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Die Kunstwabenmaschine

Bild von Anita Zöhrer
Bibliothek

Fleißig, fleißig ...

Die Kunstwabenmaschine beginnt zu kochen, ihr Kühlwasser zu blubbern. Den ganzen Tag muss sie ohne Unterbrechung wie ein Sklave schuften und was hat sie davon? Der Arbeiter, der faule Sack, bekommt das Lob. Dabei sitzt er nur den ganzen Tag herum und starrt blöd Löcher in die Luft, das lässt sich die Maschine nicht gefallen.
Noch weiter erhitzt sie das Wasser - bis das Wachs reißt. Der Arbeiter flucht, die Maschine ist zufrieden. Nun muss auch er endlich etwas leisten, so einfach macht sie es ihm nicht. Wieder und wieder lässt sie das Wachs reißen, bis der Arbeiter schließlich durchdreht. Wie ein Irrer schreit er herum und schlägt mit einem Stock auf sie ein.
Sogleich ist unser Chef zur Stelle und stellt den Arbeiter zur Rede. Die Maschine grinst in sich hinein. Was der Unsinn soll, will unser Chef wissen, der Arbeiter ist am Verzweifeln. Lieber lässt er sich in die Psychiatrie einweisen, als sich noch länger von der Maschine ärgern zu lassen.

In Wirklichkeit von der Langeweile des Nichtstuns in die Irre getrieben, das kann dem nächsten Arbeiter nicht passieren. Als leidenschaftlicher Dichter ist er selbst dann beschäftigt, wenn er nichts an der Maschine zu tun hat. Unser Chef ist erstaunt. Kaum kommt es zu Zwischenfällen, der Dichter allein weiß, es ist nicht sein Verdienst. Als erster Arbeiter dankt er der Maschine für ihre tüchtige Funktion, schnell hat ihn diese lieb gewonnen. Noch nie zuvor hat sie jemand zu schätzen gewusst, als Dank dafür bemüht sie sich, ihn in Frieden zu lassen. Und wenn es ihr mal nicht gelingt, so geschieht es aus Versehen und nicht mit Absicht. Besonders wenn er ihr etwas Lustiges erzählt und sie vor Lachen bebt, kann es sein, dass Missgeschicke vorkommen, aber selbst diese nimmt der Dichter gelassen. Niemand ist perfekt, er selbst weiß es von sich und erwartet es auch nicht von anderen. Noch nicht einmal von der Maschine.

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