erwartungsvollen Blick bringt der herbstliche Wind augenblicklich Robert schwungvoll dahin, wo das gemeinschaftliche und berufliche Schicksal zu ihm voller Anhänglichkeit und Leidenschaft geprochen hatte. Anhänglich betritt Robert die Räumlichkeiten des Bestattungsinstitutes „Erde und Himmel“, wo sein Bekannter David Plau, in einem Sarg liegend, auf der Mundharmonika bekannte Musikstücke intoniert.
»Hände hoch, hier ist die Polizei!«
Schrie lachend Robert, der David Plau ebenfalls ein großes Lächeln aufs Gesicht zaubert.
»Hallo, Robert! – Ich habe auf dich gewartet!«
Sprach unglaublich erfreut und doch ein bisschen traurig David Plau, dem das Bestattungsunternehmen gehört.
»Wie ich leider gehört habe, brauchst du dringend einen neuen Arbeitskollegen! – Da bin ich!«
Verkündete lachend und herzlich erfreut Robert.
»Das wurde auch Zeit, Robert! – Dein vergoldeter Sarg wird 40 Kilo wiegen! Ich hoffe, du wirst in den nächsten 60 Jahren nicht viel zunehmen!«
Rief unheimlich begeistert David Plau, der dennoch leicht niedergeschlagen bleibt, weil ja sein Mark hier nicht mehr erscheinen wird.
»David, ich muss dir einfach erzählen, was mich zu dir geführt hat.«
Offenbarte Robert endlich seine Wahrheit, die doch ständig nach Offenbarung gerufen hat.
»Die Leichen reden nicht, Robert! – Somit sind meine Ohren für alles offen!«
Teilte freundschaftlich und vertraut David Plau mit, dessen Freundschaft auf Vertrauensbasis mit Robert erst durch eine anvertraute Lüge aufgebaut war, die Robert sehr bald tröstend über die Lippen bringen wird. Doch bevor Roberts enthüllendes Reden seine Macht ergreifen kann, möchte er diese ruhige und gemütliche Macht des Schicksals genießen, welches zufälligerweise seinen willentlichen Frieden durch die lange gesuchte Arbeitsbestimmung ausgerechnet in einem Bestattungsunternehmen zur Welt gebracht hat. Und in der Tat sind dies die Folgen und Voraussagungen der „Die Kunst in mir“-Maßnahme, die in sagenhafter Manier Roberts inneren Mut und die verborgene Kunst hervorbrachte, die diesen hervorragenden Seelenfrieden und eine vorbedachte Zufriedenheit ausgerechnet durch diese eine Arbeit erschaffen hat …

Lektor: Axel C. Englert

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